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Münster, 24.10.2017
WM-Qualifikation: Lettland unterliegt Portugal 0:3, CR7 ist an allen Toren beteiligt PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Sonntag, den 11. Juni 2017 um 09:37 Uhr

Ronaldo in Riga

Cristiano RonaldoWann kommt Ronaldo schon mal nach Riga? Und wenn er dann da ist, sollte man meinen, zieht er alle Aufmerksamkeit auf sich. Am Samstagabend im Skonto Stadion freilich war dies nicht der Fall. Das lag zum einen am erwartbaren Ausgang des Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiels der Gruppe B. Zum anderen hatte fünf Stunden zuvor eine bis dahin recht unbekannte lettische Sportlerin 2250 Kilometer weiter südwestlich für Aufsehen gesorgt. In Paris gewann Jelena Ostapenko völlig überraschend das Turnier von Roland-Garros, das zu den vier prestigeträchtigen Grand Slam-Veranstaltungen im Tennis zählt.

Cristiano Ronaldo, Foto: Ruben Ortega - Wikimedia Commons, CC-BY-SA 4.0, Link

Für alle, die jetzt trotzdem weiterlesen: Es gab nicht viel zu sehen auf dem Fußballplatz. Wer vorher 0:3 getippt hatte, war gewiss nicht allein unter den Experten. Auch die Prognose, dass Cristiano Ronaldo an allen Toren beteiligt sein würde, hätte niemandem zum Fußballpropheten gemacht. Es war ein Spiel nach Schema F. F wie Fußball, wo die Überraschungen selten und die Spielverläufe meist vorhersehbar sind, auch wenn immer wieder unter Berufung auf Sepp Herberger und anderer längst von uns gegangener Größen & Gurus dieser Sportart das Gegenteil behauptet wird.

Nur viermal im gesamten Spiel schossen die Letten aufs Gästetor. Dreimal verfehlten sie es. Einmal traf Olegs Laizans per Freistoß zwar das Ziel, doch stand mit Rui Patricio immerhin ein Europameister zwischen den Pfosten, der sich nicht so leicht überwinden ließ. Auf der Gegenseite war das Gehäuse 22-mal Objekt von Zielversuchen. Zehn trafen, sieben davon wehrte Andris Vanins ab, bei den anderen dreien hatte der izlase-Torhüter keine Chance.

Nur kurz rieben sich die professionellen Beobachter auf der Pressetribüne nach dem Anpfiff die Augen, schien doch Lettland sofort das Kommando zu übernehmen. Der Ball lief wie am Schnürchen durch die eigenen Reihen, die Kurzpässe kamen an, Druck auf den Gegner wurde auch ausgeübt. Was war da los? Ganz einfach: Statt der Portugiesen trugen die Letten diesmal die weinroten Trikots. Die Gäste liefen in Froschgrün auf.

Exakt ein Viertel der kompletten Spielzeit war absolviert, als Vanins sich erstmals auszeichnen durfte. Und wie! Einen fulminanten Schuss von CR7 fischte der Keeper im Dienst des FC Zürich (der diese Saison übrigens wieder in die erste Schweizer Liga aufgestiegen ist; Glückwunsch an dieser Stelle!) aus dem Winkel. Kurz darauf lag der Ball im Netz der Heimmannschaft, doch blieb Ronaldo der Treffer wegen einer sehr knappen Abseitsstellung verwehrt. Vier Minuten vor der Pause war es dann so weit: Nach einer Flanke aus dem Halbfeld köpfte José Fonte an den Pfosten. Vanins hatte sich vergeblich gestreckt und lag noch am Boden, da bugsierte der wie immer goldrichtig stehende Ronaldo den Abpraller, ebenfalls per Kopf, aus einem Meter Entfernung über die Linie.

Andris Vanins

Der lettische Torhüter Andris Vanins hatte viel Arbeit, Foto: "Andris Vaņins" by Mārtiņš Bruņenieks - Paša darbs. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.


Nach einer  guten Stunde fiel der zweite Gästetreffer. Diesmal stand Ronaldo nur einen halben Meter von der Torlinie entfernt. Ein abgefälschter Ball war in hohem Bogen über Vanins, der mit einem flachen Abschluss rechnen musste, hinweggeflogen. Zwei lettische Statisten und ein portugiesischer Hauptdarsteller reckten sich nach dem Ball. Letzterer sprang am höchsten und nickte die Kugel zur komfortablen Führung ein.

Fünf Minuten später wuchs sie um ein weiteres Tor an: Mit einem simplen Doppelpass spielten André Silva und Ronaldo die komplette lettische Viererabwehrkette aus. Der 21-jährige Stürmer vom FC Porto hatte keine Mühe, zum 3:0 zu vollenden. Dabei blieb es dann auch. Der Favorit verwaltete den Vorsprung, der Gastgeber stellte Rui Patricio und dessen Vorderleute vor keine weiteren Probleme.
Lettland ist nach dem geradezu sensationellen 1:0-Erfolg von Andorra über Ungarn letzter in der Tabelle der Gruppe B. Das Schlimmste daran ist, dass die izlase nicht nur hinter dem Fußballzwerg aus den Pyrenäen rangiert. Die Männer von der Inselgruppe der Färöer im Nordatlantik (48.000 Einwohner, Andorra hat immerhin 70.000) stehen in der Wertung sogar zwei Plätze besser da als die von Aleksandrs Starkovs trainierte Truppe. Besserung ist nicht in Sicht. Nächster Gegner der Letten, am 31. August, ist Ungarn. Die Magyaren werden alles daran setzen, die peinliche Pleite in den Pyrenäen vor heimischem Publikum vergessen zu machen. Gelingen wird ihnen dies nicht, aber am Ende könnte eine deftige Packung für die izlase stehen.

 

 

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