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Münster, 18.5.2012
Vorbericht zum CL-Qualifikationsspiel Skonto Riga - Wisla Krakau am 13. Juli PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Donnerstag, den 30. Juni 2011 um 11:51 Uhr

Ein Tor, das selten fälltWas haben Wiener Gefängnisse und der von rot-weiß-roten Nationalmannschaften betriebene Fußball gemein? Die Tore fallen äußerst selten. Ein aus dem Dunkel Donaumetropolitaner Haftanstalten überlieferter Zeitvertreib ist folgender: Sobald eine Fliege den Weg in den Gemeinschaftsraum gefunden hat, werden dort drei Stücke Zucker ausgelegt. Anschließend verwetten die Insassen ihr in Sträflingsarbeit sauer verdientes Geld, indem sie den Würfel auswählen, auf den sich das Insekt zuerst niederlassen wird. Viel lukrativer - nicht nur für straffällig gewordene Österreicher - wäre das Setzen von Barem auf das Abschneiden einer anderen rot-weiß-roten Equipe. Hohe Quoten winken bei einem Sieg der lettischen Auswahl, denn deren letzter datiert vom 7. September 2010. Errungen wurde er gegen den Fußballgiganten Malta.

Ein Tor, das selten fällt, Foto: Beademung auf Wikimedia Commons

 

Kaum besser läuft es für die rot-weiß-roten Vertreter in der Qualifikation zur Champions-League. Alle Jahre wieder scheitern der österreichische wie auch der lettische Meister. Während letzterer sich regelmäßig bereits nach dem ersten Hin- und Rückspiel aus dem Wettbewerb verabschiedet, schafft es der sportliche Repräsentant des kotelettförmigen Landes - Abonnementsieger der letzten Jahre war Red Bull Salzburg - meist bis in die dritte Runde. Dort scheiterten die Mozartstädter in der Vergangenheit vorzugsweise an israelischen Clubs, was wiederum eine schöne Fortsetzung der Erfolge jüdischer Vereine in Österreich bedeutete, die 1925 mit der Meisterschaft von Hakoah Wien begründet wurde.

Doch konzentrieren wir uns auf die Gegenwart und wenden uns dem lettischen Titelträger des letzten Jahres zu. Der heißt Skonto Riga und steht vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe, wenn er in der ersten Runde der Champions-League-Qualifikation auf sein polnisches Pendant trifft.

Marians Pahars

Marians Pahars war früher Spieler u.a. bei Skonto Riga und FC Southampton. Er wurde dreimal lettischer Fußballspieler des Jahres. Heute ist er Trainer des lettischen Meisters Skonto, Foto: Papuass auf Wikimedia Commons


Wisla Krakau wurde in der abgelaufenen Runde der Ekstraklasa überlegen Meister. Prachtstück des Clubs von der Weichsel ist eindeutig das Mittelfeld. Hier zieht ein Slowene die Fäden: Andraz Kirm ist 40-maliger Nationalspieler und erzielte in der vergangenen Saison neun Tore für Wisla. Das ist umso bemerkenswerter, als sich unter den Treffern kein Elfmeter befand. Unterstützt wird der Regisseur von einem 22-Jährigen: Der nur 1,70 große Patryk Malecki wirbelt gegnerische Abwehrreihen ähnlich durcheinander wie der Fall von Lehman Brothers die Bankenwelt - und auch beim Abschluss dürfte Riga kaum Skonto gewährt werden. Nach Kirm ist Malecki zweitbester Torschütze der Krakauer. Komplettiert wird das Offensivtrio im Wisla-Mittelfeld vom israelischen Nationalspieler Maor Melikson. Der traf zwar nur einmal in der Liga, dafür aber entscheidend beim die Meisterschaft bescherenden Einszunull gegen den verhassten Lokalrivalen Cracovia.

Wira Krakau

Der polnische Fußballverein Wisla Krakau wurde 1906 gegründet. Hier ein Plakat zum 30jährigen Jubiläum von 1936, Foto: Wikimedia Commons

 

Und Skonto? Erscheint dieses Jahr in der heimischen Virsliga weniger souverän als im vergangenen. Doch kürzlich glückte ein Einszunull-Auswärtssieg bei Metalurgs Liepaja, was die Sportredaktion der Presseschau bekümmert zur Kenntnis nahm. Bevor die Rigaer unter den werten Lesern zu schäumen beginnen und dem Schreiber dieser Zeilen, nicht völlig zu Unrecht, Parteilichkeit vorwerfen, sei ihnen versichert, dass bei internationalen Begegnungen selbstverständlich zum lettischen Vertreter gehalten wird. Um gleichzeitig den jedem Presseorgan gut zu Gesicht stehenden internationalen Blickwinkel nicht außer Acht zu lassen, rufen wir die Verantwortlichen in den Wiener Haftanstalten für den Tag des Hinspiels (Mittwoch, 13. Juli, Skonto-Stadion) auf, keinen Würfelzucker auszugeben und den Gemeinschaftsraum in den Nationalfarben zu drapieren. Begleitend kann im Innenhof die Landesfahne gehisst werden.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 07. Juli 2011 um 08:06 Uhr
 

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