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Münster, 18.5.2012
Latvijas Krājbanka: Lettland hat eine neue Krachbank PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 25. November 2011 um 22:59 Uhr

Krajbanka-AutomatBritische Polizisten nahmen am 24.11.11 Wladimir Antonow und Raimondas Baranauskas fest. Die litauische Regierung hatte einen internationalen Haftbefehl ausgestellt. Sie wirft den beiden Inhabern der Snoras-Bank vor, dass sie mit betrügerischen Machenschaften und gefälschten Dokumenten ihr Geldinstitut in die Pleite wirtschafteten. Die Banker kamen am nächsten Tag erst einmal gegen Kaution frei. Der jüngste Bankenkrach ruiniert auch Latvijas Krājbanka. Der lettische Staat veräußerte sie seit 1997 nach und nach. Nun ist sie eine Tochter dieser litauischen Privatbank. Die Zahlungsunfähigkeit der Krājbanka erreicht offenbar nicht die Dimension der Parex-Krise, die den lettischen Staat 2008 an den Rand des Bankrotts trieb. Antonows lettische Filiale rangiert lediglich auf Platz 9 der größten lettischen Banken. Dennoch ist dies ein Rückschlag in der wirtschaftlichen Erholung des Landes. Abermals muss die lettische Regierung Geld bereitstellen, um die Spareinlagen und Gehaltskonten der Kunden abzusichern. Diese standen am Wochenbeginn erst einmal ratlos vor gesperrten Geldautomaten. Die Folgen für die lettische Wirtschaft sind noch nicht abzusehen. Die Rigaer Fluggesellschaft airbaltic ist Kunde der Snoras-Bank. Pietiek.com berichtete, dass die lettische Regierung erwägt, einen Millionenauftrag für neue Eisenbahnzüge zu stornieren. (Inzwischen dementieren Regierung und die Waggonbau-Manager, dass Fabrik und Vertrag gefährdet seien). Die Vorsitzende des lettischen Arbeitgeberverbandes, Līga Menģelsone, warnte, dass zahlreiche Firmen, deren Krājbanka-Konten gesperrt sind, nun selbst zahlungsunfähig werden könnten. Auch zahlreiche Kommunen haben Einlagen in der lettischen Traditionsbank, die 1924 gegründet wurde und zuletzt über 900 Mitarbeiter beschäftigte.

Die Krājbanka-Automaten geben kein Geld mehr her, Foto: LP

Koknese liegt trocken

Die LTV1-Nachrichtensendung Panorama zeigte am Wochenanfang ratlose Bankkunden in Koknese. Der Krājbanka-Automat gab keine Banknoten mehr her. Er ist in diesem historischen Ort an der Daugava die einzige Geldquelle weit und breit. Die benachbarte Blumenhändlerin ließ für ihre schnell verderbliche Ware erst einmal anschreiben. Inzwischen können Kunden des Pleite-Instituts einmalig 50 Lats (71 Euro) von ihrem Konto abheben. EinYouTube-Video ist zu sehen, das eine Kundenschlange vor einer lettischen Filiale zeigt. In einigen Tagen wird die Citadele-Bank, die `gute` Nachfolgerin der bankrotten Parex-Bank, die Konten übernehmen. Die Regierung und die Aufsichtsbehörden beruhigen die Kunden. Sie muss ihre Guthaben bis zu einer Höhe von 100.000 Euro gemäß einer EU-Bestimmung garantieren. Es handele sich nur um vorübergehende Zahlungsengpässe. Latvijas Krājbanka konnte sich ihre neue Mutter nicht aussuchen. Auch diese schien über eine solide Bilanz zu verfügen, überstand sogar unbeschadet die Finanzkrise. Doch nun stellten die litauischen Bankenkontrolleure so manche Luftbuchung fest. Der russische Geschäftsmann Wladimir Antonow wird verdächtigt, illegal Kapital von seinen baltischen Banken angezapft zu haben. Das soll er in den kleinen niederländischen Autobauer Spyker Cars investiert haben. Von diesem hängt wiederum die Fortexistenz des kriselnden schwedischen Autobauers Saab ab. Schon die Art, wie Antonow in den Besitz der Snoras-Bank kam, erscheint den Ir-Journalisten Inta Lase und Mants Dubausks fragwürdig. Sie recherchierten in ihrem Artikel vom 23.11.11 die Machenschaften Antonows. Er stammt aus einer russischen Familie, die Inhaberin der Konversbank ist. Diese kaufte 2003 ein Aktienpaket, das 49,9 Prozent der Snoras-Bank umfasste. Beobachter rätselten, woher die Russen das Geld hatten: Die Bilanzsumme der Konversbank betrug damals nur 89,2 Millionen Euro, diejenige der  litauischen Bank hingegen 318,5 Millionen. Vor dem Zusammenbruch besaßen Antonow 68,1 Prozent und Baranauskas 25,31 Prozent der Snoras-Aktien.

