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Münster, 14.12.2018
Lettische Kunstausstellungen im März 2018 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 03. März 2018 um 10:47 Uhr

Schiffsreise in die neblige Zukunft

Schiff und NebelWerden unsere Nachfahren 200 Jahre alt werden? Das allerdings seelen- und geschlechtslos, virtuelle Speisen zu sich nehmend und sich in fliegenden Autos fortbewegend? Wer sich alte Science-Fiction-Filme anschaut, weiß: Manche betagte Zukunftsvision verriet mehr über die Zeit, in der sie entstanden ist als über die damalige Zukunft, die nicht eingetreten ist. Man denke etwa an die vielen blinkenden Schalter in den Raumschiffkulissen der 70er Jahre: Diese könnten heutzutage von einem einzigen kleinen PC-Flachbildschirm ersetzt werden. Andererseits hinken wir den alten Zukunftsvisionen hinterher: Der Mensch ist im Weltall jenseits der Jahrtausendgrenze noch nicht so weit gekommen, wie es sich die Visionäre des letzten Jahrhunderts ausmalten. Doch auf eine US-Serie geht für das heutige Leben viel Bedeutenderes zurück: Erfinder des Mobiltelefons bekundeten, dass sie sich einst von “Raumschiff Enterprise” inspirieren ließen. Hier die Zusammenfassung aus PR-Mitteilungen lettischer Kunstmuseen für den Monat März.

Die Zukunft des Landes, Foto: Kriss Salmanis, LNMM

 

Nakotnes valsts – Die Zukunft des Landes

Kunsthalle Arsenals, Torna iela 1, Riga, bis 20.5.2018

Zuweilen hört man, lettische Künstler seien nach innen gekehrt und kümmerten sich nicht so sehr um gesellschaftliche Entwicklungen. Diese Ausstellung wirkt dem Klischee entgegen, dazu Kuratorin Elita Ansone: “Zukunftsprognosen versprechen, dass in den nächsten 20 Jahren sich die Menschheit viel stärker verändert als es sich jemals bislang in der Geschichte ereignet hat. Über die in der Diskussion befindlichen Themen wie Klimawechsel, Minderheitenrechte und verschiedene sonstige Rechte kann man sich noch in Enzyklopädien informieren. Wir werden so kühn sein, den Tsunami zu reiten. Lebensmittel werden uns fliegende Drohnen bringen und wir selbst werden uns in fliegenden Autos fortbewegen. Vielleicht essen wir ja in Zukunft virtuelle Speisen. Anstelle klassischer Medizin und Tabletten wird etwas anderes ausgeklügelt. Das Ausbildungsbusiness wird von Internetfirmen übernommen werden. Als Resultat des Klonens erscheinen `Menschen ohne Seele`, denen das Geschlecht abhanden kommt, und das menschliche Dasein währt beinahe 200 Jahre. Bisherige Formen der Arbeit werden nicht mehr bestehen. Es werden Industrien neuer Art entstehen. Die volle Wochenarbeitszeit gehört der Vergangenheit an. Die Grenzen des Landes werden sich ändern, wie immer.” Doch nicht alle diese ausgedachten Zukunftsszenarien werden Realität, manches unterscheidet sich krass von dem, was tatsächlich sein wird. Ansone ist der Ansicht, dass Menschen mehr über die Zukunft als über die Vergangenheit nachdenken. Niemandem sei der Gedanke fremd, dass das echte Leben sich in der Zukunft abspiele, wenn die Schule beendet oder die Ehe geschlossen sein wird. “Die `große` Zukunft, wenn wir an Lettland und die Welt denken, ist verhältnismäßig neblig und ungewiss – wie ein mystisches Schiff, das bei uns eintrifft und dessen Herkunft unbekannt bleibt, aber es zeigt sich, dass wir die ganze Zeit schon mit diesem Schiff gefahren sind und wir die Zukunft auf geradem Wege aus der Vergangenheit ansteuern.” Arsenals-Besucher können sich dazu mit Installationen, Videos, Gemälden, Animationen und Skulpturen folgender Künstler auseinandersetzen: Arturs Arnis, Aigars Bikse, Andris Breze, Izolde Cesniece, Ivars Drulle, Andris Eglitis, Mikelis Fisers, Gints Gabrans, Atis Jakobsons, Ernests Klavins, Liene Mackus, Katrina Neiburga, Leonards Laganovskis, Kirils Pantelejevs, Anta Pence, Kriss Salmanis, Maris Subacs, Ivars Veinbergs, Arturs Virtmanis, Andris Vitolins, Rihards Vitols und Aija Zarina.

