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Das Jahr 1941 war ein Albtraum für die Bevölkerung auf lettischem Territorium: Egal ob Letten, ansässige Russen, Juden oder andere Gruppierungen: Sie alle wurden von der Gewalt der beiden verfeindeten Großmächte Nazi-Deutschland und Sowjetunion heimgesucht. Bereits 1940, nach dem Hitler-Stalin-Pakt, hatten Rotarmisten die baltischen Staaten okkupiert. Im Sommer 1941 griffen Hitlers Truppen Stalins Reich an und eroberten auch das lettische Territorium. Letten blieb die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub: Wer der einen Seite widerstand, lief Gefahr, den Verbrechen der anderen Seite in die Hände zu spielen. Wer nicht in einem Gulag oder KZ verschwinden wollte, musste sich fügen. Noch schlimmer erging es den lettischen oder aus Deutschland deportierten Juden, egal wie sie sich verhielten: Deutsche und lettische Helfer pferchten sie im Rigaer Ghetto zusammen, um sie dann, an Massengräbern aufgereiht, zu ermorden. Wie leicht es war, bei einem totalitären Regime in Ungnade zu fallen, darüber informiert die kleine Ausstellung “Die Tragödie Lettlands 1941” des Rigaer Okkupationsmuseums. Es genügte zum Beispiel, Mitglied des Roten Kreuzes zu sein, um bei den Nazis als Kommunist zu gelten. Umgekehrt galt den Stalinisten ein Lette als Faschist, wenn er noch wagte, das lettische Sonnwendfest zu feiern. Vieles, worüber die Ausstellung berichtet, dürfte Lettland-Experten bereits bekannt sein. Wichtiger ist, dass sie überhaupt stattfindet, denn es ist das erste Mal, dass jüdische und nichtjüdische Letten die Geschichte dieses traumatisierenden Jahres gemeinsam darstellen. Dies könnte ein Auftakt für weitere historische Projekte sein, auch im Hinblick auf die russischstämmige Minderheit des Landes. Die Ausstellung wurde von den Historikern Ritvars Jansons, Iļja Ļenskis, Ojārs Stepens und Marģers Vestermanis gestaltet und von der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt. Sie ist noch bis zum 20.11.2011 zu besichtigen.
Hinweis zur Ausstellung im Okkupationsmuseum, die Erklärungstexte wurden auch in die deutsche Sprache übersetzt, Foto: LP
Synagoge in Kuldīga als Bibliothek wiedereröffnet

Im Frühjahr wurde die Synagoge noch renoviert, Foto: LP
Die malerische historische Kleinstadt Kuldīga in der lettischen Region Kurzeme hatte einst eine rege jüdische Gemeinde. Doch auch diese fiel größtenteils den Nazis zum Opfer. Ihre Synagoge wurde erhalten, zwischenzeitig aber als Kino oder Nachtclub genutzt, zuletzt stand sie leer. Nun vereinbarten die städtischen Vertreter mit der jüdischen Gemeinde in Riga eine angemessenere Nutzung: Nach einer aufwändigen Restaurierung wurde das Gebäude am 22. August 2011 als Bibliothek wiedereröffnet.
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