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Münster, 24.10.2017
Lettland: Baltic Pride 2012 - US-Diplomaten und lettische Politiker unterstützen Gays und Lesben PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 02. Juni 2012 um 00:00 Uhr

Baltic Pride-Demo 2012

Die Baltic Pride-Tage 2012 in Riga, Foto: LP


Die Baltic Pride-Tage der Lesben und Schwulen endeten am 2.6.12 mit einer friedlich-fröhlichen Demonstration in der Rigaer Innenstadt. Mehrere hundert LGBT-AktivistInnen (Lesben, Gays, Bisexuelle und Transgender) und ihre FreundInnen versammelten sich um 13 Uhr auf der Ģertrūdes Straße. Die teilweise bunt Kostümierten trugen die regenbogenfarbige Gay-Flagge oder signalisierten ihre Herkunft beispielsweise mit estnischen, russischen, weißrussischen oder ukrainischen Fahnen. Auch Teilnehmer aus westlichen Staaten wie Schweden und den USA zeigten Flagge. Die AktivistInnen zogen durch Rigas Innenstadt zum Kundgebungsplatz im Wöhrmannpark. Die bunte Truppe ließ sich die gute Stimmung vom Wolkenbruch nicht vermiesen. Nur wenige schwulenfeindliche Gegendemonstranten störten am Rande mit Pfiffen und diskriminierenden Transparenten. Polizisten nahmen einen Betrunkenen fest, der Demonstranten mit rohen Eiern beworfen hatte. Viele Ordnungshüter, teilweise in Kampfuniform, begleiteten die Pride-Gänger. Einige Straßen der Innenstadt waren gesperrt. Gelbe Metallzäune trennten die Kundgebung von Passanten und homophoben Protestlern. Politiker und US-Botschafter bekundeten ihre Solidarität.

 

US-Diplomaten zeigen sich solidarisch

Zur Abschlussveranstaltung versammelten sich die Demonstranten an der Tribüne im Wöhrmannpark. Zunächst mussten sie noch Regenschauer über sich ergehen lassen. Manche fanden unter Zelten Zuflucht oder unter dem überdachten Stand eines Ausschanks. Doch als sich die Redner auf der Tribüne versammelten, ließ der Regen nach. Judith Garber, US-Botschafterin in Riga, trug ihre Solidaritätsadresse auf Englisch und Lettisch vor. „Wir demonstrieren, um die LGBT-Menschen in Lettland, in den baltischen Ländern, in Europa und in der ganzen Welt zu unterstützen. So wie Präsident Obama noch unlängst erklärte: `Wir liegen niemals falsch, wenn wir Rechte und Verantwortlichkeiten eines jeden erweitern.` Wir können Schritt für Schritt auf der ganzen Welt damit beginnen, indem wir demonstrieren, um die Entrechteten zu unterstützen, indem wir demonstrieren, um zu verkünden, dass das Recht eines jeden zählt.“ Sie wurde begleitet von ihren Kollegen Michael Polt, US-Botschafter in Tallinn und Thomas O. Melia, stellvertretender Minister des US-Außenministeriums. Melia erinnerte daran, dass Obama das Schwulenverbot in der US-Armee beseitigt hat, die Phase des „Frag nicht, erzähl nicht“ sei nun vorbei. Auch die österreichische EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek sprach zu den Teilnehmern. Sie war die erste Politikerin der katholischen Alpenrepublik, die sich vor fast zwei Jahrzehnten öffentlich als Lesbe outete. Als Grüne kämpft sie nun für LGBT-Rechte im EU-Parlament. Sie äußerte ihre Zufriedenheit mit der Entwicklung in den baltischen Ländern. Bei früheren Pride-Tagen in Riga sei sie am Hotel noch mit Tomaten beworfen worden. Jetzt könne man friedlich in der Innenstadt für die eigenen Rechte eintreten.

US-Diplomaten auf der Pride-Bühne

US-Diplomatin Judith Garber wandte sich auch auf Lettisch an die Demonstranten, Foto: LP

 

Kehrtwendung auch bei lettischen Politikern

Die mutigen AktivistInnen der lettischen LGBT-Initiative Mozaika, die seit Jahren Pride-Tage organisieren, können nun erste Erfolge verbuchen. Liberale Regierungsvertreter solidarisieren sich und stellen Besserungen in Aussicht. Außenminister Edgars Rinkēvičs mischte sich unter die Demonstranten, betrat aber nicht die Tribüne. Journalisten erklärte er, dass diese Kundgebung das Bewusstsein für die Fragen der Gleichberechtigung schärfe. Er beobachte zudem, dass die Toleranz größer werde. Davon zeugten unter anderem die lediglich geringen homophoben, also schwulenfeindlichen Proteste. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur BNS forderte Verteidigungsminister Artis Pabriks Gesetzesänderungen zugunsten von Schwulen und Lesben. Sie sollten das Recht auf eine registrierte Partnerschaft bekommen. Gesetze dürften nicht auf Stereotypen, Vorurteilen und Ideen basieren, die von einer Einheit von Staat und Kirche ausgehen. Damit wandte sich Pabriks gegen jene christlichen und konservativen Abgeordneten, die das Verbot der Homo-Ehe in der lettischen Verfassung verankerten. Die Pride-Demonstration für Gleichberechtigung fand unter dem Motto “Make Some Noise for Human Rights” statt. Sie war die Abschlussveranstaltung der Pride Days, die am 30. Mai begonnen hatten. Zum Programm gehörten Seminare, Workshops, Filmvorführungen und Partys. Im nächsten Jahr werden die Baltic Pride Days in Vilnius stattfinden.

 

Baltic Pride Days Riga 2012:

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Weitere LP-Artikel zum Thema:

Streit um Homosexualität in Lettland: Rigas Stadträte warnen vor Sodom und Gomorra

homo@lv von Kaspars Goba: Mit orthodoxen Kreuzen gegen das westliche Laster – Ein Film über das lettische Streitthema Homosexualität

 

Externe Linkhinweise:

delfi-lv: Pabriks - Latvijas likumdošanu nevar balstīt uz stereotipiem un idejām par politikas un baznīcas vienotību

usembassy.gov: Deputy Assistant Secretary Thomas O. Melia, U.S. Ambassador to Estonia Michael Polt, and Ambassador Judith Garber to Participate in the March For Equality, “Make Some Noise for Human Rights”

tvnet.lv: Gārbere - cilvēktiesības ir visiem neatkarīgi no seksuālās orientācijas

 

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