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Münster, 21.1.2018
Lettland: Hunderte gedenken der Toten von Rumbula PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 01. Dezember 2017 um 09:36 Uhr

„Eine Generation, die sich erinnern wird“

Gedenkort RumbulaAls die Deutschen im Zweiten Weltkrieg Lettland besetzten, begannen sie sogleich mit der Verfolgung von Juden. Zunächst wurden sie in Ghettos konzentriert. Ein solches entstand auch in der lettischen Hauptstadt an der Ludzas Straße. Am 30. November und 8. Dezember 1941 trieben lettische Hilfspolizisten auf deutschem Befehl die Ghetto-Bewohner aus den Häusern. Sie mussten viele Kilometer zu Fuß bis in den Wald von Rumbula gehen. Dort warteten bewaffnete SS-Männer auf sie. Die Opfer mussten sich ausziehen, sich vor dem Massengrab aufstellen und wurden erschossen. Insgesamt starben an diesen beiden Tagen etwa 25.000 lettische Juden. Die Rigaer Bluttage gehören zu den größten Mordaktionen des Holocausts. Diese Ereignisse werden allmählich Teil der lettischen Gedenkkultur. Mehrere hundert lettische Bürger ehrten am letzten Novembertag die Opfer mit Kerzen und Blumen am Nationaldenkmal.

Gedenkanlage in Rumbula, Foto: Avi1111 dr. avishai teicher - Own work, CC BY-SA 3.0, Link

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Ilmars Poikans reicht Gnadengesuch beim Staatspräsidenten ein PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 25. November 2017 um 13:42 Uhr

„Gefährlicher Präzedenzfall“

Protest gegen Verhaftung NeosIm Frühjahr 2010, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, machte eine „Volksarmee des vierten Erwachens“ in Lettland Schlagzeilen. Die Zuschauer des LTV-Magazins „De Facto“ erfuhren, dass diese angebliche Armee damit drohte, die Informationen aus einem riesigen Datenleck der Steuerbehörde preiszugeben. Wegen eines Programmierfehlers waren 7,4 Millionen persönliche Steuerdaten frei zugänglich gewesen. Während die Regierung den staatlichen Angestellten die Gehälter massiv kürzte, verdiente man beispielsweise in der Chefetage der vom Staat geretteten Pleitebank Parex munter weiter. Die Polizei ermittelte. Hinter der angeblichen „Armee“ steckte der Informatiker Ilmars Poikans, der sich später als „Neo“ ausgab. Er kam vorübergehend in Untersuchungshaft und musste sich in den folgenden Jahren Gerichtsprozessen stellen, weil er persönliche Daten und Geschäftsgeheimnisse in Umlauf gebracht habe. Das Oberste Gericht bestätigte im Oktober 2017 als höchste lettische Instanz das Urteil, das Poikans mit 60 Stunden ehrenamtlicher Arbeit bestraft. Doch Poikans kämpft weiter für seine Unschuld.

Im Mai 2010 demonstrierten Sympathisanten vor dem Ministerkabinett gegen die Verhaftung Neos, Foto: LP

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Die Deutschbalten und der lettische Staat zwischen 1918 und 1939 – Historikerin Helena Simkuva hielt einen Vortrag im Mentzendorff-Haus PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 23. November 2017 um 16:01 Uhr

Wie nationalistische Politik die ethnische Minderheit radikalisierte

Verfassungsgebende VersammlungDas, was Globalisierung genannt wird, stößt inzwischen in weiten Teilen der europäischen Wählerschaft auf Misstrauen. Der Globus spaltet sich in Gewinner und Verlierer (oxfam.org). Ein neuer Nationalismus ist die Antwort. Politiker fordern Grenzzäune, Rechtsradikale betrachten das Vaterland als das natürliche Biotop für die eigene Ethnie, in dem Fremde nichts zu suchen haben. Ob das hilfreich ist, um die weltweit brisanten Fragen zu beantworten? Will man tatsächlich der sozialen Ungerechtigkeit und der Umweltzerstörung mit völkischen Parolen begegnen? Ein Nationalismus in der Art Donald Trumps scheint die Probleme eher zu verschärfen als zu lösen. Auch in Europa hat das Enfant terrible des us-amerikanischen Establishments so manche Fans. Auch in Europa wettern Mehrheiten gegen Minderheiten und so verbiegt man Verteilungsfragen zu ethnischen Konflikten: Der Geflüchtete, dem es angeblich auf Kosten der Bürger zu wohl ergeht; der Muslim, der vermeintlich das christliche Abendland bedroht oder in Mittelosteuropa der Russe, der offenbar nur im Sinn hat, den eigenen Nationalstaat wieder ins Joch des Kremls einzuspannen. Dabei zeigte das 20. Jahrhundert: Diskriminierung und Entrechtung von Minderheiten schadet letztlich allen. Als Beispiel dient die Geschichte der Deutschbalten in Lettland zwischen 1918 und 1939: Zu diesem Thema hielt Prof. Helena Simkuva, Dozentin an der Lettischen Akademie für maritime Wissenschaften, am 31. Oktober 2017 einen aufschlussreichen Vortrag. Vor dem Domus-Rigensis-Publikum erläuterte sie, wie vorteilhaft es für alle Einwohner eines Landes ist, wenn die Minderheiten an den staatlichen Belangen mitwirken dürfen und wie schädlich es ist, wenn man ihnen das Recht auf kulturelle Autonomie nimmt.

Die verfassungsgebende Versammlung Lettlands im Jahr 1920, Foto: Saite
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