Krajbanka-Filiale in Kengarags

Auch diese Krājbanka-Filiale in Ķengarags hat geschlossen, Foto: LP

 

Unabsehbare Folgen

Die litauischen Kontrolleure zweifelten an den Kapitalangaben der Snoras-Banker. Unter anderem füllten fragwürdige russische Immobiliengeschäfte die Bilanzposten. Am 16. November erklärte der Vorsitzende der litauischen Nationalbank Vits Vasiļausks, dass seine Mitarbeiter ausländische Ansprechpartner kontaktiert hätten, um nach Snoras-Wertpapieren zu suchen. Es stellte sich heraus, dass Kapital im Wert von mehr als 290 Millionen Euro fehlte. Die Litauer untersagten den weiteren Bankbetrieb. Das hatte unmittelbare Auswirkung auf die Krājbanka. Die lettische Finanzaufsicht stoppte am 21.11. die Geschäfte der Tochterbank. Auch ihre Bilanz ist fragwürdig. Etwa 140 Millionen Euro ihrer Aktivposten sind an unbekannte ausländische Geschäftspartner verpfändet. Der oberste lettische Staatsanwalt ließ den Chef der Krājbanka, Ivars Priedītis, festnehmen, er habe seine Kompetenzen überschritten und fragwürdige Dokumente unterschrieben. Allerdings blieb Priedītis aus gesundheitlichen Gründen von der Inhaftierung verschont. Die Krājbanka-Pleite könnte lettische Unternehmen in Schwierigkeiten bringen. Die Fluggesellschaft airBaltic hat Geschäftskontakte zu den betroffenen Geldhäusern. Der private Anteilseigner von airBaltic, die Baltijas Aviācijas Sistēmas (BAS), ist von Antonows Banken abhängig. Die Fluggesellschaft hat ohnehin schon Finanzierungsprobleme. Pietiek.com wurde aus „informierten Kreisen“ unterrichtet, dass die lettische Regierung erwägt, vorerst keinen Vertrag mit einem spanischen Unternehmen zu unterschreiben, das gemeinsam mit der Rigaer Aktiengesellschaft Vagonbūves rūpnīca (RVR) neue Züge herstellen soll. Die Journalisten ermittelten, dass die Rigaer Waggonbaufabrik in die finanzielle Abhängigkeit derKrājbanka geriet, sie musste ihr Kapital der Bank verpfänden. Einige staatliche und kommunale Unternehmen können nicht über ihre Konten verfügen. 235.000 Kunden, unter ihnen Pensionäre und Empfänger von Sozialleistungen, warten derzeit auf ihr Geld. Doch die Regierung sichert zu, dass sie es erhalten werden. Abermals bereitet sie sich auf umfangreiche Zahlungen aus dem Staatshaushalt vor. Diesmal ist von Ausgaben bis zu 200 Millionen Lats (284 Millionen Euro) die Rede, um die Verbindlichkeiten der Bank zu begleichen. Das ist ein schwerer Rückschlag für den Finanzminister, dessen Haushalt immer noch vom Internationalen Währungsfonds diktiert wird.

Citadele?automat

Krājbanka-Kunden erhalten ihr Geld demnächst an Citadele-Automaten wie hier im Rigaer Stadtteil Ķengarags, Foto: LP,

 

Unsolider Luxus

Eigentlich plante der lettische Regierungschef Valdis Dombrovskis, die Krājbanka zu sanieren. Er beabsichtigte, in dieser Angelegenheit nach Vilnius zu reisen. Doch dann erfuhr er am 24.11.11, dass die Regierung des Nachbarlandes bereits beschlossen hatte, die Snoras-Bank aufzulösen. Der Ausfall des Mehrheitsaktionärs bedeutet nun auch für die Krājbanka das Ende. Dass die Litauer ihre lettischen Kollegen nicht früher über ihre Schließungspläne informierten, deutet auf diplomatische Unstimmigkeiten zwischen Riga und Vilnius hin. Nun wartet man in den baltischen Staaten auf die Auslieferung von Wladimir Antonow und Raimondas Baranauskas. Das dürfte, wie die juristischen Streitigkeiten um Wikileaks-Gründer Julian Assange zeigen, einige Wochen oder auch Monate dauern. Was bewog Millionär Antonow, derart riskante und mutmaßlich illegale Geschäfte zu betreiben? War es der letzte verzweifelte Versuch, Saab zu retten ? Oder vielleicht doch nur die Folge eines rücksichtslosen Gewinnstrebens? Die Ir-Journalisten notierten ähnliche Leidenschaften, die schon die Parex-Banker hegten: Auch die Snoras-Bank zählte zu ihrem Fuhrpark zahlreiche Luxusfahrzeuge, Spyker, Jaguar, Maybach usw. Zudem fanden sie einige Snoras-Prachtwohnungen im Zentrum von Vilnius, die nur privat, nicht geschäftlich genutzt wurden. Die Bank sponserte den Formel-1-Rennzirkus. Das alles weist auf ein wenig nachhaltiges Geschäftsmodell, für das nun Bankangestellte mit ihren Arbeitsplätzen und Bürger abermals mit ihren Steuermillionen büßen müssen.

 

Weitere LP-Artikel zum Thema:

Lettland Turbulenzen bei airBaltic: Wirtschaftsminister Artis Kampars warnte vor drohendem Bankrott

Parex-Bank will nicht mehr Parex-Bank sein - aber trotzdem weitere 100 Millionen Lats vom Staat


Externe Linkhinweise:

financenet.lv: Londonas tiesa atbrīvo Antonovu un Baranausku

financenet.lv: Dombrovskis atceļ vizīti Lietuvā

politika.lv: Krājbanka uzbango otro krīzes vilni (Video)

YouTube: ltv1- Panorama - Daudzviet Krājbanka bija vienīgais bankas automāts apkārtnē

bizness.delfi.lv: Lietuvas valdība nacionalizēs banku 'Snoras'; bankā trūkst vērtspapīru vairāk nekā miljarda litu vērtībā

pietiek.com: Krājbankas krahu min kā iemeslu vilcienu iepirkuma nobremzēšanai

 

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