logo
Münster, 24.10.2017
Zwei Gemälde von Julius Gottfried Siegmund wieder in Riga PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 29. Juli 2017 um 00:00 Uhr

Werner von Sengbusch schenkte dem Museum für Stadtgeschichte lange Verschollenes

Bildübergabe1Zu Beginn der Mitgliederversammlung des deutsch-lettischen Kulturvereins Domus Rigensis (DR) am 7.7.17 wartete Werner von Sengbusch mit einer Überraschung auf. Im festlichen Haberlandsaal des Rigaer Museums für Stadtgeschichte und Schifffahrt waren zwei Ölbilder aufgestellt, die das DR-Vorstandsmitglied der anwesenden Museumsleiterin Klara Radzina übergab. Es sind Porträts zweier Deutschbalten: Hamilcar Baron von Fölkersahm (1811-1856) und Friedrich Wilhelm Brederlo (1779-1862). Julius Gottfried Siegmund (1828-1909) hatte diese Bilder im Auftrag des damaligen Dommuseums gemalt. Von Sengbusch erzählte von ihrer langen Reise im 20. Jahrhundert, die das deutschbaltische Schicksal widerspiegelt.

Werner von Sengbusch und Klara Radzina bei der Bildübergabe, Foto: Werner von Sengbusch

 

Das Porträt eines Bauernbefreiers

Siegmund war Schüler des Malers Otto Berthing in Riga und später Kunststudent in Sankt Petersburg, Dresden und Leipzig. Ihn zog es sogar nach Antwerpen, um bei Meistern des Porträts wie Joseph van Lerius seine Maltechnik zu verfeinern und unternahm Studienreisen nach München, Paris und Rom. Er arbeitete auch als Fotograf und war Mitbegründer einer Zeichenschule (bbl-digital.de). Für das Dommuseum sollte er livländische Staatsmänner und Gelehrte porträtieren, unter ihnen Friedrich Wilhelm Brederlo, ein Ritter, Kaufmann und Ratsherr - über dessen Bedeutung als Kunstsammler die Lettische Presseschau schon berichtete (lettische-presseschau.de) - und Hamilcar Baron von Fölkersahm. Nun sind die Biographien Porträtierter nicht immer berichtenswert. Sich auf Porträts verewigen zu lassen hieß in alten Zeiten häufig nur, Geld, Macht und Status zu besitzen und nicht unbedingt, das Los der Menschheit verbessern. Baron von Fölkersahm gehörte allerdings zu den Fortschrittlichen, der 1849 gegen den konservativen Widerstand in der livländischen Ritterschaft die Emanzipation der lettischen Bauern vorantrieb. Zwar war deren Leibeigenschaft seit 1819 formell aufgehoben, doch die ehemaligen Leibeigenen blieben an ihrer Scholle gebunden und mussten weiterhin Fronarbeit verrichten. Erst mit Fölkersahms Bauernverordnung erhielten sie das Recht, selbst Land und Güter zu kaufen und mussten keine Zwangsarbeit mehr für ihre Grundherrn verrichten. Sein Motto war: "Nicht die Rechte, die jemand ausübt, sondern die Pflichten, die er sich auferlegt, geben ihm den Wert! (baltische-ritterschaften-de.de)."


Bildübergabe2

Werner von Sengbusch und Klara Radzina präsentieren das Porträt von Friedrich Wilhelm Brederlo, Foto: Werner von Sengbusch

Begleiter von Umsiedlung und Flucht

Werner von Sengbusch beschrieb, was dann mit den beiden Bildern im 20. Jahrhundert geschah. Im Zuge der Umsiedlungsaktionen 1939, zu welchen die Nationalsozialisten die „Baltendeutschen“ aufgefordert hatten, wurde offenbar mit dem Dommuseum vereinbart, die Gemälde den Umzusiedelnden auszuhändigen. So gelangten die Kunstwerke nach Posen, wo sie 1945 auf der Flucht zurückgelassen wurden. Ein Unbekannter nahm sie in seine Obhut. Schließlich entdeckte Sengbusch Siegmunds verschollene Werke in einem Berliner Auktionshaus und kaufte sie. Nach einer langen Reise, nach 78 Jahren, gelangen sie nun zu ihrem Ursprungsort zurück. Direktorin Klara Radzina, die das Nachfolgemuseum, das heutige Museum für Rigaer Stadtgeschichte und Schifffahrt leitet, nahm das Geschenk dankend in Empfang.

 

(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||