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Für Napoléon Bonaparte zählte nur ein einziges rhetorisches Mittel: die Wiederholung. Leider muss sich auch die Berichterstattung über Spiele Lettlands gegen Israel diesem Diktat beugen. Wobei gleich am Anfang gesagt werden sollte, dass die aktuellen Rencontres der izlase weit weniger dramatisch sind als die ebenso grandiosen wie menschenverachtenden Auftritte des korsischen Strategen mit seiner Nationalhorde. Napoléon - ältere Leser der Presseschau werden sich erinnern - trainierte jenes todbringende französische Ensemble, das in den ersten zwölf Jahren des vorletzten Jahrhunderts unbesiegt blieb und auf den Feldern Europas jeden Gegner gnadenlos abschlachtete. Bis es gegen Russland ging und der europäische Raubzug gestoppt wurde. Zynisch wie die Kriegsberichterstattung das militante Heldentum oftmals geradezu fußballerisch pries, könnte man im Stil von Karl Kraus formulieren: "Aus dem Hintergrund müsste Bolkonski schießen, Bolkonski schießt - Tor! Toor! Toor! Toor! Toor! 3:2 für Russland!"
Napoleons Rückzug vor Moskau, Gemälde von Adolf Northern, Quelle: Wikimedia Commons
Tja, so oder so ähnlich wird es anno achtzehnzwölf gelaufen sein. Die Wiederholungen gab es 1954 beim Weltturnier in der Schweiz, als die deutschen Außenseiter 3:2 über Ungarn siegten, und 1978 beim Erfolg der österreichischen Underdogs in Argentinien. Wobei das Wunder von Córdoba weniger wichtig war als jenes von Bern: Bereits vor dem historischen Sieg der rot-weiß-roten Alpen- und Donaurepublik hatte Gegner Deutschland seine WM-Chancen verspielt. Trotzdem reichte der Nervenkitzel aus, um Radio-Reporter Edi Finger "narrisch" werden zu lassen.
Narrisch war auch, wer vor dem Israelspiel im Rigaer Skonto-Stadion noch an die theoretische Chance Lettlands geglaubt hatte, sich für die Fußball-Europameisterschaft zu qualifizieren. Das Beste ist: Sie besteht nach wie vor. Dazu müssten die Letten freilich ihre restlichen Spiele gewinnen und sämtliche übrigen Begegnungen unentschieden ausgehen.
Freunde der Wiederholung werden an der erneuten 1:2-Schlappe der izlase gegen denselben Kontrahenten ihren Spaß gehabt haben. Freunde der israelischen Fußball-Nationalmannschaft ebenfalls. Die Letten zielten achtmal Richtung gegnerisches Tor. Bei ihren Versuchen schossen sie viermal daneben und dreimal Goalkeeper Dudu Aouate an. Einmal versenkten sie das Leder ins Netz, als Aleksandrs Cauna einen Elfmeter verwandelte. Leider hatte Israel zuvor bereits durch Yossi Benayoun und Tal Ben Haim, letzterer ebenfalls per Strafstoß, die beiden Treffer markiert, die das Spiel entschieden. Und noch eine Wiederholung war aus lettischer Sicht zu bestaunen: Artjoms Rudnevs besaß die erste Chance des Spiels, einen Treffer im Nationaldress hat er immer noch nicht erzielt.

Stürmer Aleksandrs Cauna, den Skonto Riga an ZSKA Moskau verliehen hat, verwandelte für die Letten einen Elfer, Foto: Papuass auf Wikimedia Commons
Freilich liegt es nicht in der Absicht der Redaktion, irgendwelche Hetzjagden zu betreiben - sondern nur ausgesucht perfide, die dann auch Aussicht auf Erfolg haben. Rudnevs sollte weiter sein Glück in der izlase versuchen, und Trainer Aleksandrs Starkovs die verbliebenen Begegnungen der Qualifikationsgruppe F nutzen, um der Jugend eine Chance zu geben und eine Formation zu finden, die in der ab Herbst 2012 anstehenden Qualifikation zur nächsten Weltmeisterschaft konkurrenzfähig ist.
Zugegeben, die Voraussetzungen für den lettischen Fußball sind angesichts der schwachen heimischen Liga nicht die besten. Und auch auf die im Ausland tätigen Stars sollten nicht allzu viele Hoffnungen verschwendet werden. Dafür spricht allein schon der Umstand, dass der beste lettische Spieler, Kaspars Gorkss, beim englischen Erstligaaufsteiger Queens Park Rangers unter Vertrag ist. Ganz anders die Israelis: Yossi Benayoun etwa kickt beim Milliardärsverein FC Chelsea.

Der israelische Mittelfeldspieler Yossi Benayoun hat sich bis zum Milliardärsverein Chelsea empor gekickt, Foto: David Lee auf Wikimedia Commons
Schieben wir nicht alles auf die Umstände. Schon Napoleon ließ diese Ausrede nicht gelten: "Was soll das heißen - die Umstände?", soll er während einer seiner legendären Halbzeitansprachen in der Kabine gebrüllt haben. "Ich bestimme, welche Umstände herrschen!"
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