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Münster, 27.9.2020
2013 ist das Rudolfs-Blaumanis-Jahr PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 03. Januar 2013 um 00:00 Uhr

Rudolfs BlaumanisBlaumanis ist einer der bekanntesten Schriftsteller in seiner Heimat. Sein Werk ist nicht nur Schullektüre, lettische Zuschauer erfreuen sich noch heute an den zahlreichen Aufführungen seines Theaterstücks „Die Tage des Schneiders in Silmaci“. Der Dramatiker und Erzähler stammte aus ärmlichen Verhältnissen: Am Neujahrstag von 1863 wurde er in Ērgļi in der Region Vidzeme geboren. Sein Vater war Koch, seine Mutter Zimmerfrau eines Gutsherrn. Bildung ermöglichte es ihm, den ländlichen Dienerkreisen zu entkommen. Als Zehnjähriger besuchte er zunächst eine Privatschule im benachbarten Ort Ogre, später wechselte er auf die deutschsprachige Handelsschule in Riga. Die deutsche Sprache entfachte sein literarisches Interesse und sein schriftstellerisches Talent.

Der Literat Rudolfs Blaumanis: Foto: http://lv.wikipedia.org

 

Es begann mit einer Weihnachtsgeschichte

Blaumanis las die deutschen Klassiker. Er übte sich in der Fremdsprache so erfolgreich, dass er am Ende der Schulzeit 1881 seine erste Erzählung in der erlernten Sprache Deutsch veröffentlichte. Die „Zeitung für Stadt und Land“ druckte diese Weihnachtsgeschichte unter dem Titel „Wiedergefunden“. Erst fünf Jahre später erschien erstmals Lettischsprachiges von ihm: das Gedicht „Nakts“. Nach Tätigkeiten in einem Handelskontor und als Schriftleiter eines Gutsherrn wechselte der werdende Literat und Journalist nach Riga. Die Themen seiner Novellen und Dramen blieben oftmals das Landleben, der Alltag der lettischen Bauern, den er auf realistische Weise erzählte. Er besuchte immer wieder sein Elternhaus, den Bauernhof Braki, bewirtschaftete ihn nach dem Tod seines Vaters für mehrere Jahre. Hier fand er trotz landwirtschaftlicher Arbeit die Zeit zur Inspiration. Sein Aufstieg in die intellektuellen Kreise Rigas war nicht mit Wohlstand verbunden. Trotz seiner Tätigkeit für respektable Zeitungen, Buchveröffentlichungen und Bühnenerfolge konnte sich Blaumanis in Riga keine eigene Wohnung leisten. Zeitweise übernachtete er in billigen Gästehäusern oder in Schulräumen. Er lebte in möblierten Zimmern oder in Wohnungen befreundeter Künstler und Intellektueller. Seine bekannteste Unterkunft ist wohl sein Zimmer in der Dachwohnung des Malers Jānis Rozentāls in einem Eckhaus an der Albertstraße, die heute wie das Elternhaus Braki als Museum zu besichtigen ist. Als Blaumanis an Tuberkolose erkrankte, fehlte ihm das Geld für Ärzte und Arznei. 1908 befiel ihn diese chronische Krankheit mit besonders schweren Anfällen. Seine Freunde starteten eine Spendenaktion, so dass sich Blaumanis in ein Sanatorium nach Finnland begeben konnte. Doch für eine Genesung war es zu spät. Am 4.9.1908 starb er dort. Seine Leiche wurde auf den Friedhof von Ērgļi überführt. Am 1. Januar 2013 trafen sich Blaumanis-Verehrer vor seinem Grab, um diesem Erzähler lettischer Lebensart zu gedenken. Das ganze Jahr über werden die Letten ihn mit Aufführungen und Gedenkveranstaltungen ehren. Die Lettische Presseschau hat sich vorgenommen, im Jahr 2013 daran zu erinnern, dass deutsche Vorbilder den lettischen Literaten inspirierten.


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