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Münster, 20.11.2017
Ausländische Investoren vor allem am lettischen Wald interessiert PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 29. April 2017 um 00:00 Uhr

Schweden kaufen am meisten

Wald bei LigatneJournalisten des TV-Politmagazins De Facto ermittelten den Anteil der landwirtschaftlichen Fläche, der im ausländischen Besitz ist. Um es vorwegzunehmen: Nicht alle ausländischen Investoren sind böse Landgrabber. Die Folgen der ausländischen Käufe lettischen Bodens sind nicht eindeutig negativ oder positiv zu werten. Mindestens acht Prozent der Fläche Lettlands gehört inzwischen ausländischen Besitzern – mindestens, weil über Flächenbesitz, der weniger als 500 Hektar beträgt, keine Angaben über die Herkunft der Käufer vorliegen. Der ermittelte ausländische Besitz beträgt insgesamt 340 344,5 Hektar, eine Fläche, elf mal so groß wie Riga. Unter den Ausländern besitzen Schweden die meisten lettischen Wälder und Felder, unter ihnen befinden sich die Unternehmen Bergvik Skog und Ikea.

Lettischer Wald bei Ligatne, Foto: LP

Lettland ist nicht nur Rohstoffquelle

Die Journalisten befragten den Geschäftsführer von Bergvik Skog, das mit etwa 100.000 Hektar der größte ausländische Waldbesitzer in Lettland ist. Nach seinen Angaben arbeiteten die drei lettischen Tochterfirmen noch mit Verlusten. Zweidrittel der angekauften Flächen befinden sich in Lettgallen. Die Schweden betreiben hierzulande Waldwirtschaft. Sie planten langfristig und rechneten später mit einer Rendite von drei bis vier Prozent jährlich. Fast die Hälfte der Bergvik-Skog-Aktien gehört dem finnisch-schwedischen Papier- und Zellulosehersteller Stora Enso. Mitaktionär ist ein weiterer Papierfabrikant: Die schwedische Firma Billerud-Korsnäs. Auch der schwedische Möbelkonzern Ikea erwarb mittels seiner niederländischen Filiale 24.000 Hektar vom lettischen Forst. Investitionen in die Waldwirtschaft gehörten zur Strategie, um dem Unternehmen wichtige Ressourcen zu sichern. Doch noch reiche der lettische Anteil am Ikea-Waldbestand nicht aus und man wisse noch nicht, wie es weitergehe, meinte ein Vertreter des Unternehmens. Ikea nutzt Lettland nicht lediglich als billige Rohstoffquelle. Zumindest ein Möbelhersteller aus dem lettischen Gulbene erhält von den Schweden Produktionsaufträge (ob dies ein Feigenblatt ist oder Ikea tatsächlich einen maßgeblichen Beitrag zur lettischen Wertschöpfung leistet, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden). Bald ist die Eröffnung des ersten lettischen Ikea-Verkaufshauses in Riga geplant. Problematisch ist das ausländische Interesse an Waldwirtschaft in jenen Regionen, wo die örtlichen Bauern neue Anbauflächen benötigen. De Facto berichtet, dass sich in einigen Gemeinden des Landes ein beträchtlicher Teil der Felder und Wälder in ausländischer Hand befinden, in Zilupe sind es fast die Hälfte. Ein Landwirt aus der Umgebung von Rezekne erklärt den Journalisten seine Situation: Er müsse an seinen Feldern angrenzendes Land von Schweden pachten, das er lieber kaufen würde. Doch die ausländische Nachfrage hat die Preise verdorben, ein Zukauf übersteigt die finanziellen Möglichkeiten. Auch die Manager schwedischer Pensionsfonds investieren in lettische Flächen, ihre lettischen Kollegen tun das nicht. Laut De Facto seien die gesetzlichen Hürden für lettische Pensionsfonds zu hoch. Auf lsm.lv ist eine Graphik mit dem jeweiligen Anteil an den 340.344,5 Hektar zu finden: Die Schweden besitzen davon 171.977, die Deutschen 30.550 und die Österreicher 3972 Hektar.

 

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