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Münster, 26.5.2017
Letten und Russen bewerten die Historie weiterhin unterschiedlich PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 25. Mai 2017 um 00:00 Uhr

Mehr Verständnis für die Andersdenkenden

gut oder schlechtWie war es in der Sowjetunion? War Karlis Ulmanis ein guter Politiker? Ist der 9. Mai ein Tag des antifaschistischen Sieges? Je nach dem, ob man einen lettisch- oder russischsprachigen Einwohner fragt, fallen die Antworten wahrscheinlich ziemlich unterschiedlich aus. Die lettische Mehrheitsgesellschaft trennt noch so manches von der russischsprachigen Minderheit im eigenen Land. Dazu gehört die gegensätzliche Bewertung der verschiedenen Herrschaftsphasen der letzten hundert Jahre. Am besten wird jeweils die Regierungsform bewertet, die die eigene ethnische Gruppe bevorzugte: Letten die Zeit unter der nationalistischen Ulmanis-Diktatur, als es hieß „Lettland den Letten“ und Russischsprachige die Sowjetzeit, als man hierzulande Karriere machen konnte, ohne ein Wort Lettisch zu lernen. Doch insgesamt erkennen die Forscher einen positiven Trend: Mit den gegensätzlichen Einschätzungen der anderen ethnischen Gruppe gehen Lettlands Einwohner immer gelassener um. Das ergab die diesjährige Umfrage jenes Forschungszentrums der Lettischen Universität, welche das Soziale Gedächtnis erkundet (lsm.lv).

Gut oder schlecht? Das ist die zweisprachige Frage, Foto LP

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Lettische Kunstausstellungen im Mai 2017 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 05. Mai 2017 um 00:00 Uhr

Künstlerisches aus der Zeit, als Heikles “palmiert” wurde

Borgs, EnergieKunst, die provoziert und herausfordert, überdauert nicht selten ihre Spötter und Kritiker. “Divdabis” zeigt Werke von Jānis Borgs, der bereits in den 70er Jahren sich mit Konzeptkunst vom sozialistischen Realismus entfernte. Lettische Kunstfreunde gedenken des 125. bzw. 120. Geburtstags des Künstlerpaars Romans Suta und Aleksandra Beļcova, dem das gleichnamige Museum in der Elizabetes ielā in Riga gewidmet ist. Derzeit sind soviele Exponate von ihnen zu sehen, dass dieses Etagenmuseum nicht ausreicht. Und das Mark-Rothko-Museum in Daugavpils zeigt 30 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe, wie sich Künstler mit dieser neuen Etappe der Menschheitsgeschichte auseinandersetzen. Hier die Zusammenfassung von PR-Texten lettischer Museen für den Mai.

Jānis Borgs` "Energie" 1978, Foto: Aus dem Archiv von Jānis Borgs, LNMM

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Die Furcht vor Wiedergängern und Nachzehrern PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 15. April 2017 um 00:00 Uhr

Lettischer Friedhof

Auf einem lettischen Friedhof, Foto: LP

Auferstehen ja bitte – aber nicht im Diesseits!

Ostern ist das Fest der Auferstehung. Christen verbinden damit die Hoffnung, eines Tages wie Gottes Sohn aus dem Grab zu steigen. Doch bitte schön: In einer anderen, besseren Welt. Auf den Friedhöfen gedenken wir unseren nächsten Angehörigen, schmücken ihre Gräber zu Festtagen besonders festlich mit Blumen und Lichtern. Mancher Gläubige sehnt sich nach einem Wiedersehen mit ihnen im Jenseits. (Garstige Schwiegermütter und lieblose Stiefväter einmal ausgenommen). Doch was wäre, wenn die Lieben auf dem Kirchhof aus dem Grab stiegen? Diese Vorstellung, die doch eigentlich ein Moment der größten Freude sein müsste, war für unsere Vorfahren ein schlimmer Albtraum. Journalistin Angelika Franz sprach mit Lokalhistorikern und Archäologen, die Gräber rund um die norddeutsche Stadt Stade erforschen (spiegel.de). Die Verwandten der Toten mussten einiges beachten, um die befürchtete Wiederkehr zu verhindern: Die Nadel, mit der das Totenhemd genäht wurde, gehörte in den Sarg. Die Angehörigen mussten das Herdfeuer löschen und die Asche wegkippen, wenn der aufgebahrte Tote das Haus verließ. Auf keinen Fall durfte der oder die Verstorbene bestohlen oder die Gebeine geschändet werden. Die Forscher fanden zudem schwere Steine auf den Särgen, damit ja der Deckel zublieb. Doch weshalb war die Furcht vor einer Wiederkehr der Lieben größer als die Freude über ein Wiedersehen? Der bekannteste Untote Rumäniens namens Dracula liefert die Antwort: Die Wiedergänger zehren von den wirklich Lebenden, nähren sich von ihrem Blut oder von ihrer Kleidung. Das schwächt die Lebenskraft und droht, die Lebenden selbst ins Grab zu ziehen. Auch wenn die Leichen nur an der Kleidung der Lebenden nagten, schwächte es deren Lebenskraft. Franz berichtet über den Fall eines solchen toten Nachzehrers: Ihm legten die Bestatter einen fremden Oberarmknochen über das Gebiss, um ihn an der Verspeisung von Textilien zu hindern. Solcher Horror war in den früheren Jahrhunderten grenzenlos. Freund Hein mit seinen Helfershelfern wie Pest und Cholera machte vor Zollschranken nicht Halt. Eine überlieferte Geschichte, die in Pēteris Šmits` Sammlung „Lettische Märchen und Sagen“ überliefert ist, kündet davon, dass die Menschen an der Daugava Gleiches fürchteten. Das hat Jānis Alberts Jansons aus Nogale überliefert, dessen kleine Geschichte unter „weiterlesen“ auf Deutsch nacherzählt wird.

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