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Münster, 18.5.2012
Sportjahr 2011 - das war's für Lettland PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Donnerstag, den 01. Dezember 2011 um 00:00 Uhr

Schweden-Lettland, Eishockey

Um es vorwegzunehmen: Das Sportjahr 2011 hat für Lettland nur wenig Positives bereitgehalten. Das Beste ist noch der Ausblick auf 2012 - und da nur auf die zweite Jahreshälfte.

In ihrer Parade-Disziplin Eishockey hatten die Letten 2011 wenig Fortune, Foto: Raymond Tellers auf Wikimedia Commons

 

Eishockey: Droht Lettlands Kufencracks der Abstieg?

Beginnen wir mit der Sportart Nummer eins. Im Eishockey gab es bei der Vorrunde der letzten Weltmeisterschaft eine peinliche Niederlage gegen Dänemark. Die Letten mussten in die Abstiegsrunde, wo sie mit Siegen gegen Weißrussland und Österreich das Schlimmste gerade noch mal verhinderten.

Zum Weltturnier im kommenden Jahr laden Finnland und Schweden gemeinsam ein; Austragungsorte sind Helsinki und Stockholm. Das Erreichen der Zwischenrunde sollte Minimalziel für die rot-weiß-roten Eisflitzer sein. Ein erneutes Abrutschen in die Relegations-Playoffs kann leicht in den Niederungen des zweitklassigen B-Turniers enden.

Uvis Helmanis

Uvis Helmanis, seit 2010 Trainer des Basketballvereins Barons LMT Riga, ist ein ehemaliger lettischer Nationalspieler, der auch in Deutschland auf Korbjagd ging: Bei Bayer Giants Leverkusen und GHP Bamberg. Er erwies sich allerdings auch als ein Rauhbein, das mit der deutschen Justiz Bekanntschaft machte, Foto: Wikimedia Commons

 

Basketball: Ein Turnier zum Lernen

Ohne Sieg kehrten die lettischen Basketballer von der Europameisterschaft im benachbarten Litauen heim. Doch es war eine sehr junge Mannschaft - mit einem Durchschnittsalter von nicht einmal 23 Jahren - die dort vorspielte. Das noch grüne Team wusste bei einigen Auftritten durchaus zu gefallen; etwa bei der ehrenvollen 78:89-Niederlage gegen die Franzosen, die später bis ins Finale vorrückten und dort dem hohen Favoriten Spanien unterlagen.

Es war ein Wettbewerb, bei dem für die Letten das Sammeln von Erfahrung im Vordergrund stand. Vielleicht durften die lettischen Fans sogar das erste Aufleuchten eines kommenden Sterns am Basketballhimmel miterleben: Davis Bertans, 2,05 Meter großer Small Forward, am 12. November 19 Jahre alt geworden, spielte sein erstes großes Turnier. Diese Saison geht er für Union Olimpija, den slowenischen Meister aus der Hauptstadt Ljubljana, auch international auf Korbjagd, dürfte aber in der Gruppenphase der Euroleague, dem Champions League-Pendant im Basketball, mit seinem Team bald ausscheiden. Vielleicht mischt Bertans ja beim NBA-Auftakt mit, so er denn zustande kommt. Gedraftet haben ihn die Indiana Pacers, aber noch streiken in den USA die Profis.

Stadion von Melalurgs Liepaja

Der Hexenkessel von Metalurgs Lieppāja (Libau) an der Ostseeküste, Foto: LP

 

Fußball: Spannung in der Liga, aber wenig Klasse

Metalurgs Liepaja ist die beste lettische Mannschaft. Dies gleich aus zwei Gründen: Zum einen, weil Metalurgs immer schon die beste lettische Mannschaft war und dies auch ewig bleiben wird. Zum anderen hat Metalurgs in der abgelaufenen Saison - die reichlich Spannung, aber wenig Klasse geboten hat - den besten Fußball gespielt. Leider nicht zu Beginn der Spielzeit: Da konnte Ventspils den Vorsprung aufbauen, den die Mannschaft am letzten Spieltag ins Ziel gerettet hat. Mit einem schändlichen Nullzunull gegen Vorjahresmeister Skonto Riga! Die letzten Direktvergleiche mit Ventspils hatte Metalurgs allesamt für sich entschieden. Doch sind es 32 Duelle, die für die Meisterschaft zählen, und im gesamten Verlauf hat Ventspils eben am besten abgeschnitten. Das war nicht unverdient. Aber hässlich!

