logo
Münster, 22.11.2017
Lettland: Hohe Ölpreise gefährden Euro-Einführung PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 21. März 2012 um 00:00 Uhr

Am Rigaer Meerbusen sprießen endlich die Schneeglöckchen und die Ökonomen frohlocken wieder einmal mit Wachstumsraten. Die Wirtschaft säuft – leider zuviel Erdöl, so dürfte wohl - wie stets in den letzten Jahrzehnten - auch das nächste Konjunkturpflänzchen vorzeitig verdorren und nicht soviele Früchte hervorbringen, dass ein "Wohlstand für alle", auch für die Unterschichten, gedeihen könnte. Lettische Autofahrer schauen mit gleichem Unmut auf die Preistafeln wie ihre deutschen Leidensgefährten, empören sich ähnlich stereotyp in den beliebten TV-Umfragen an der Zapfsäule. Gerade überschritten die Literpreise die „psychologisch wichtige“ Ein-Lats-Grenze (1,43 Euro) und erreichen damit neue Rekorde. Der Schuldige ist schnell ausgemacht: Der Perser randaliert am Golf und droht mit Blockaden. Mārtiņš Stirāns, Chef des Verbandes lettischer Brennstoffhändler, prophezeite gegenüber dem Webportal delfi.lv am 20.3.12 einen Anstieg von weiteren 40 bis 50 Santims (57 bis 72 Cent) pro Liter, falls Tanker, beladen mit saudi-arabischem Öl, die Straße von Hormus nicht mehr passieren könnten. Schuldig sind natürlich auch Energiesteuern und gewiss die gierigen Ölkonzerne. Doch diese verschwenden den Gewinn nicht nur für fantastische Managergehälter und Dividenden: Sie werden auch Rücklagen bilden müssen, um die technisch immer aufwändigere Ölgewinnung weiter zu finanzieren. Längst vermuten Energie-Experten, dass die Welt das Ölfördermaximum schon erreicht hat, dennoch melden China, Indien und weitere Boomländer steigenden Bedarf. Teures Öl treibt nicht nur die Benzinpreise. In der öllastigen Weltwirtschaft wird das schwindende Schwarze Gold schnell zur Inflationsgefahr. Die lettische Regierung des Premiers Valdis Dombrovskis plant in diesem Jahr einen Preisanstieg von 2,4 Prozent. Doch der Kalkulator des Lettischen Zentralamts für Statistik errechnet für Ende Februar 2012 eine Jahresinflation von 3,4 Prozent. Diese entspricht nicht dem Maastricht-Kriterium von drei Prozent. Das Kabinett Dombrovskis, das am 1.1.2014 den Euro einführen möchte und nicht zuletzt deshalb seiner Bevölkerung eine schonungslose Sparpolitik verordnete, will einen Inflationsbekämpfungsplan entwickeln.

An einer Tankstelle in Riga: Im März 2012 übertreffen die Benzinpreise erstmals die 1-Lats-Grenze, Foto: LP

Weiterlesen...
 
Lettland: airBaltic fliegt noch in der Verlustzone PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 07. März 2012 um 11:35 Uhr

Airbaltic-MaschineDie lettische Fluggesellschaft airBaltic flog 2011 mit Verlusten, der ehemalige Wirtschaftsminister Artis Kampars warnte im letzten Jahr, dass sie kurz vor der Pleite stehe. Ihr neuer Chef Martin Gauss, der wie sein Vorgänger ein Deutscher ist, nannte der lettischen Presse am 6.3.12 den Betrag von 77 Millionen Lats (110 Millionen Euro), der im Vorjahr in der Kasse gefehlt habe. Die Steuerzahler müssen für die Schulden aufkommen, denn airBaltic ist zu 99,8 Prozent in staatlichem Besitz. Das lettische Verkehrsministerium hatte von der bankrotten Bank Latvijas Krājbanka Anfang Dezember die Aktien des privaten Anteilseigners Baltijas Aviācijas sistēmas (BAS) für 224.453 Lats (320.699 Euro) übernommen. Die BAS gehörte dem damaligen airBaltic-Chef Bertold Flick. Seine Privatfirma war mit 47,2 Prozent am Flugunternehmen beteiligt. Die lettische Regierung zerstritt sich mit Flick, weil er unter anderem fragwürdige Geschäftskontakte zum Pleitebanker Vladimir Antonov unterhielt und keine Zahlen über die Verluste der in Riga beheimateten Fluggesellschaft nennen wollte. Gauss legte der Regierung einen Sanierungsplan vor. AirBaltic soll bis 2014 in die Gewinnzone zurückfliegen. Die lettische Kartellbehörde verlangt derweil von den Rigaer Flughafenbetreibern eine Geldbuße, weil sie den airBaltic-Konkurrenten Ryanair gegen geringere Gebühren abfertigen und damit den Wettbewerb verzerren.

Eine Boeing-Maschine von airBaltic, Foto: Teraudz77 auf Wikimedia Commons

Weiterlesen...
 
Eine Zugreise nach Riga – fast so spannend wie der Weltraumbahnhof Baikonur PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 02. März 2012 um 21:31 Uhr

Auf dem Bahnsteig im Hauptbahnhof RigaWer möglichst umweltschonend in die baltischen Staaten reisen will, wird mit langer Reisezeit und weiteren Strapazen bestraft. Eigentlich wäre die Eisenbahn das geeignete Transportmittel für solche Fernstrecken. Doch bislang gestaltet sich eine Schienenreise von Berlin bis Riga als Entschleunigungsübung mit ganz speziellem Service auf weißrussischer Seite. Zur Kaiserzeit war die baltische Region mit Dampfrössern schneller erreichbar. Lettland leistet sich eine sowjetische Museumsbahn als Massentransportmittel. Aber die baltischen Länder wollen den Anschluss an den Westen. Ihre Regierungen planen daher, mit EU-Hilfe die Rail Baltica zu bauen. Diese soll die Städte Tallinn, Riga und Kaunas mit Warschau und Berlin verbinden. Die Modernisierung des veralteten Bahnnetzes könnte auch die lettische Wirtschaft vorantreiben. Doch in letzter Zeit macht eher eine fragwürdige Ausschreibung Schlagzeilen.

Abfahrt auf dem Gelände des Hauptbahnhofs Riga, Foto: LP

Weiterlesen...
 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 9 von 15

(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||