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Münster, 21.1.2018
Lettland kauft HK-G36-Gewehre für 13 Millionen Euro PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 19. Januar 2018 um 14:41 Uhr

Zwei Prozent und mehr für die lettische Aufrüstung

Lettischer Soldat mit G36Verteidigungsminister Raimonds Bergmanis ist fest entschlossen, mindestens zwei Prozent des BIP für das eigene Ressort auszugeben. Das kommt auch der deutschen Waffenindustrie zugute. Die lettische Armee (Nacionalie brunotie speki, NBS) hat am 11. Januar 2018 mit dem schwäbischen Rüstungsunternehmen Heckler & Koch (HK) einen Vertrag über den Kauf von G36-Sturmgewehren vereinbart. In den nächsten sieben Jahren werden neben NBS-Soldaten auch lettische Grenzschützer und Einheiten der Nationalgarde mit dieser Waffe ausgestattet (sargs.lv).  Bergmanis hatte noch einige Tage davor darauf hingewiesen, dass sich das Geschäft wegen der deutschen Debatten um die Treffsicherheit der weltweit verbreiteten Feuerwaffe verzögert habe. Nicht nur das HK-Produkt ist umstritten, die schwäbische Rüstungsschmiede wird auch wegen ihrer skrupellosen Waffendeals von Kritikern beargwöhnt. In einem ausführlichen Interview mit dem Journalisten Janis Domburs nahm Bergmanis Stellung, wie er das rasch ansteigende lettische Militärbudget auszugeben gedenkt (delfi.lv).

Laut Wikipedia-Angabe ein lettischer Soldat mit einem G36C-Gewehr, Foto: Staff Sgt. Isaac A. Graham, Gemeinfrei, Link

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Lettland: Jahresrückblick 2017, Teil 2 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 30. Dezember 2017 um 00:00 Uhr

Das Erinnern bestimmt die Zukunft

Gedenkstätte Gogola ielaDer Sozialpsychologe Harald Welzer erläuterte 2010 auf einer Podiumsdiskussion im Rigaer Goethe-Institut die Psychologie des Erinnerns: Der Mensch erinnert sich nicht objektiv, sondern derart, dass es ihm gelingt, mit dem Erinnerten Gegenwart und Zukunft zu meistern (LP: hier). Das, was daran hindert, verdrängt oder verzerrt er. Das was ihm für sein Selbstbild nützt, aber nur auf Bildern gesehen oder aus Erzähltem gehört hat, hält er für persönlich Erlebtes. Auch die kollektive Erinnerung ist subjektiv. Die Erinnerungskultur der Letten war in den letzten Jahrzehnten davon geprägt, die Zeit der Sowjetunion zu bewältigen. Inzwischen entsteht Raum für Erinnerungen an Ereignisse, bei denen Letten nicht Helden oder Opfer, sondern Mittäter waren. Am 30. November trafen sich mehrere hundert Letten am Nationaldenkmal, um den Holocaustopfern unter deutscher Besatzung zu gedenken. So wird die Sicht auf die eigene Historie vielfältiger. Das passt zur Entwicklung einer offenen Gesellschaft, wie sie sich Staatspräsident Raimonds Vejonis wünscht.

Am lettischen Holocaust-Gedenktag am 4. Juli waren Vertreter des deutsch-österreichisch-tschechischen Riga-Komitees in die lettische Hauptstadt gekommen. Diese Vereinigung vertritt 56 Städte, aus denen jüdische Bürger nach Riga deportiert worden waren. Sie nahmen u.a. an einer Gedenkveranstaltung auf dem Gelände der zerstörten Synagoge an der Gogloa iela teil. Foto: Reinis Inkēns, Saeimas Administrācija

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Lettland: Jahresrückblick 2017, Teil 1 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 28. Dezember 2017 um 10:11 Uhr

Die Risse vergrößern sich

GasröhrenproduktionDas Jahr 2017: Für die einen war das Glas halb leer, für die anderen halb voll. Die Bewertung hängt davon ab, aus welcher Perspektive man die Welt und das Geschehen auf ihr betrachtet: von oben oder von unten? Von oben sieht man gute Konjunkturzahlen, eine erholte Wirtschaft, Rückgang der Massenarbeitslosigkeit oder sogar Mangel an Fachkräften; von unten Flaschensammler auf den Straßen, Obdachlose, Kinderarmut, prekär beschäftigte Dienstleister und gestresste Scheinselbstständige, die kaum über die Runden kommen. Die Haarrisse in den Beziehungen verschiedener Gruppen und Menschen verlängern sich, haben sich an manchen Stellen schon zum tiefen Spalt ausgeweitet. Auch die Informationsräume trennen sich; staatstragende Medien, meistens noch gedruckt oder als Rundfunk und Fernsehen verbreitet hier oben; systemkritische Medien, die Grundsätzliches infrage stellen da unten, im noch ungezügelten Internet. Es folgen wechselseitige Fakenews-Vorwürfe und Unverständnis; sag mir, welche Medien du konsumierst, ich sage dir, wer du bist und was du denkst. Misstrauen beherrscht die Europäer, gegenüber anderen, gegenüber Fremden, gegenüber konkurrierenden Nationen, angeheizt durch eine Wettbewerbsideologie, die den Anschein erweckt, als könnten alle gewinnen und die die Verlierer des großen Rattenrennens unterschlägt. Hier der erste Teil des lettischen Jahresrückblicks für 2017.

Schweißt Europa zusammen oder driften seine Nationen auseinander? Symbolisch dafür steht der Streit um die geplante Ostseegasleitung Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland. Röhren für diese Pipeline werden im italienischen Werk Castoro Sei gefertigt, Foto: Von Bair175 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

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