WM-Qualifikation: Lettland ist weiter Gruppenletzter Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Montag, den 04. September 2017 um 16:40 Uhr

Verpatztes Weltmeisterschaftsqualifikationswochenende

Andris VaninsKein gutes Wochenende für die izlase! Da erwartungsgemäß die beiden Begegnungen in der Qualifikation zur Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland verlorengingen, ist Lettland nach wie vor Letzter der Gruppe B. Das Allerschlimmste: Es sind die Fußballzwerge von den Färöerinseln und aus der Pyrenäenrepublik Andorra, die in der Tabelle auch zwei Spieltage vor Schluss weiter vor den Rotweißroten rangieren.

Andris Vanins, Lettlands Nationaltorwart spielt beim FC Zürich, Foto: Foto: "Andris Vaņins" by Mārtiņš Bruņenieks - Paša darbs. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

Die Gegner am Donnerstag beziehungsweise am Sonntag hießen Ungarn und die Schweiz. Die Magyaren waren bislang die größte Enttäuschung dieser Qualifikationsgruppe. Angetreten als Überraschungsteam der letzten Europameisterschaft in Frankreich, stellte die Niederlage in Andorra Ende Juni den Tiefpunkt der gezeigten Leistungen dar. Gegen die Letten musste eine Wiedergutmachung her, um wenigstens die theoretischen Chancen auf ein Ticket nach Russland zu erhalten. Die Rehabilitation gelang, doch drei Tage später musste Ungarn nach einem Nullzueins daheim gegen Portugal endgültig alle Hoffnungen fahren lassen.

Damit war der Sieg gegen die izlase bedeutungslos geworden. Es war ohnehin kein tolles Spiel in Budapest. Bereits nach sechs Minuten ging der Favorit in Front. Tamas Kadar verwandelte eine Freistoßflanke von Roland Varga per Kopf zur frühen Führung. 20 Minuten später legte Mittelstürmer Ádám Szalai nach, diesmal war der Vorlagengeber, im Anschluss an einen Eckball, Mittelfeldregisseur Balázs Dzsudzsák. Mit ihrer ersten Torchance verkürzten die Letten fünf Minuten vor der Pause: Gints Freimanis zog von halbrechts ab, Ungarns Keeper Peter Gulacsis, in der deutschen Bundesliga bei Championsleagueteilnehmer RB Leipzig fast immer solide und zuverlässig, wirkte bei dieser Aktion nicht wirklich souverän.

Nach dem Seitenwechsel machten die Letten endlich Druck. Ein Versuch von Valerijs Sabala wurde von Gulacsi entschärft, und bei einem weiteren Knaller von Freimanis zeigte Ungarns Keeper, warum sie ihn in Leipzig so schätzen. Dann aber übernahmen die Gastgeber wieder die Regie. Logische Folge war ihr dritter Treffer, diesmal von Dzsudzsák per Freistoß. Bis zum Schlusspfiff passierte nicht mehr allzu viel, am Ende hatte Ungarn 3:1 gewonnen.

Mit der Schweiz gastierte drei Tage später der Tabellenführer der Gruppe B in Riga. Bislang hatten die Eidgenossen ihre sämtlichen sieben Qualifikationsspiele gewonnen. Am Sonntagabend steuerten sie den achten bei. Und wieder gab es für die izlase ein frühes Gegentor.

Dabei hatte Keeper Andris Vanins sich sehr auf dieses Spiel gefreut. Im Ligaalltag steht er beim FC Zürich zwischen den Pfosten. Der Traditionsverein ist, auch dank Vanins, dieses Jahr in die erste Schweizer Liga zurückgekehrt und führt dort, nach sechs Spielen mit nur zwei Gegentoren, sogar die Tabelle an. Doch was Vanins beim Gastspiel der Ligakollegen in der neunten Minute unterlief, hinterließ bei den 7500 Zuschauern im Skonto-Stadion ungläubiges Staunen, wenn nicht Entsetzen! Ein Pass von Stephan Lichtsteiner erreichte Haris Seferovic, doch dessen Kopfball war zu unplaziert. Vanins stand goldrichtig. Dennoch landete der Ball im Netz; irgendwie hatte Lettlands Keeper die Kugel durchrutschen lassen.

Eine Antwort der Letten blieb aus. Im Gegenteil: Nach einer halben Stunde verschoss Blerim Dzemaili für die Gäste einen Elfmeter; Admir Mehmedi war zuvor im Strafraum umgerissen worden. Die Letten hatten, parallel zum Ungarn-Spiel, erst kurz vor der Pause ihre erste Chance, doch Kaspars Gorkss‘ (das schreibt man wirklich so, mit zwei s und einem Apostroph als Ersatz fürs Dritte im Genitiv-Fall) Direktabnahme strich um Zentimeter über den Querbalken.

Nach dem Wechsel drehten die Schweizer wieder auf. Nach schöner Vorlage von Seferovic umkurvte Dzemaili nonchalant den diesmal chancenlosen Vanins und schob zur Zweitoreführung ein. Den 3:0-Endstand besorgte Ricardo Rodriguez, als er den zweiten Gästeelfmeter nach Foul an Mehmedi sicher verwandelte. Da war noch keine Stunde gespielt und die Begegnung entschieden. Mehmedi hätte sogar noch einen drauflegen können, doch sein Versuch zehn Minuten vor dem Ende landete am Pfosten.

Lettland hat nach dieser erneuten Niederlage acht seiner letzten acht Spiele verloren. In dieser Aufstellung sind allerdings die Freundschaftsspiele mitgerechnet. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: In den beiden noch ausstehenden Qualifikationsspielen warten die Underdogs. Zwei Siege der Rotweißroten zum Abschluss der Gruppe B sind also nicht ausgeschlossen. Sollte das Duell mit den Färöern wie schon das Hinspiel daheim für die izlase verlorengehen - am 7. Oktober 2016 hieß es in Riga am Ende 0:2, exakt ein Jahr später findet in Torshavn die Revanche statt - wartet am finalen Spieltag im Skonto-Stadion Andorra. Mit einem Sieg zum Abschluss würden die Letten wenigstens den letzten Platz in der Gruppentabelle verlassen.