Vitols/ Veinbergs

Rihards Vitols, Ivars Veinbergs: AkA - Wolkenpflege, 2014-2017, Foto: Vitols/ Veinbergs, LNMM

 

Aleksejs Naumovs: Nebeidzama ainava - Unaufhörliche Landschaft

Nationales Kunstmuseum, Großer Saal, Jana Rozentals laukums, Riga, bis 8.4.2018

Naumovs gilt als ein bekannter Vertreter der Plenairmalerei. Der Franzose bezeichnet damit jene Maler, die Farbkasten und Leinwandgestell packen, sich damit in die Natur begeben, um vor Ort das Geschaute abzubilden. Nun ist eine Retrospektive der letzten 20 Jahre zu sehen, in dieser Zeit malte Naumovs die Landschaften Lettlands und anderer Weltregionen. Kuratorin Antra Priede-Krievkalne über den Reiz dieser Kunst: “Die Landschaft lässt sich nicht mehr als passive Abbildung wahrnehmen, in der sich künstlerisch die umgebende Welt widerspiegelt. Sie erhält Bedeutung durch die aktive und angemessene Behandlung durch die Werkzeuge, indem es Künstlern und Betrachtern möglich ist, sich zu beteiligen, die heutige Umgebung des Menschen ästhetisch zu konstruieren. In diesem Rahmen eröffnet sich dem Künster der wesentliche Moment, denn im Augenblick lässt sich der Klang erfassen, der nicht nur die Architektur als erstarrte Musik gestaltet, sondern auch in allen kleinen Details der Baumlinien, im kontrastreichen Zusammenspiel mit dem aufgeschnappten Kinderlachen in einer Parkecke.” Naumovs wurde 1955 geboren und studierte Malerei an der Lettischen Kunstakademie und als Stipendiat der französischen Regierung in Paris. Er arbeitete als Kunstdozent an der heimischen Kunstakademie, übernahm Gastprofessuren an verschiedenen Hochschulen. Er war Initiator und Kurator zahlreicher Ausstellungen in vielen Ländern, darunter Deutschland, Österreich, USA und Russland. Die umfangreiche Werkausstellung präsentiert Gemälde aus unterschiedlichen Phasen seines künstlerischen Schaffens. Naumovs malt nicht nur auf Leinwand, zu sehen sind auch seine Skulpturen, Illustrationen und Keramiken.

Naumovs, Venedig

Aleksejs Naumovs: Widerspiegelung Venedigs, Foto: LNMM

Daugavpils: Jolanta Abele - Rhapsodie des Frauseins

Im Mark-Rothko-Zentrum, Daugavpils, bis 8.4.2018

Die Romantik der freien Form, die sich durch Symbole und Wahrnehmungen ausdrückt, sei das sonderbare Narrativ des sinnlichen und schwer fassbaren weiblichen Charmes, der aktuelle Entwicklungen und Sehnsucht nach Identität in der modernen Welt widerspiegele. Zu dieser Einschätzung gelangt Abele und fragt sich und ihre Geschlechtsgenossinnen: “Wer sind wir wirklich und was macht uns aus?” Ihre künstlerische Antwort lautet: “Eine bewusste und abgewogene Wahl der Farben und eine Auswahl des Themas, einer Rhapsodie nicht unähnlich, das eine ersetzt das andere, durch verschiedene Eigenschaften und Darbietungen gekennzeichnet, den emotionalen Aspekt gelebter Erfahrung betonend.” Abele wurde 1971 in Jekabpils geboren, sie absolvierte ein Kunststudium für visuelle Kunst und Skulptur an der Universität Daugavpils. An der lettischen Kunstakademie absolvierte seine eine Fortbildung als Kunstpädagogin.

 

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