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Münster, 25.6.2018
Prager Frühling PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Donnerstag, den 22. Januar 2015 um 00:00 Uhr

Gleich das erste Spiel ist der Höhepunkt der 79. Eishockey-Weltmeisterschaft. Zumindest aus lettischer Sicht. Dort trifft man am 1. Mai in der O2-Arena auf Kanada. Es ist die Revanche für eines der großartigsten Spiele, das die izlase je abgeliefert hat (siehe unseren Beitrag "Lettland verliert erhobenen Hauptes gegen Kanada"). Dennoch wird der 17 000 Besucher fassende Eispalast am Moldau-Knie nicht ausverkauft sein. Zum einen interessieren sich die Tschechen nicht so sehr für lettisches Eishockey. Hinzu kommt, dass die kanadische Mannschaft kaum identisch sein wird mit der Olympiasiegerequipe von Sotschi. Jedes Jahr im Mai steigen in der National Hockey League die Play-offs, in denen die besten Profis beschäftigt sein und kaum für ein aus nordamerikanischer Sicht drittklassiges Turnier abgestellt werden.

Lettische Eishockeyfans, Foto: Dave O auf Wikimedia Commons, Lizenz

 

Das gilt nicht für die lettischen Akteure. Nur zwei von ihnen spielen in der NHL. Zemgus Girgensons stürmt für die Buffalo Sabres. Allerdings belegt das vom früheren izlase-Coach Ted Nolan trainierte Ostküstenteam in der Atlantic Division der Eastern Conference einen abgeschlagenen letzten Platz und ist meilenweit entfernt von einer Play-off-Teilnahme. Wir werden Girgensons also in Prag wiedersehen.

Ebenso Kristers Gudļevskis: Der Held des Viertelfinals von Sotschi gehört zwar dem Tabellenführer der Atlantic Division und sicheren Play-off-Teilnehmer Tampa Bay Lightning an, steht aber für dessen B-Mannschaft Syracuse Crunch zwischen den Pfosten. Das so genannte Farmteam tummelt sich in der zweitklassigen American Hockey League. Bester lettischer Torwart ist Gudļevskis ohnehin, zumal Kollege Edgars Masalskis mit 35 langsam in ein Alter kommt, wo er sich, nach 17 verschiedenen Stationen bei europäischen Profivereinen, mit dem Karriereende anfreunden muss.

Noch am Anfang seiner Laufbahn steht, trotz seiner 51 Jahre, Aleksandrs Belavskis. Er übernahm im letzten Sommer den izlase-Job von Ted Nolan. Erfahrung als Cheftrainer hat er außer mit dem schwedischen Team von Björklöven Umeå nur mit U20-Teams gesammelt - zuletzt in Weißrussland, wo er geboren ist (in Vitebsk), als Coach von Dynamo-Shinnik Bobruisk, der Juniorenabteilung des KHL-Klubs Dynamo Minsk.

Zemgus Girgensons im Eishockeydress

Zemgus Girgensons, hier im Dress der Buffalo Sabres, Foto: Michael Miller auf Wikimedia Commons, Lizenz


Doch kennt Belavskis Prag ganz gut. Dort saß er, als Assistent des schwedischen izlase-Coachs Kurt Lindström, auf der Trainerbank. Das war bei der Weltmeisterschaft 2004 in Tschechien. Gutes Omen? Immerhin sprang vor elf Jahren Rang sieben heraus, die beste lettische WM-Platzierung überhaupt. Dies zu wiederholen wird so leicht nicht sein. Lettland ist in einer Vorrundengruppe mit den Gastgebern, Schweden, Kanada, der Schweiz, Frankreich, Deutschland und Österreich. Ziel dürfte wohl das Viertelfinale sein.

Um es zu erreichen, wird man vermutlich die Schweizer schlagen müssen, eine Truppe, die in Sotschi auf dem Weg ins Viertelfinale beiseite geräumt wurde (mit Masalskis statt Gudļevskis zwischen den Pfosten, siehe auch unseren Bericht "Lettland schlägt die Schweiz im Play-off"). Darüber hinaus sollte sich die izlase gegen die Underdogs Frankreich und Österreich möglichst keinen Punktverlust leisten. Deutschland ist zwar ebenfalls in der Weltrangliste schlechter platziert als Lettland (Rang 13 gegenüber Rang neun). Doch gewannen die nur im Fußball filigranen Michels bei den Turnieren in der jüngeren Vergangenheit meist die direkten Duelle. Zuletzt hieß es bei der Weltmeisterschaft in Weißrussland 3:2 für die vom US-Amerikaner Pat Cortina trainierte DEB-Auswahl.

Rot-Weiß-Rote Erfolge gegen Tschechien, Schweden und Kanada sind utopisch. Oder doch nicht? Bei der WM 2014 wurde gleich zum Auftakt Finnland geschlagen, was nicht zuletzt dem Umstand geschuldet war, dass die hoch favorisierten Skandinavier den südlich der Ostsee gelegenen Nachbarn unterschätzt hatten. Das wird den Kanadiern nicht passieren. Dafür war Lettland im Viertelfinale von Sotschi einfach zu gut!

 

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