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AHK-Konjunkturumfrage: Für deutsche Unternehmer sind die baltischen Länder die attraktivsten Wirtschaftsstandorte in Osteuropa PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 26. April 2014 um 00:00 Uhr

AHK-PressekonferenzAm 23.4.2014 stellte die deutsche Auslandshandelskammer Baltische Staaten (AHK) in Riga die Ergebnisse ihrer letzten Konjunkturumfrage vor. Die AHK vertritt die Interessen von Unternehmern, die im lettisch-deutschen Auslandsgeschäft tätig sind. Wie in den letzten Jahren befragte die Kammer ihre deutschen Mitglieder, wie sie die gegenwärtige und zukünftige Lage bewerten. Insgesamt beteiligten sich 119 Firmen, davon 38 aus Lettland. Die AHK hält die Ergebnisse für repräsentativ, weil es sich um eine homogene Gruppe handele. Die Firmenchefs sind weitgehend optimistisch gesinnt, allerdings ist in dieser Erhebung die Ukraine-Krise noch nicht `eingepreist`.

AHK-Pressekonferenz mit - von links - der Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Lettland Andrea Wiktorin, AHK-Regionalpräsidentin in Lettland Ingrīda Ķirse und AHK-Geschäftsführerin Maren Diale-Schellschmidt auf der Pressekonferenz am 23. April 2013 in Riga, Foto © AHK Baltische Staaten.

 

Standortattraktivität ausgewählter mittelosteuropäischer Länder (Quelle: AHK)

Insgesamt sind deutsche Unternehmer mit den baltischen Ländern zufrieden. Lettland, Litauen und Estland schneiden deutlich besser ab als andere osteuropäische Länder.

Tabelle Standortattraktivität

Die AHK fragte ihre Mitglieder, wie sie die wirtschaftlichen Bedingungen in den einzelnen mittelosteuropäischen Ländern bewerten, nach der Schulnoten-Skala von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend). Diese Grafik zeigt einige Beispiele. Insgesamt führen die Balten die Gesamtliste der 20 Staaten an. Auffallend ist, dass Firmen, die nur in den baltischen Ländern tätig sind, diese etwas besser beurteilen als Unternehmen, die auch in anderen osteuropäischen Ländern Produkte produzieren, mit Waren handeln oder Dienstleistungen anbieten. Ausschließlich EU-Staaten schneiden überdurchschnittlich gut ab, nur in Rumänien und in Bulgarien sind die Bewertungen schlechter als der ermittelte Durchschnitt.

 

Die lettische Regierung weist stolz auf Konjunkturzahlen. In den letzten Jahren hatte das Land, relativ und prozentual gerechnet, den größten BIP-Zuwachs innerhalb der EU. Trotzdem beurteilen die befragten Unternehmer die derzeitige Wirtschaftslage Lettlands etwas skeptischer als jene Litauens oder Estlands. Doch in allen drei Ländern verstärkt sich im Vergleich zu den Vorjahren der Trend zur Zuversichtlichkeit. Allerdings hat sich seit letztem Jahr (damals 11 Prozent) der Anteil jener Unternehmer wieder erhöht, die die Lage in Lettland als „schlecht“ beurteilen.

 

Beurteilungen der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage in Prozent (Quelle: AHK)

Tabelle Wirtschaftslage

Einzelne Investitionsbedingungen (Quelle: AHK)

Recht aufschlussreich sind die einzelnen Kriterien des Standorts Lettland. Die beste Note erzielt dabei traditionell die EU-Mitgliedschaft. Der europäische Binnenmarkt, Fördergeld und gemeinsame rechtliche Regelungen machen die EU für Unternehmer attraktiv. (Noten von 1 „sehr gut“ bis 5 „mangelhaft“; der Wert „0“ bedeutet, dass 2012 dieses Kriterium nicht ermittelt wurde).

Bewertungskriterien für Investitionsentscheidungen

 

Manche Bewertungen sind naturgemäß interessegelenkt. Die Arbeitskosten mögen für Arbeitgeber attraktiv sein. Wenn das niedrige Löhne bedeutet, ist das für lettische Arbeitnehmer kaum erfreulich. Lettische Durchschnittslöhne sind nach wie vor dürftig. In letzter Zeit schrammt Lettlands Inflationsskala nahe an der Deflationsgrenze. Da ein Zusammenhang zwischen Löhnen und Inflation besteht, dürfte sich das Einkommen der meisten abhängig Beschäftigten bislang kaum erhöht haben. Laut AHK-Umfrage rechnen die deutschen Unternehmer aber mit deutlichen Lohnerhöhungen in nächster Zeit. Die Steuern, die Unternehmer genehm wären, müssten erst noch erfunden werden. Lettland besteuert Unternehmen deutlich niedriger als die meisten westlichen EU-Länder. Die Transparenz öffentlicher Aufträge scheint sich leicht zu verbessern. Häufig beklagen sich ausländische Firmen, dass sie bei Ausschreibungen benachteiligt seien. Der Verfügbarkeit von Fachkräften wird mit besserer Ausbildung allein nicht beizukommen sein: Fachkräfte verdienen im Westen ein Vielfaches, sind dort auch sozial besser abgesichert als in Lettland. Um Abwanderung zu verhindern, bräuchte Lettland höhere Löhne und einen besseren Sozialstaat. Das funktioniert nur mit höheren Steuereinnahmen – da beißt sich die Arbeitgeberkatze in den Schwanz. Ähnliches gilt für die Bekämpfung der Kriminalität: Auch lettische Polizisten sind – wie die meisten anderen Staatsdiener - unterbezahlt.

In diesem Jahr kommt die AHK-Umfrage abermals zu dem Schluss, dass der überwiegende Teil der deutschen Unternehmer ihre Investitionen in den baltischen Ländern nicht bereut haben. 81 Prozent würden sich wieder für Lettland entscheiden. Die Zustimmung fällt in den Nachbarländern noch höher aus, für Litauen würden sich 90 Prozent, für Estland sogar 94 Prozent erneut entscheiden. Ingrīda Ķirse, AHK-Regionalpräsidentin für Lettland, lobte ihre Mitglieder für die Bereitschaft, Arbeitnehmer fortzubilden. Sie glaubt, dass deutsche Firmen einen wesentlichen Beitrag für Lettland leisten und kommt zu einem positiven Fazit: „Diese Innovationsstärke und Anpassungsfähigkeit der hiesigen Unternehmen und der dahinterstehenden Mitarbeiter ist einer der Erfolgsfaktoren der dauerhaften Wettbewerbsfähigkeit und Krisenfestigkeit der Wirtschaftsstandorte Estland, Lettland und Litauen.“ Krisenfest ist vor allem die lettische Bevölkerung, die schon so manches überstehen musste und immer noch überstehen muss. Nicht alle beurteilen die Lage derart optimistisch.

 

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