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Münster, 23.8.2017
Lettische Kunstausstellungen im August 2017 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 05. August 2017 um 07:16 Uhr

1000 Marienbilder und mehr

Biruta Baumane, SelbstporträtAls die abendländische Gesellschaft entdeckte, dass der Nachwuchs nicht aus kleinen Mängel-Erwachsenen besteht, sondern Kinder sind, begann auch die Zeit der Kindermode, die so manche zweifelhafte Wunschvorstellung der Erwachsenen ins Kindliche projizierte - Deutsche mögen dabei an den wilhelminischen Matrosenanzug denken, in denen die Jungs gesteckt wurden, weil sie später mal Deutschlands "Platz an der Sonne" erobern sollten. In Riga widmet sich eine Ausstellung den lettischen und sowjetischen Kindermoden und stellt deren Bezug zu gesellschaftlichen Vorstellungen dar. Wenn es politisch zwischen den Ländern hapert, baut die Kunst Brücken: Die Letten präsentieren Werke aus der goldenen Zeit der russischen Kunst. Bei allem politischen Knatsch sind die Letten immer Verehrer der russischen Kunst und Kultur gewesen. (Für lettische Leser: "Knatsch" ist ein Slangwort und bedeutet Streit,  Ärger). Biruta Baumane präsentiert in ihren Werken herbe Schönheit und der Weißrusse Alexei Kuzmich die Schönheit der Madonna, in der sich die Schönheit der weißrussischen und slawischen Frau schlechthin widerspiegelt. Kuzmich wird der "weißrussische Raffael" genannt. Mit über 1000 Marienbildern ging er ins russische Rekordbuch CIS ein. Mit seinem Frauenbild dürfte er in feministischen Kreisen muntere Debatten anheizen. Hier die Übersicht über neue Kunstausstellungen im August, zusammengestellt aus Texten der Museums-PR.

Biruta Baumane, Selbstporträt, Foto: Normunds Braslins, LNMM-Sammlung

 

Biruta Baumane (1922–2017). Gleznieciba - Biruta Baumane (1922-2017). Malerei

Lettisches Nationalmuseum der Kunst, Hauptgebäude, 4. Etage, Jana Rozentala laukums 1, Riga, vom 12.8. bis 10.9.2017, Eröffnung: 11.8.2017, 17 Uhr

Biruta Baumane wollte zunächst Balletttänzerin werden. Sie schaffte die Aufnahmeprüfung an der Ballettschule der Nationaloper und lernte dort Tanzschülerin Tatjana Suta kennen, Tochter des Künstlerpaars Romans Suta und Aleksandra Belcova. Fortan wurde die bildende Kunst Baumanes Leidenschaft. In der Zeit von Krieg und Gewaltherrschaft studierte sie von 1941 bis 1948 an der Lettischen Kunstakademie Malerei und orientierte sich an der klassischen Moderne. Zu ihren Lehrern gehörte Gederts Eliass, der als Revolutionär von 1905 an der Gefangenenbefreiung aus dem Rigaer Zentralgefängnis und am Überfall auf die russische Staatsbank in Helsinki beteiligt gewesen war. Baumane fand 1956 auf einer Ausstellung für lettische Nachwuchskünstler Beachtung, welche einen neuen, “herben” Stil entwickelten. Kuratorin Ilze Putnina beschreibt Baumanes Stil: “Grün und Rosa sind Biruta Baumanes Farben. Die Schönheit des Lebens ist plastisch gebannt in einer klaren Zeichnung, der Glanz der Ölfarben ermattet bis zur dünnen, beinahe zerbröselnden Pigmentstruktur. Die lakonische, zuweilen herbe Sprache dieser Malerei hat sich im Lauf der Zeit kaum geändert, auch thematisch blieb sie ein und dieselbe: Kurlands Kleinstädte oder Rigas Wege am Stadtrand, Fischereihäfen, Landsaunen, Feste und Zirkus, Porträts und Stillleben. Eigenartig sind die Frauenakte, mit roten Kadmiumlinien umrissen, kontrastlos. Diese sind nicht nur Modellstudien, in ihnen sind sowohl die Begeisterung für die dargestellten Körperformen als auch der innere Schaffensprozess der Künstlerin eingegangen. Diese Akte lassen sich wie Stillleben und Landschaften malen, salzig und einsam.”

