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Münster, 27.3.2017
Lettland: Spirituosendealer versklavten hilflose Kunden PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 03. Februar 2017 um 00:00 Uhr

Wer nicht zahlen kann, wird eingesperrt

Flschen mit AlkoholDas weiße Winterlicht erhellt durch ein betagtes Sprossenfenster einen Raum menschlichen Elends: Die ehemals weiß getünchte Wand hat rußige Flecken, der halbhoch gestrichene dunkle Lack blättert. Das Mobiliar auf dem matten Holzboden, auf dem noch einige Lackstellen glänzen, besteht aus ein paar alten Schemeln, einem Stühlchen, einem schmutzigen Gasherd, der wahrscheinlich noch in sowjetischer Zeit hergestellt wurde, einem noch älteren rostigen Küchenkohleherd, auf dem mehrere rostige Töpfe stehen. Darüber ist nachlässig eine Kordel gespannt, von der zwei schmutzige Plastikbürsten baumeln, eine von ihnen gleicht einer Klobürste. Zwischen den Kochstellen steht an der Wand ein kleiner Tisch, der mit einer blauen Plastikplane bedeckt und mit einem Ziegelstein beschwert ist. Auf ihm und dem Gasherd sind alte große und kleine Töpfe mit und ohne Deckel verteilt, die alle rostig und beschmutzt sind. Auf dem Boden und auf den Schemeln stehen größere und kleinere Glasbehälter, die teilweise mit Flüssigkeit gefüllt sind, daneben große und kleine Schüsseln oder Eimer. Alles wirkt unsauber, mit Schmutz überzogen. An den Fensterrändern hängen Gardinenreste. Diese naturalistische Regieanweisung bildet die Kulisse zu einem Sozialdrama, das sich leider in der Wirklichkeit abgespielt hat: In der Gemeinde Līvbērze bei Jelgava benutzte eine Bande einen verlassenen Kindergarten, um dort ihre „Kunden“ wie Sklaven zu halten.

Hochprozentiger Alkohol, Foto: LP

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Lettisches Sängerfest 70 in Esslingen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 28. Januar 2017 um 00:00 Uhr

Rückkehr in das kleine Lettland am Neckar

Altes Rathaus EsslingenVor 70 Jahren lebten Exilletten als „displaced Persons“ in verschiedenen deutschen Städten. Sie waren vor der stalinistischen Willkür geflohen. Im süddeutschen Esslingen fanden damals etwa 6000 von ihnen in einer Barackensiedlung Zuflucht. So wurde die Stadt am Neckar zu einem der größten deutschen Zentren für Exilletten. Sie erhielt den Beinamen „das kleine Lettland“. Unter den Geflohenen und Vertriebenen hatten viele eine gute Ausbildung, waren kulturell und musikalisch engagiert. Diese Künstler, Musiker, Lehrer oder Schauspieler gründeten Chöre, Tanzgruppen, Opern- und Theaterkollektive. Bereits im Jahre 1946 hatten Letten in einigen bayrischen Städten Sängerfeste organisiert. Vorbild waren die Feste in der lettischen Heimat. Das waren Chorveranstaltungen mit vielen tausend Teilnehmern, die mehrere Tage dauerten. Am 25.5.1947 organisierten die Esslinger Exilletten das größte Fest, das es in dieser Art in der deutschen Nachkriegszeit gegeben hat. 25 Chöre mit 1000 Sängern kamen zusammen. Das Treffen wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst begonnen. Neben Chorauftritten konnten die Teilnehmer Kunstausstellungen, Theateraufführungen und Lesungen besuchen. Der Schriftsteller Valdemārs Kārkliņš schrieb damals: „Zu allen diesen Aufführungen im schönen Städtchen am Neckar hatten sich so viele Letten versammelt, dass fast jeder zweite Passant auf den Straßen ein Angehöriger unseres Volkes war, der aus einem näheren oder ferneren Ort Deutschlands kam, wo er als Exillette lebte. Das war ein Fest der Begegnung, der Verständigung und der Vereinigung, das allen Teilnehmern als heller Augenblick in unserem trüben Alltag und Hoffnungsstrahl einer ungewissen Zukunft im Gedächtnis geblieben ist. Jeder Festbesucher spürte tief in seinem Inneren, dass wir, aus der Heimat vertrieben und ihrer beraubt, dennoch durch unsere Kunst und Kultur reich geblieben sind und dass uns dieser Reichtum nicht abhanden kommen wird.“ (esslingen2017.de) In diesem Jahr erinnert der lettische Kulturverein Saime, der in Stuttgart und Esslingen aktiv ist, in besonderer Weise an das Chortreffen vor 70 Jahren: Vom 16. bis 18.6.2017 wird es ein neues internationales Liederfest im „kleinen Lettland“ am Neckar geben. Darüber informierte Saime-Vorsitzende Laura Putāne schon mal das lettische TV-Publikum.

Das Alte Rathaus der Stadt Esslingen, Foto: CC BY-SA 3.0, Link

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2025 soll die Rail Baltica eröffnet werden PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 27. Januar 2017 um 00:00 Uhr

Das Baltikum in viereinhalb Bahn-Stunden

Karte Rail BalticaVieles trennt und spaltet derzeit in der EU. Doch es gibt auch Pläne für neue Verbindungen, für mehr Kontakte zwischen den östlichen und westlichen Bürgern des viel gescholtenen Brüsseler Staatenbundes. Ein solches Vorhaben ist die Rail Baltica, die Schnellbahn, die zukünftig von den baltischen Metropolen über Warschau nach Berlin führen soll. Die EU würde 80 Prozent der 728 Kilometer langen baltischen Trasse finanzieren. Der Druck, rechtzeitig Brüsseler Fördergelder zu erhalten, zwingt zur Zusammenarbeit. Die Regierungschefs Lettlands, Estlands und Litauens werden voraussichtlich am 31.1.2017 in Tallinn einen weiteren Kooperationsvertrag unterschreiben. In den letzten Wochen blieb unklar, ob auch die neue litauische Regierung zur Unterschrift bereit ist.

Die Rail-Baltica, ursprünglich war die Einbeziehung der Städte Tartu und Vilnius geplant, Foto: By Ministry of Transport and Communication of the Republic of Latvia, Attribution, Saite

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