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Münster, 23.2.2012
Kommerz gefährdet lettische Informationsfreiheit – „Reporter ohne Grenzen“ stuften Lettland herunter PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 03. Februar 2012 um 22:06 Uhr

Zeitungskiosk auf der Moskauer Straße in Riga im WinterDie Liga der „Reporter ohne Grenzen“ listet 179 Staaten auf. Sie informiert alljährlich Ende Januar über die Situation von Journalisten in diesen Ländern. Können sie frei berichten? Oder sind sie von Zensur, Gefängnis, Folter und Tod bedroht? Beim Tabellenvorletzten Nordkorea dürften freie Berichterstatter kaum zu finden sein. Solche riskierten in einer Diktatur, in denen die Liebe „zum ewigen Präsidenten“ und dessen Nachfolger oberstes Gebot ist, Verfolgung, Umerziehungslager, wenn nicht gar die Todesstrafe. Von solchen Verhältnissen ist Lettland zum Glück weit entfernt. Es befindet sich gemeinsam mit der kurländischen Ex-Kolonie Trinidad und Tobago immerhin noch im oberen Tabellendrittel auf dem 50. Rang, also noch in der Reihe von Staaten, in denen Journalisten und Publizisten nur selten von Häschern bewacht, verfolgt und verhaftet werden. Dort können sie in der Regel Texte veröffentlichen, ohne Regierungsvertreter um Erlaubnis fragen zu müssen. Immerhin rangiert die mittlere Baltenrepublik vor Italien (Platz 61) und Griechenland (70) und ist kaum schlechter platziert als das Land der Freiheitsstatue USA (47). Doch auch in Sachen Meinungsfreiheit steht  der Nachbar Litauen (30) besser da – und erst recht die finno-ugrischen Musterländle Finnland (1) und Estland (3). Selbst die in letzter Zeit heftig kritisierten ungarischen Verhältnisse bewerten die Reporter mit Platz 40 günstiger. Hinzu kommt, dass Lettland innerhalb eines Jahres 20 Plätze verloren hat. Über Kriterien eines jeglichen Rankings mag man streiten. Doch dieses kennzeichnet zumindest eine Entwicklung. Die Webseite der internationalen Reporter nennt einige staatliche Übergriffe, die sich lettische Beamte gegenüber Journalisten leisteten. Aber der Index der Pressefreiheit 2011-2012 führt - leider wenig konkret - auch finanziellen Druck als Kriterium an. Eine lettische Forschungsarbeit zeigt, wie Werbung und Propaganda insgeheim die lettischen Medien unterwandern. In der Krisenzeit ist manchem Journalisten der eigene Arbeitsplatz wichtiger als das Berufsethos. Er verdingt sich und verfertigt Schleichwerbung für politische Parteien und Kommerz. Der Leser muss nicht mehr wie zu sowjetischer Zeit zwischen den Zeilen lesen, aber er muss nun immer öfter mutmaßen, wer den Zeitungsartikel bezahlt hat und in wessen Interesse er geschrieben wurde.

Zeitungskiosk auf der Moskauer Straße in Riga, Foto: LP

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Zum lettischen Nationalfeiertag am 18.11.: Denke an Lettland PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 18. November 2011 um 10:53 Uhr

Herbstblätter

Herbststimmung in der lettischen Provinz, Foto: LP

Jānis Jaunsudrabiņš: Denke an Lettland

Denke an Lettland, wenn um Dich die Winde des Herbstes toben. Dann erinnere Dich an die Stürme, die manchmal auch in Deiner Heimat wüteten, die Bäume in den Wäldern brachen, auf dem Meer die Schiffe versenkten und die Fischer von den Küsten wegschleuderten, aber das waren nur kurze Schrecken, welche im Gedächtnis immer blasser werden und Lettlands Herbst ruht in Deinem lettischen Empfinden als ergiebige Jahreszeit.

Erinnere Dich daran, wie um den Höfen, auf den Hügeln und in den Ebenen allenthalben Garben, Scheunen und Strohhaufen ragten. Erinnere Dich, - die Wochen vergingen damit, das Getreide einzubringen, Rote Beete und Kohl zu verarbeiten, Gemüse zu schneiden. Die Dreschmaschinen summten wie die Wespen tags und nachts, bis die Ernte in den Kornkästen lag.

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Vom baldigen Untergang des Hauses Poll – Regisseur Chris Kraus inszenierte den August 1914 als groteske deutschbaltische Idylle PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 04. November 2011 um 00:00 Uhr

Poll-PlakatIm Novembermonat zeigte das Rigaer Goethe-Institut im Traditionskino „Splendid Palace“ die Spielfilme der diesjährigen Berlinale, unter ihnen das Werk „Poll“ des Regisseurs Chris Kraus. Es erzählt die Geschichte der jugendlichen Oda Schaefer. Die junge Frau hat die Absicht, Schriftstellerin zu werden. Sie sagt, dass sie so alt wie das Jahrhundert sei. Gemeint ist das vergangene, das für Europa eine Zeit von Krieg und Vernichtung bedeutete. Als sie im Hochsommer mit dem Zinksarg der Mutter auf dem Gut ihres deutschbaltischen Vaters ankommt, ist sie 14 Jahre alt. Der Zuschauer ahnt also: Ein Happy End wird es nicht geben.

Der Spielfilm Poll wurde in diesem Jahr auf der Berlinale gezeigt. Er ist mittlerweile auch als DVD erhältlich, Copyright: www.hoehnepresse.de

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