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Münster, 26.5.2017
Fußball: Wieder ein Zweizunull für die Schweiz? PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Freitag, den 17. März 2017 um 19:10 Uhr

Die Letten reisen ohne große Chancen zum WM-Qualifikationsspiel nach Genf

Stade de GeneveIn Genf gibt es einige interessante Sachen zu sehen. Den See beispielsweise. Er ist der zweitgrößte im mittleren und westlichen Europa, hinter dem Plattensee, weist aber viel mehr Wasser auf als das recht flache ungarische Binnenmeer. Die Stadt ist sehr kosmopolitisch, nicht nur wegen der Zentrale der Vereinten Nationen und anderer internationaler Zentren wie des Forschungszentrums CERN oder der Weltgesundheits-, der Welthandels- und der Weltarbeitsorganisation. Bei so viel Welt scheint nicht mehr viel Platz für die Eingeborenen übrig; und tatsächlich, jeder zweite ständig in Genf lebende Bürger besitzt keinen Schweizer Pass. Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt am See ist das Stade de Genève. Die Spielstätte des (nach dem Grasshopper Club Zürich und dem FC Basel) dritterfolgreichsten Schweizer Fußballklubs Servette wurde zur Europameisterschaft 2008 errichtet. 30 000 Zuschauer finden dort Platz. Nicht alle werden kommen, wenn am Samstag, 25. März, die lettische Nationalmannschaft dort aufläuft. Zu ungleich verteilt sind die Rollen, zu schlecht kommt der Gast daher, der in bislang vier Weltmeisterschaftsqualifikationsspielen drei Niederlagen erlitt und nur ein Erfolgserlebnis feiern durfte, in Andorra.

Stade de Geneve, Foto: Валерий Дед - Stade Genève 2012, CC BY 3.0, Link

 

Ganz anders die Schweizer. Gleich zu Beginn der Qualifikation schickten sie Europameister Portugal mit 2:0 nach Hause. Mit dem gleichen Ergebnis triumphierten sie über die Färöer (die ihrerseits die Letten schlugen, sogar auswärts!). Siege in Ungarn und Andorra komplettieren den Bilderbuchstart der Eidgenossen mit der Maximalausbeute von zwölf Punkten aus vier Spielen. Es wäre eine Riesenüberraschung, wenn im Stade de Genève nicht der fünfte Erfolg eingefahren würde.

Schon seit Jahren spielen die Schweizer einen konstant guten Fußball. Bei der letzten Weltmeisterschaft in Brasilien scheiterte man im Achtelfinale erst in der Verlängerung am späteren Finalisten Argentinien. Noch unglücklicher war das Ausscheiden der Eidgenossen vor einem dreiviertel Jahr bei der Europameisterschaft in Portugal, erneut im Achtelfinale. Nachdem die Mannschaft über 120 Minuten dem Gegner Polen deutlich überlegen war, versagten ihr im Elfmeterschießen die Nerven.

Die meisten Schweizer Profis spielen im Ausland, teilweise bei internationalen Spitzenclubs. Jan Sommer hütet das Tor von Borussia Mönchengladbach, Stephan Lichsteiner verteidigt bei Juventus Turin, Granit Xhaka läuft für den FC Arsenal im Mittelfeld auf und Breel Embolo stürmt für Schalke 04. Zum Vergleich: Nur ein einziger Lette spielt bei einem namhaften Klub in Westeuropa. Artjoms Rudnevs trägt das Trikot des 1. FC Köln, und er macht das diese Saison nicht schlecht. Leider ist es ihm bislang nicht gelungen, die guten Leistungen im Verein auch in der Nationalelf zu wiederholen.

Stadion in Genf

Das Stadion der kleinen französischsprachigen Weltstadt Genf, Foto: Calimo - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Viel mehr noch als von Rudnevs wird von Andris Vanins abhängen. Der Torwart der izlase stand jahrelang bei der regionalen Konkurrenz von Servette zwischen den Pfosten. Doch glaubte der FC Sion, künftig auf die Dienste des 36-Jährigen verzichten zu können. Man schob ihn in die zweite Schweizer Liga ab, zum FC Zürich. Der war gerade abgestiegen, führt aber inzwischen, auch dank Vanins‘ Leistungen, die Tabelle mit großem Vorsprung an und wird ab Herbst wohl wieder im Oberhaus vertreten sein. In Genf kann Vanins beweisen, welch großen Verlust der Westschweizer Fußball erlitten hat.

Insgesamt aber brauchen sich die Schweizer keine großen Sorgen zu machen. Die chronische Angriffsschwäche der izlase - bislang stehen zwei Treffer aus vier Spielen zu Buche - dürfte sich in Genf fortsetzen. Wer ein drittes Zweizunull im dritten Schweizer Heimspiel der Qualifikationsgruppe B vorhersagt, dürfte so falsch nicht liegen. Oder, um es mit den Worten des neben Jean-Jacques Rousseau wohl berühmtesten Genfers auszudrücken: „Gottes Vorsehung“, wusste schon Johannes Calvin, der Reformator, „steht im Gegensatz zu jedem Gedanken an Glück und Zufall.“ Mit anderen Worten: Selbst im Fußball sind Wunder äußerst selten.

 

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