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Münster, 17.1.2019
Lettische Kunstausstellungen im Januar 2019 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 02. Januar 2019 um 00:00 Uhr

Dekonstruierte Melodramen, Macht und Reflexion und kurländische Farben

Kunsthalle ArsenalsZwei Ausstellungen beschäftigen sich im Januar mit der Frage, wie sich das Publikum manipulieren lässt. Was macht Melodramen so populär, obwohl Kinokritiker über sie die Nase rümpfen? Wieso erliegen Bürger den Verheißungen politischer Anführer? Manche Künstler versuchen, solche Methoden zu erkennen und zur Diskussion zu stellen. Andere wiederum lassen sich von der landschaftlichen Umgebung inspirieren und gelangen zu einem eigenständigen Ausdruck. Hier die Zusammenfassung von PR-Texten lettischer Kunstmuseen für den Januar.

Kunsthalle Arsenals in Riga, Foto: (WT-shared) Riggwelter at wts.wikivoyage, CC BY-SA 4.0, Saite

Riga: Melos - Anna Ceipe, Liga Spunde und Vika Eksta

Ausstellungshalle Arsenals, Kreativwerkstatt 2. Etage, Torna iela 1, Riga, vom 18.1. bis 24.2.2019

"Melos" war ursprünglich ein altgriechisches Wort, das Musikalisches in Verbindung mit Lyrischem bezeichnete, also eine besonders subjektive und emotionale Art des künstlerischen Ausdrucks. Heutzutage kennt man "Melo-" vor allem als Bestimmungswort für eine gewisse Art des Dramatischen in Hollywood-Filmen, die bei Kritikern nicht den besten Ruf genießen. Kuratorin Lina Birzaka-Priekule schreibt dazu: "Für das Melodram ist nicht selten ein bis zum Absurden reduziertes Beziehungsschema kennzeichnend - ob man liebt oder nicht liebt oder auch ob jemand liebt und der oder die andere nicht. Häufig wird das Wort `Melodrama` im verächtlichen Sinne benutzt, verbunden mit Übertreibungen, Banalitäten und Klischees in Beziehungen, dennoch spricht eine derartige Darstellung ein erstaunlich breites Publikum an. Kinoforscher verschiedener Generationen erkannten somit vom ersten Augenblick an in diesem konservativen Genre ein effektives sozialkritisches Instrument. Basis der Ausstellung ist der wissenschaftliche Wunsch, die Grundelemente der Kinodramen zu dekonstruieren und, indem sie in dieser räumlichen Komposition vereint werden, dem Besucher zu gestatten, sich in einer melodramatischen Welt aufzuhalten." Anna Ceipe und Liga Spunde studierten Visuelle Kommunikation an der Lettischen Kunstakademie. Sie nahmen an Ausstellungen und Projekten im In- und Ausland teil. Vika Eksta lernte Fotographie u.a. an der Fotoschule EFTI in Madrid und beteiligte sich ebenfalls an mehreren nationalen und internationalen Ausstellungen.

Melos, LNMM

Plakat zur Ausstellung "Melos", Foto: LNMM

Jurmala: Mikelis Fisers – Vainavas un noplicinajumi

Kunststation im Bahnhof Dubulti, Jurmala, bis 10.2.19, Eintritt frei

Mikelis Fisers motivieren philosophische Fragen: Was bürokratisiert unser Bewusstsein, wieso vertrauen wir allmächtigen Lehren und Illusionen über politische Anführer, die angeblich über mystische Kräfte verfügen, Nützliches aus einem unerschöpflichen Füllhorn herauszuziehen? Und wieso sind diese so gleichgültig gegenüber dem Wichtigen, das sogenannte Professionelle hervorbringen, was ihnen mehr Macht verleiht als ihnen zusteht? Fisers gestaltet dieses zivilisationskritische Thema in teils surrealen, teils dadaistischen Bildern. Der Maler wurde 1970 geboren. 2015 erhielt er den bekannten Purvitis-Preis für seine Ausstellung “Ungerechtigkeit”, die er ein Jahr zuvor im lettischen Pavillon der Biennale in Venedig gestaltet hatte. Mit der Arbeit “Sex und Raumschiffe” erhielt er 1995 den Magistertitel der Lettischen Kunstakademie.

Charme aus sowjetischer Zeit

Der Bahnhof Dubulti in Liepaja ist auch eine Ausstellungshalle für Kunst, Foto: LP

Daugavpils: Kurzemes Krasas - Kurländische Farben

Mark-Rothko-Zentrum, Daugavpils, bis 13.1.2019

Kuratorin Guna Millersone hat zur kurländischen Kunstszene ein ähnliches Verhältnis wie manche Deutsche zur Stadt Bielefeld: "Manche Kunstwissenschaftler haben ihre Zweifel ausgedrückt, ob die kurländische Kunstszene überhaupt existiert... Dennoch ist im Spektrum lettischer Kunst die Künstlergruppe aus Talsi seit mehr als 30 Jahren wahrzunehmen, auch Künstlergruppe Talsis Busch genannt mit Namen." Sie vereint Kreative, die in den 50er Jahren geboren sind, die ähnliche Erfahrungen machten und gleiche Kunstauffassungen haben. Die landschaftliche Umgebung prägte ihre Art, die Welt wahrzunehmen und sie künstlerisch darzustellen, Millersone dazu: "Alles begann und ereignete sich unter freiem Himmel, in der Natur, auf Ausflügen. Diese Erfahrung vermittelte der Künstlergruppe Expressivität und eine Palette kräftiger Farben. Wind, Regen, alle Jahreszeiten, die Kontraste von Sonnenuntergängen und Stürmen erlaubten es den Künstlern aus Talsi nicht, lediglich `Abmaler` der Natur zu bleiben, jeder gestaltete allmählich seine eigene Ausdrucksweise in der Malerei - ausgehend von der Realität oder zu ihr zurückkehrend, doch immer sehr abwägend und persönlich. Auch für Freundschaft, Boheme und einen humoristischen Sinn hat das Bestehen dieser Gruppe eine recht große Bedeutung gehabt." Die im künstlerischen Geist Vereinten organisierten 1987 ihre erste konzeptuelle Ausstellung "Überschwemmungen in Talsi", weitere folgten. Seit den 90er Jahren kooperieren die westlettischen Kulturschaffenden mit dem Freilichtkunstmuseum Pedvale, das sich in der Nähe von Sabile (pedvale.lv) befindet. Das weite Areal bot die Möglichkeit, Installationen aufzubauen oder sich an künstlerischer Situationskunst zu beteiligen. In den letzten Jahren kehrte die Gruppe allerdings wieder zu beständigen Kunstformen zurück, stellte Fotos, Grafiken und Gemälde in etwa einem Dutzend europäischen Ländern aus. Die Ausstellung in Daugavpils zeigt einen Querschnitt des Schaffens, vom abstrakten Expressionismus Andris Vitols` bis zum konzeptuellen Realismus Inese Milbergas. Zudem kann man Fotos von den Darbietungen in Pedvale und den Film: "Büsche, Freunde und Kunst" anschauen.

 

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