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Münster, 22.9.2017
Umwelt verseucht wegen mangelnder Sondermüllkontrollen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 02. September 2017 um 00:00 Uhr

Lettlands illegale Abfallhalden

Elektronikschrott in GhanaNach Eurostat-Daten hinterlassen die EU-Bürger jährlich etwa 2,5 Milliarden Tonnen Abfall. Eigentlich sollte diese beträchtliche Menge nach Wiederverwertbarem durchsucht und möglichst viel davon recycelt werden, was aber technisch aufwändig und daher teuer wäre. Mit der Verfrachtung auf illegale Deponien lässt sich mehr Profit machen. Man kennt die TV-Dokumentationen über Kinder auf afrikanischen Halden, die im schwarzen Rauch des brennenden Elektronikschrotts die Kupferkabel einsammeln (ARD über YouTube). Der größte Teil des Problemmülls endete bislang allerdings in China. Dessen Regierung wehrt sich inzwischen dagegen, gefährlichen Wohlstandsmüll aus dem Westen weiter ins Land zu lassen. Nun halten Kriminelle innerhalb Europas Ausschau nach nicht genehmigten Abfallhalden (tvnet.lv). Dies ist seit diesem Sommer in Lettland Thema. Vor dem Johannisfest brannte eine illegale Deponie auf dem Stadtgebiet Jurmalas. Es stellte sich heraus, dass die Halde gefährliche Stoffe enthielt, die auf Staatskosten entsorgt werden müssen. Offenbar ist der verbrannte Abfall von Jurmala nicht das einzige Sondermüllproblem.

Elektronikschrott in Ghana, Foto: Marlenenapoli - Own work, CC0, Link

Eine mächtige schwarze Rauchwolke verfinsterte tagelang den Sommerhimmel über Jurmala-Sloka. Die brennende Abfallhalde hielt 52 Feuerwehrleute drei Tage lang in Atem. Der Brand musste mit Hubschraubern bekämpft werden, Schienen und Straßen wurden gesperrt. Lkw und Traktoren benötigten über 400 Fuhren, um eine Abfallmenge von 12.500 Tonnen wegzuschaffen (lsm.lv). Einige Tage später zeigte sich, dass der Umweltschaden noch weitaus größer ist: Auf dem Gelände befanden sich giftige Stoffe, im Haushaltsmüll wurden alte Batterien, Spraydosen und Elektrokabel gefunden. Zum Teil waren ihre gefährlichen Bestandteile verbrannt. Nun sorgen sich die Anwohner, ob ihre Gegend mit Dioxinen und Furanen verseucht ist. Die Behörden wollen Proben entnehmen. Die Aufschriften auf den Hinterlassenschaften deuten darauf hin, dass der Müll aus Schweden kam. Die lettische Polizei ermittelt nun in zweifacher Hinsicht: Wer war der Brandstifter? Und wer ist für die illegale Lagerung des Mülls verantwortlich? (lsm.lv)

Lsm-Journalisten recherchierten, dass sich in Jurmala-Sloka nicht die einzige Problemhalde des Landes befindet. In Olaine beispielsweise lagern 1000 Tonnen Kunststoffe unter offenem Himmel. Die Abfallmenge, die Lettland aus anderen EU-Ländern importiert, steigt von Jahr zu Jahr. 2016 erreichte der Import gefährlicher Abfälle die Rekordmenge von 7130 Tonnen (lvgmc.lv). Experten vermuten, dass sich auch im normalen Müll viel Brisantes befindet, denn die staatlichen Kontrollen sind lasch. Laut Gesetz darf in Lettland nicht mehr Abfall eingeführt werden als verarbeitet werden kann. 2016 importierte Lettland insgesamt 308.000 Tonnen Müll, doch der einzige Recycler des Landes nahm davon lediglich 22 Prozent. Wo sich der Rest befindet, ist ungeklärt. Lettische Journalisten zählen neben Schweden, Briten und Dänen auch die Deutschen zu den Exporteuren des Unrats, der in der lettischen Landschaft landet (lsm.lv). Allerdings ist Lettlands Müllproblem auch hausgemacht: Mülltrennung ist selten und der von Letten produzierte Abfall landet ebenfalls zu oft auf Deponien.

 

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