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Münster, 24.10.2017
Lettland - Staatsanwälte ermitteln gegen Ilmārs Poikāns PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 21. September 2012 um 00:00 Uhr

Protestaktion gegen die Verhaftung NeosVor zwei Jahren füllte das Pseudonym „Neo“ die lettischen Schlagzeilen. Ein Computerspezialist machte damals nach und nach Gehaltslisten von den Vorständen einiger staatlicher Firmen zugänglich. Es zeigte sich, dass manche leitende Angestellte trotz allgemeiner Gehaltskürzungen komfortable Einkommen erzielten. Neo hatte ein Datenleck auf dem Web der Finanzbehörde gefunden. Er musste nicht einmal seine Spezialkenntnisse als Informatiker anwenden, um an die brisanten Informationen zu gelangen. Seitdem ist Ilmārs Poikāns, der sich hinter dem Namen Neo verbarg, für die einen Nationalheld, der 2010 sogar zum lettischen Europäer des Jahres gewählt wurde, für die anderen ein Krimineller, der persönliche Daten illegal der Öffentlichkeit zugänglich machte. Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben des Nachrichtenportals delfi.lv am 20.8.12 ein Zwischenergebnis ihrer Ermittlungen vorgelegt: Sie verfolgt Poikans` Zugang zu den heiklen Daten auf dem VID-Server nicht mehr als Vergehen, schließlich konnte der PC-Spezialist sie aufsuchen, ohne besondere Codes zu knacken. Doch der Vorwurf, Poikans habe illegal geheime persönliche Informationen publiziert, könnte zur Anklage führen.

Protestaktion gegen die Verhaftung Neos vor dem Regierungskabinett im Jahr 2010, Foto: LP

 

Bis zu acht Jahren Haft

Poikans muss weiterhin einen Gerichtsprozess fürchten, denn der schwerer wiegende Teil der Anklage bleibt bestehen. Weiterhin prüfen die Staatsanwälte, ob und in welchem Ausmaß er persönliche Daten und Geschäftsgeheimnisse illegal erworben und weiter verbreitet hat. Bei einer Verurteilung drohen dem Informatiker bis zu acht Jahren Gefängnis oder eine Geldstrafe. Im Februar des Jahres 2010 hatte das LTV1-Magazin de facto erstmals von einer angeblichen "Ceturtās atmodas tautas armiju/ Volksarmee des vierten nationalen Erwachens" berichtet, die VID-Daten veröffentliche, später konzentrierten sich die Schlagzeilen auf eine unbekannte Person, auf Neo. Es stellte sich heraus, dass 7,4 Millionen geheime Dokumente ungeschützt auf dem Server der Finanzbehörde gespeichert waren. Auch die De-facto-Journalistin Ilze Nagla geriet ins Visier der Polizei. Ihr Haus wurde durchsucht, ihr Computer beschlagnahmt. Nagla reichte Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein.

 

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