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Münster, 20.11.2017
Lettische Kunstausstellungen im November 2017 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 28. Oktober 2017 um 12:46 Uhr

Kleinformatiges von großen Künstlern, ein Künstlersohn in den Fußstapfen seines Vaters und ein Tanz aus Aquarellfarben

Picasso, Le grande fauneFür den bald beginnenden Monat hat die PR-Abteilung des Nationalmuseums und seiner Filialen bislang wenig zu melden. Noch sind Ausstellungen zu sehen, die in den vergangenen Monaten bereits eröffnet wurden (siehe LP-Eventkalender). Beschreibungen für Veranstaltungen, die ab Mitte November zu besichtigen sind, liegen noch nicht vor. Deshalb weist die LP diesmal auch auf ein Museum hin, in dem einst Lettlands bekanntester Maler Janis Rozentals mit seiner Familie lebte. In diesem Haus im Jugendstilviertel Rigas wird gerade dessen Sohn geehrt, der dem Vater nachstrebte. Hier die Zusammenfassung aus PR-Texten für den Monat November.

Pablo Picasso, der große Faun, Foto: LNMM

 

No Pikaso lidz Kunsam, Makslinieku raditas rotas no Dianas Vene kolekcijas - Von Picasso bis Koon, Von Künstlern geschaffene Kleinformen aus der Kollektion Diane Venets

Hauptgebäude des Lettischen Nationalen Kunstmuseums, Kuppelsaal in der 5. Etage, Jana Rozentala laukums 1, Riga, vom 4.11. bis 3.12.2017

Ein goldenes Faunengesicht auf einer Medaille Picassos, ein löchriges Etwas, das sein Schöpfer Lucio Fontana “Raumkonzept” nennt, metallene Linien auf einem roten Kissen von Michael Craig-Martin, die eine Glühbirne skizzieren – solche Gegenstände hat die Französin Diane Venet von 60 weltweit bekannten Künstlern gesammelt. Bislang sind sie der Öffentlichkeit vor allem als Meister der Leinwand und der Skulptur bekannt. Doch sie stellten nebenbei auch kleinformatiges Kunsthandwerk her. Die Ausstellung präsentiert davon 170 Exponate. Venet, die auch Kuratorin ist, beschreibt ihre Sammlung als “intimes Museum”, weil sie Aufschluss über das Wesen der prominenten Künstler erlaube und auf besondere Weise Biographien mit der Kunstgeschichte verbinde. Am präzisesten könne man die Gegenstände als “Objekte der kleinen Form” bezeichnen. Sie wurden auf jeweils spezifische Weise gestaltet und können als Schmuck, Zierrat oder als Alltagsgegenstand verwendet werden. “Das sind Miniaturskulpturen, die sentimentalen Seitenwege praktischer Persönlichkeiten der Kunstgeschichte und heutiger berühmter Vertreter der zeitgenössischen Kunst, welche die Maler nicht selten zu ganz persönlichen Lebensepisoden anspornten,” meint Venet und wird darüber am 3. November Im Museum auf Englisch einen Vortrag halten. Unter den prominenten Namen befinden sich Salvadore Dali, Roy Lichtenstein, Alberto Giacometti, Robert Rauschenberg, George Braque, Louise Burgeois und viele weitere.


Stella, Ohne Namen

Frank Stella, ohne Worte, Foto: LNMM

Mikelis Rozentals, Maler

Janis-Rozentals-Museum, Alberta iela 12-9, Riga, noch bis zum 30.11.2017

Mikelis trat als einziges Kind in die Fußstapfen des Vaters Janis, der als einer der bekanntesten Maler der lettischen Kunstgeschichte gilt. Der Sohn wurde vor 110 Jahren geboren und ließ sich vom Maler Fridrihs Milts inspirieren. Er studierte Malerei an der Lettischen Kunstakademie in der Meisterwerkstätte von Gederts Eliass. Mikelis Rozentals porträtierte Künstler wie Adams Alksnis und Vilhelms Purvitis ebenso wie seinen Vater. In den 30er Jahren entwickelte sich die Kunst des jungen Malers neorealistisch, gleichzeitig aber auch modern. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollten die Kunstschaffenden den sowjetischen Anforderungen nach einem sozialistischen Realismus entsprechen und beispielsweise Szenen aus dem Arbeiterleben gestalten. Doch Mikelis, dessen Stil der Kunstkritiker Janis Silins “lyrisch” nennt, gelang es auch in dieser Zeit, sich auf Porträt- und Landschaftsmalerei zu konzentrieren. Der Maler und seine Familie gerieten materiell und politisch in eine prekäre Situation. Schließlich erkrankte er schwer, die Ärzte diagnostizierten ihn falsch und er starb bereits im Alter von 45 Jahren. Die Ausstellung in der Wohnung, in der einst Janis Rozentals mit seiner Familie lebte, zeigt einige Werke Mikelis` aus Privatsammlungen, manche werden erstmals öffentlich präsentiert. Hinzu kommen Buchillustrationen, Grafiken, Skizzen, Fotos und Dokumente, die über den Lebensweg des Malers Aufschluss geben.

Alberta iela 12

Im Haus, in dem einst Janis Rozentals mit seiner Familie lebte, ist heute ein Museum zu Ehren des Malers untergebracht, Foto: CC BY-SA 3.0, Saite

Daugavpils: Baiba Priedite, Akvarelu sienas – Aquarell-Wände

Mark-Rothko-Zentrum, noch bis zum 5.11.2017

“Komme und mische dich ein,” unter diesem Motto stellt Kurator Maris Cacka die Ausstellung seiner Museumskollegin Priedite vor. Die neu gestalteten “Wände” aus Aquarellfarben bilden Ströme aus Wasser und Farben, behaglich leicht, aber auch ringend und strudelförmig. Cacka nennt das Farbenspiel einen Tanz der multiplen Schatten und Konturen, die durch ein spezielles Arrangement der Farbflächen zustande kommen. Priedite benutzt in ihren Arbeiten keine Linien und verzichtet auf Gegenständliches. Sie widmet ihre Aufmerksamkeit den Details, die gleichermaßen absichtlich wie zufällig zustande kommen. Sie haben nicht den Zweck, sich zu einer Geschichte oder einem gegenständlichen Thema zusammenzufügen, was Priedite mit Leichtigkeit gelänge, wenn sie wollte. Baiba Priedite wurde in Ilukste geboren, sie absolvierte ihre Ausbildung an der Designschule von Daugavpils, erwarb an der Universität Daugavpils das Lehrerdiplom für visuelle Kunst und Masterabschlüsse in Erziehungswissenschaften und Kunst. Sie nahm an mehr als 60 Ausstellungen im In- und Ausland teil, unter anderem in Weißrussland, Italien und Litauen und hatte fünf Soloausstellungen. Sie nimmt regelmäßig an der Baltic-Bridge-Biennale teil, die früher in Kaunas, dieses Jahr erstmals in Albanien stattfand

 

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