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Münster, 21.1.2018
Lettische Kunstausstellungen im Januar 2018 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 06. Januar 2018 um 12:34 Uhr

Wechselbeziehungen zwischen Kunst, Künstlern und ihrer Umwelt

OzolinsSchafft ein Künstler aus dem Nichts? Ist er das Originalgenie, das völlig unabhängig vom Erlernten und von seiner Umgebung seine Werke schafft? Einige Ausstellungen, die in Lettland am Jahresanfang zu sehen ist, verneinen solche Fragen. Künstler tauschen sich aus, treten mit ihren Werken miteinander in Dialog. Auch zwischen völlig verschiedenen Kunstbereichen herrscht ein inspirierendes Verhältnis. Und nicht zuletzt beeinflusst das soziale Milieu die Bilder, Videos und Skulpturen, die der Künstler herstellt. Beispiele dafür bieten derzeit Ausstellungen zum künstlerischen Verhältnis zwischen dem Balletttänzer Arvids Ozolins und der Malerin Aleksandra Belcova, zur Geschichte und Gegenwart des lettischen Metalldesigns und zu den besonderen Umständen, unter denen Kunst im Kaliningrader Gebiet entsteht. Hier die Zusammenfassung aus PR-Mitteilungen lettischer Museen für den Januar.

Arvids Ozolins in Aktion, Foto: LNMM

 

Latvijas baleta legenda Arvids Ozolins Aleksandras Belcovas gleznojumos un zimejumos – Lettlands Ballettlegende Arvids Ozolins in Bildern und Zeichnungen Aleksandra Belcovas

Museum Romans Sutas un Aleksandra Belcovas, Elizabetes iela 57a, Wohnung 26 (Eingang über den Hof, 5. Etage), bis 7.4.2018

Aleksandra Belcova hat ihren Freund Arvids Ozolins (1908-1996) in vielfacher und unterschiedlicher Weise porträtiert. Diese Gemälde, Zeichnungen und Skizzen sind in dieser Ausstellung zu sehen. Ozolins  wurde in den 30er Jahren als Tänzer international bekannt. Mit der Balletttruppe unter Leonid Mjasin hatte er Auftritte in den westeuropäischen Metropolen, den USA und Südafrika. Dabei lernte er u.a. Marlene Dietrich, Charlie Chaplin und Sarah Bernardt kennen. Ozolins widmete den größten Teil seines Lebens dem Ballett der Lettischen Nationaloper und unterrichtete an der Rigaer Mittelschule für Choreographie. In einem Interview mit dem Lettischen Radio wies er 1993 auf die völkerverständigende Eigenart seiner Kunst hin: “Unsere Kunst hat jene Besonderheit, dass wir Balletttänzer auf der ganzen Welt spontan eine gemeinsame Sprache finden, auch wenn wir die Sprache des anderen nicht verstehen. Wir verstehen uns irgendwie, denn das Ballett ist schon für sich eine sehr annähernde, alle verbindende Kunst.” Kunsthistorikerin Ginta Gerharde-Upeniece weist auf die Vollendung hin, die Ozolins im Ballett erreichte: “Jeder Blick, jede Geste, jede Bewegung – das alles hatte eine bestimmte Bedeutung. [...] Jene europäische Schule, die von den großen Klassikern, den großen Ballettmeistern kam, war in ihm derart organisch!” (lsm.lv) 1 Neben den Porträts, die Belcova anfertigte, sind in der Ausstellung auch Gegenstände und Fotografien zu sehen, die Ozolins` Leben als Ballettkünstler illustrieren. Zum Beispiel sein Koffer mit der Kleidung, die er auf der Bühne trug und zahlreiche Fotos von seinen Auftritten und Gastaufenthalten im Ausland.

Belcovas Porträt von Ozolins

Ein Porträt Aleksandra Belcovas von ihrem Freund Arvids Ozolins, Foto: LNMM

Sinergija: Laikmetigas tendences metalmaksla un dizaina – Synergie: Zeitgenössische Tendenzen in der Metallkunst und Design

Museum für dekorative Kunst und Design, Großer Saal, Skarnu iela 10/20, Riga, bis 28.1.2018

In Lettland ist Metall seit langem ein Material, aus dem Kunst entsteht. Seit 1961 wird die künstlerische Gestaltung dieses Werkstoffs an der Lettischen Kunstakademie gelehrt. Lettische Künstler studierten die Metallkunst auch in Estland, an der Kunstakademie in Tallinn. Die Ausstellung zeigt das Bestreben, die Eigenarten des Materials zu akzentuieren und dessen synergetische Effekte zu nutzen. Dies führt zu klassischen wie experimentellen Lösungen bei der Schmuckgestaltung und sonstigen Designobjekten. Kuratorin Andra Silapetere beabsichtigt, die Metallkunst als einen Bereich darzustellen, in dem ein intensiver Dialog und Wechselbeziehungen zwischen den Künstlern bestehen. Sie weist auf die lange Tradition hin: “Die Metallkunst hat in der lettischen Kulturgeschichte eine aktiv Präsenz mit entwickelten Traditionen, beginnend mit den Goldschmiedezünften in Riga und den Schmiedewerkstätten bis zu den Metallschmieden und Gießereien im ideologischen Klima der sowjetischen Periode und gegenwärtigen Kunstschaffenden, deren Ausdruck in der individuellen Formsuche im künstlerischen Kontext auch mit Auftragsarbeiten kommerzieller Art variieren, sich der heutigen Sphäre des Designs und der Unternehmertätigkeit fügend.”

Vilans

Modris Vilans, P_9, vermischte Technik, Foto: LNMM

Daugavpils: Made in Kaliningrad

Im Mark-Rothko-Zentrum, bis 2.2.18

Die Ausstellung zeigt Werke zeitgenössischer Künstler aus dem Kaliningrader Gebiet. Wie gestaltet man Kunst in diesem recht speziellen Flecken Europas, mit eigenartiger Geschichte und mit der Randlage als russische Exklave? Die Kuratorinnen Yulia Gnirenko, Irina Tchesnokova und Evgeny Umansky wollen das internationale Publikum mit diesen besonderen Bedingungen bekanntmachen. Es soll verstehen und nachvollziehen, welche Umgebung die zeitgenössischen Kaliningrader Künstler inspiriert. Wie verarbeiten sie aktuelle Probleme? Welche Bedeutung haben in dieser Randlage Wörter wie sowjetisch, russisch oder national? Welche Rollen spielen ethnische oder geschlechtliche Identitäten im Alltag? In welchem sozialen Kontext steht hier der Mensch und seine Privatheit? Die Kuratorinnen wollen auf solche Fragen keine beschönigenden Antworten zugunsten der Stadt oder zugunsten Russlands finden. “Frei von einer spezifischen Thematik, gestaltet der vollständige Gehalt eines Kunstwerks das Mosaik sozialer und mentaler Realitäten von heute. Die Kuratorinnen waren nicht bestrebt, Dichotomien wie `russisch gegen national`, `Königsberg gegen Kaliningrad` aufzuschließen. Im Gegenteil: Die ausgestellten Themen und Gegenstände beziehen sich nicht speziell auf die regionale Herkunft der Künstler, sie sind universal.” Nicht der besondere Bezug zur Vergangenheit wird betont, sondern eine durch internationale Entwicklungen bestimmte soziale und politische Gegenwart. Sie wird auf traditionell auf Fotographien ebenso wie in Videoinstallationen und mit Hilfe neuer Technologien dargestellt.

 

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