In der Anfang November zu Ende gegangenen Spielrunde wurde das Trio der üblichen Verdächtigen zu einem Quartett der Favoriten erweitert: Das Überraschungsteam aus Daugavpils besaß bis kurz vor Ende der Meisterschaft eine realistische Chance auf den Titel. Die Ostletten spielten sogar das Zünglein an der Waage, wenn auch ungewollt. Ihr 1:1 auf dem grünen Rasen gegen den späteren Champion Ventspils wurde am grünen Tisch in eine 0:3-Niederlage umgewandelt, weil Daugavpils einen nicht spielberechtigten Akteur aufs Feld geschickt hatte. Ohne die beiden Extrapunkte wäre Ventspils nicht Meister geworden. Auch das spricht für die Klasse der lettischen Liga …

Stadion Metalurgs Liepaja

Das Stadion des Roten Sterns aus der Tito-Zeit: 1963 wurde es eröffnet, Foto: Vlada Marinkovic

 

Nochmal Fußball: Das übliche Scheitern auf Europas Spielfeldern

Wenig Klasse offenbarten auch die Auftritte der lettischen Vertreter in den europäischen Fußballwettbewerben. In der Qualifikation zur Champions League setzte es für den Meister des Vorjahres, Skonto Riga, zwei Niederlagen gegen Wisla Krakau - gleichbedeutend mit dem Ausscheiden zum frühestmöglichen Zeitpunkt.

In der B-Konkurrenz, der Europa League, unterlag Ventspils dem serbischen Vertreter bereits im Hinspiel der zweiten Qualifikationsrunde daheim mit 1:2. In der Auswärtsbegegnung in Belgrad sahen die Hafenstädter dann nur noch Sterne; rote natürlich, gleich sieben an der Zahl. So viele Gegentore schenkte ihnen der einstige jugoslawische Vorzeigeklub ein!

Ein solches Schicksal blieb dem anderen Ostseeverein erspart. Metalurgs strich bereits eine Qualifikationsrunde zuvor die Segel. Nach einer 1:4-Heimpleite gegen Salzburg, bei dem die Mozartstädter zeigten, dass sie nicht nur von Schokoladenkugeln etwas verstehen, half auch das beachtliche Nullzunull im Rückspiel nichts mehr.

 

Artjoms Rudnevs

Das LP-Orakel prophezeit Artjoms Rudnevs eine torreiche Zukunft, Foto: Pilgab auf Wikimedia Commons

 

Fußball zum Allerletzten: Die izlase

Es gibt tatsächlich eine gute Fußballnachricht. Sie betrifft, kaum zu glauben, die izlase und ihre kürzlich beendete EM-Qualifikation. Deren Verlauf aus lettischer Sicht sorgte für manchen Verriss in der Presseschau; zuletzt freilich klangen auch versöhnliche Töne an. In diesem Tenor möchte die vorweihnachtlich gnädig gestimmte Sportredaktion das Jahr ausklingen lassen.

Daher, wie versprochen, die gute Nachricht: Artjoms Rudnevs hat sein erstes Tor für Lettland erzielt! Es geschah in der 83. Minute im Spiel gegen Malta, als der Noch-Jungstar mit seinem Treffer nicht nur den 2:0-Endstand besorgte. Statt, wie vielfach befürchtet, seines Wechsels auf die Zukunft ließ der 23-Jährige den berüchtigten Knoten platzen. Angesichts dieses Ereignisses, dessen Erwartbarkeit nur noch von der kommenden Geburt eines vierten männlichen Thronfolgers im Hause Windsor untertroffen werden könnte, lehnt sich der Schreiber dieser Zeilen für seine Verhältnisse derart aus dem Fenster, dass er Rudnevs eine weitere Torfolge für die izlase 2012 prognostiziert - immer auch eingedenk des Umstands, dass der wahre Prophet sich nicht allein durch das Zutreffen seiner Voraussagen offenbart, sondern ebenfalls durch eine kluge Begründung für den Fall eines Nichteintretens.

Fußballplatz auf den Faröer-Inseln

Auf den Faröer-Inseln weht der Wind für die lettische Fußballmannschaft günstig, Foto: Martin Hüdepohl auf Wikimedia Commons

 

Wagen wir einen weiteren Ausblick auf 2012. Lettlands Fußballfans dürfen sich schon mal auf die WM-Qualifikation freuen. Leider geht's erst im September los. Es warten leichte Gegner - sogar für die izlase(!) - wie Kasachstan und die Färöer-Inseln; es gibt schwere Kaliber, zu denen Irland, Schweden und Österreich zählen und die man an guten Tagen vielleicht sogar schlagen kann; und es droht eine Übermannschaft, gegen die Sterne zu sehen keine Schande wäre. Es muss ja nicht gleich ein 0:7 sein! Doch hat Deutschland gegen die Letten Wiedergutmachungsbedarf aufgrund des letzten Aufeinandertreffens bei der EM 2004: Da waren die Michels noch eine veritable Gurkentruppe, der gegen den krassen Außenseiter kein einziger Treffer gelang.

 

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