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Münster, 14.12.2018
Lettland: Holocaust-Gedenktag am 4. Juli PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 05. Juli 2018 um 11:08 Uhr

Die Gespenster des 20. Jahrhunderts mit Bildung vertreiben

Kranzniderlegung am 4. Juli 2018"Das zwanzigste Jahrhundert hat in der lettischen Geschichte mehrere tiefe Narben hinterlassen. Eine von ihnen ist der 4. Juli 1941, als die ersten Opfer in der angezündeten Synagoge zugrunde gingen, dieser Tag wies den Weg zu den Massenmorden in den Wäldern von Bikernieki und Rumbula. Leider sind auch heute die Gespenster des zwanzigsten Jahrhunderts nirgends verschwunden. Konflikte und Krieg ereignen sich sowohl in nahen als auch in fernen Regionen. Im gesellschaftlichen und öffentlichen Raum bereitet sich der Boden für Fremdenfeindlichkeit, Hass und Intoleranz gegenüber allen anderen. Die Hoffnung des heutigen Tages basiert darauf, sich die schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit zu vergegenwärtigen." (president.lv) Mit diesen Worten gedachte Staatspräsident Raimonds Vejonis der Holocaustopfer an der Synagogen-Ruine auf der Gogolstraße in Riga. Der 4. Juli ist Lettlands nationaler Holocaust-Gedenktag als Erinnerung an die Verbrechen der deutschen Besatzer, bei denen einige hundert Letten im Arajs-Kommando kollaborierten.

Kranzniederlegung am 4.7.2018 am Denkmal für jene Letten, die Juden retteten: Neben Parlamentspräsidentin Inara Murniece: Staatspräsident Raimonds Vejonis und Ministerpräsident Maris Kucinskis, Foto: Ieva Abele, saeima.lv

 

Holocaustforschung als lettische Verpflichtung

Auch Parlamentspräsidentin Inara Murniece begriff am Gedenkort die Erinnerung an die Vergangenheit als Mahnung für die Gegenwart. Der Holocaust sei eine Tragödie für die gesamte Menschheit gewesen, das Verbrechen könne niemals rechtfertigt werden oder verjähren. "Ich möchte bekräftigen, dass Juden ein bedeutender Teil der lettischen Gesellschaft waren, sind und sein werden." Als bestes Gegenmittel gegen diesen "erbarmungslosen Wahnsinn" empfiehlt Murniece Wissen und Bildung. Besonders die jüngere Generation müsse wissen, wie man in komplizierten Zeiten fähig ist, das Richtige zu tun und ehrenvolle Entscheidungen im humanistischen Sinne zu treffen. Die Erinnerung an den Holocaust und dessen historische Erforschung sei eine lettische und internationale Verpflichtung (saeima.lv) .

Rigas Große Choralsynagoge

Zeichnung von der einstigen Synagoge, Foto: Neaizsargāts darbs, Saite

Auch Christen besuchten Rigas größte Synagoge

Am 4. Juli belagerte das Arajs-Kommando, das aus lettischen Kollaborateuren der deutschen Besatzer gebildet wurde, auf Befehl Walter Stahleckers, des SS-Brigadeführers und Leiters der Einsatzgruppe A, die zentrale Synagoge der jüdischen Gemeinde in Riga und steckte sie während eines Gottesdienstes in Brand. Das Gebäude wurde völlig zerstört und wahrscheinlich erforderte diese Untat die ersten jüdischen Opfer. Die Zahl der Toten schwankt allerdings. Auf lettischem Territorium wurden in der Zeit der deutschen Besatzung etwa 70.000 Juden ermordet, die meisten wurden Opfer von Massenerschießungen. Die Große Choralsynagoge wurde vom Architekten Paul von Hardenak im Stil der Neorenaissance entworfen und 1871 eingeweiht. Rigas größte Synagoge war für seine Chöre bekannt, deshalb wurden die Gottesdienste auch von Christen besucht. Heutzutage ist der Platz an der Kreuzung zwischen der Gogolstraße und der Dzirnavustraße, wo sich die Ruine befindet, ein Ort der Erinnerung. Die jüdische Gemeinde stellte hier 2007 ein Denkmal mit den Namen jener Letten auf, die Juden unter Lebensgefahr versteckten oder zur Flucht verhalfen (citariga.lv) .

 

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