Baumane, Der Festschmaus ist zuende
Biruta Baumane, Der Festschmaus ist zuende, Triptichon, Teil III., Foto: Normunds Braslins, LNMM-Sammlung

Krievu makslas zelta klasika. 19. gadsimts – Die goldene Klassik der russischen Kunst – das 19. Jahrhundert

Im Kunstmuseum Rigas Birza, Domu laukuma 6, Riga, vom 4.8. bis 29.10.2017

Das lettische Nationalmuseum der Kunst verfügt über eine umfangreiche Werksammlung russischer Künstler, welche der Öffentlichkeit in einem Ausstellungszyklus nach und nach präsentiert wird. In dieser Ausstellung sind die Epochen des 19. Jahrhunderts das Thema, dazu Kuratorin Ksenija Rudzite: “Bezüglich des Bestandes der Museumssammlung liegen die stilistischen Akzente hauptsächlich auf den romantischen Tendenzen der ersten Hälfte und auf dem realistischen Ausdruck der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Ausstellung ist nach einem chronologischen Prinzip angeordnet und in zwei Teile gegliedert: `Im Zeichen des Romantik` und `Das Zeitalter des Realismus`. Die Blütezeit der Romantik ist in Russland verbunden mit den Werken von Orest Kiprenskij, Karl Brillow, Silvester Tschedrin, Alexander Orlowskij und Iwan Aiwazowska. Die realistische Linie widerspiegelt am allerdeutlichsten jene Gemäldegruppe, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dem Genre des Alltagslebens gewidmet ist. Hier nehmen Vertreter der Genossenschaft der künstlerischen Wanderausstellungen eine zentrale Stellung ein: Die Werke Iwan Kramskois, Wladimir Makowskijs und Wassili Surikows.” Die Kuratorin präsentiert nicht nur Gemälde. Unter den 150 Exponaten befinden sich auch Graphiken und Skulpturen, zudem ist Designkunst zu begutachten: Porzellan, verzierte Glasgegenstände und Silberarbeiten.

Aiwasoswkij, Meereslandschaft
Iwan Aiwasowskij, Meereslandschaft 1868, Foto: Aigars Altenbergs, LNMM-Sammlung

Bernu pasaule. 18.–20. gadsimts - Kinderwelt, 18. bis 20. Jahrhundert

Museum für dekorative Kunst und Design, Großer Saal, Skarnu iela 10/20, Riga, vom 3.8. bis 1.10.2017

Erst der Philosoph Jean-Jacques Rousseau machte der Öffentlichkeit bewusst, dass Kinder keine kleine Kopien von Erwachsenen, sondern eigenständige Persönlichkeiten sind. Seitdem entwickelten sich Moden der Kinderbekleidung, die das jeweilige Verhältnis der Erwachsenen zum Kind widerspiegelten. Die Ausstellung präsentiert die Kindermoden in zeitspezifischer Umgebung, zuhause, auf Wanderungen durch die Natur, auf dem Schulweg, bei Familienfeierlichkeiten oder sonstigen Aktivitäten. Modehistoriker Alexandre Vassiliev ist Kurator und Inhaber dieser einzigartigen Sammlung, hier präsentiert er u.a. spezifisch lettische Kindermode aus verschiedenen Epochen. Ergänzt werden die Exponate mit Spielzeug, Alltagsgegenständen und Kinderfotografien, die andere Museen zur Verfügung stellten. Der Name dieser Ausstellung stammt vom Rigaer Fachgeschäft “Bernu pasaule”, das zu sowjetischer Zeit Kinder begeisterte. Besondere Aufmerksamkeit erzielten damals Adrians Pabians` bewegliche Puppen, die er im zentralen Schaufenster zu bestimmten Themen arrangierte. Die sowjetische Kindermode ist eines der Themen dieser Ausstellung.

Kinder des Malers Rozentals

Die Kinder des Malers Janis Rozentals, Irja, Laila und Mikelis, um 1912. Foto: Jānis Rieksts. Aus dem Janis-Rozentals-Museum für Geschichte und Kunst in Saldus

Daugavpils: Alexei Kuzmich - Madonnas Templis

Im Mark-Rothko-Zentrum in Daugavpils vom 11.8. bis 10.9.2017

Raffael, Leonardo da Vinci, Rembrandt, Botticelli, Rubens, Bellini, Renoir, Picasso... - auch dem Laien ist die Künstlerriege bekannt, die sich mit dieser Frau beschäftigte, die mildtätig, verständnisvoll, geduldig und keusch das Frauenbild über Jahrtausende geprägt hat. Der Weißrusse Alexei Kuzmich setzt das Genre der Madonnenbilder in der Gegenwart fort. Er hat bereits über 1000 Marienbilder gemalt und es damit ins CIS, ins russische Buch der Rekorde, geschafft. Für Kuzmich, der auch der “weißrussische Raffael” genannt wird, verkörpert Maria die weibliche Schönheit in vollendeter Form. Sie ist für ihn das Ideal der slawischen Frau. Der PR-Text über Kuzmich: “Er verehrt die Frau, ihre Schönheit, ihre irdische Aufopferung, ihre göttliche Mission. Er eröffnet der Welt das magische Bild weißrussischer Frauen, das Bild einer slawischen Frau, durch welches er über sein eigenes Land, Weißrussland spricht.”

 
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