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Münster, 25.6.2018
EM-Qualifikation Niederlande-Lettland: Rekordniederlage der izlase PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Montag, den 17. November 2014 um 00:00 Uhr

AmsterdamArena von außenEs ist ja nicht so, dass die kleinen Nationen in der EM-Qualifikation nicht für Überraschungen sorgen: Malta entführte am Wochenende einen Punkt aus Bulgarien, Liechtenstein siegte in Moldawien und die Färöer-Inseln triumphierten gar beim WM-Achtelfinalisten Griechenland. Auch Lettland, das offiziell (wie lange noch?) nicht zu den Fußballzwergen zählt, gelang eine Überraschung - allerdings der negativen Art. Nullzusechs hieß es am Ende gegen Vizeweltmeister Niederlande. Es war die höchste Niederlage der izlase seit Wiedererlangung der lettischen Unabhängigkeit. Ganze vier Minuten hielt die Null in der AmsterdamArena. Dann durften sich die üblichen Verdächtigen hervortun. Flanke Arjen Robben, Kopfball Robin Van Persie, und es hieß 1:0. Gut, es kann schon mal vorkommen, dass Robben flankt, doch dann sollte wenigstens ein lettischer Verteidiger beim gefährlichsten Stürmer der Holländer stehen. Leider war dies nicht der Fall.

Keine Chance für die Letten in der AmsterdamArena, Foto: Janericloebe auf Wikimedia Commons, Lizenz

 

In der 35. Minute durften Robben und Van Persie ungestört kombinieren. Diesmal war der Initiator Robben auch der Vollstrecker, mit elegantem Schlenzer ins obere Tordreieck. Doch damit nicht genug: Ibrahim Afellay steckte durch auf Klaas-Jan Huntelaar, der frei vor Keeper Kolinko (Vanins ist immer noch verletzt) den 3:0-Halbzeitstand markierte. Lettische Chancen? Fehlanzeige! In der zweiten Halbzeit ging das Toreschießen munter weiter. Jeffrey Bruma aus kurzer Distanz, Robben nach schöner Kombination und Huntelaar nach feinem Zuspiel von Jordi Clasie machten das halbe Dutzend voll. Die Rot-Weiß-Roten waren an diesem trüben Novemberabend in Amsterdam nur Staffage.

"Glanzvolle Momente" und sogar "zeitweisen Zauberfußball" attestierte die internationale Presse den Gastgebern. Die standen vor der Partie gehörig unter Druck: Alles andere als eine überzeugende Leistung hätte Bondscoach Gus Hiddink - er selber hatte die Begegnung nach den vorhergegangenen Qualifikationsniederlagen in Tschechien und Island zum Schicksalsspiel erklärt - den Trainerjob gekostet. So zog der Oranjeboss den Kopf noch einmal aus der Schlinge. Allerdings ließ sich das niederländisxche Fußballvolk nicht täuschen: Lettland war kein echter Prüfstein. Eine Niederlage gegen die Türkei Ende März des nächsten Jahres - bis dahin ist in der EM-Qualifikation Winterpause - und Hiddink kann gehen.

Artjoms Rudnevs im Übungsdress

Der lettischer Nationalspieler Artjoms Rudnevs war zwischenzeitlich von Hannover 96 vom HSV ausgeliehen, Foto: Kathi Rudminat auf Wikimedia Commons, Lizenz


Allmählich stellt sich wohl auch in Lettland die Trainerfrage. Vor allem die Heimniederlage gegen Island (0:3) offenbarte die spielerische Dürftigkeit der von Marians Pahars trainierten izlase. Die Schlappe in Riga wurde vom desaströsen Auftritt in Amsterdam noch getoppt. Wie man auch als Außenseiter beim Vizeweltmeister eine ansehnliche Leistung abliefern kann, zeigte Kasachstan einen Monat zuvor, als der 132. der FIFA-Weltrangliste nur mit 1:3 verlor. Lettland ist auf dieser Leistungsskala momentan 99., dürfte aber in den nächsten Tagen auf einen dreistelligen Platz abrutschen.

In der EM-Qualifikation wird es in den ausstehenden sechs Partien nur noch darum gehen, das Gesicht zu wahren. Fünf Punkte beträgt der Rückstand gegenüber Island. Die Kicker aus dem Hohen Norden befanden sich lange Zeit auf Augenhöhe mit der izlase. Noch vor zwei Jahren waren sie in der Weltrangliste deutlich hinter Lettland platziert. Inzwischen haben sie sich auf Rang 28 vorgearbeitet; das 3:0 in Riga drückte in etwa die aktuellen Kräfteverhältnisse aus. Zugegeben, die Isländer haben in Kolbeinn Sigthorsson (spielt bei Ajax Amsterdam) und Gylfi Sigurdsson (Swansea City) Kicker, die bei europäischen Topadressen zu Hause sind. Lettland hat Artjoms Rudnevs. Der trägt beim Hamburger SV die Rückennummer 16 (bis zu diesem Jahr läuft auch sein Vertrag) und hebt regelmäßig den Zuschauerschnitt bei den Hanseaten, indem er bei jedem Bundesligaspiel die Tribüne bevölkert. Was auf bescheidenem Niveau in der EM-Qualifikation möglich ist, machen den Letten wieder mal die Kasachen vor: Sie erzielten in den bisherigen vier Spielen vier Treffer, die izlase gerade mal einen.

 

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