
Nils Melngailis betätigt sich seit dem letzten Dezember als eingesetzter Krisenmanager der
Parex-Bank. Seine Angestellten hatten sich verspekuliert und standen vor dem Bankrott. Die Regierung von Ivars Godmanis rettete im Herbst 2008 das zweitgrößte private Geldinstitut des Landes mit 670 Millionen Lats (=939 Millionen Euro), übernahm zunächst 51 Prozent der Aktien, später 85 Prozent. Diese Pleite beschleunigte die wirtschaftliche Talfahrt derart, dass Lettland wenig später einen Milliardenkredit des
Internationalen Währungsfonds benötigte. Seitdem sehen sich die lettischen Regierungen zu einem strikten Sparkurs gezwungen, unter dem vor allem Rentner und staatliche Bedienstete, indirekt aber auch die Arbeitnehmer der Privatwirtschaft zu leiden haben. Die Wirtschaft schrumpft unter deflationären Bedingungen und die Letten leben nun mit der höchsten Erwerbslosenquote in der Europäischen Union. Melngailis erklärte gegenüber dem TV-Polit-Magazin d
e facto, dass sein `systemrelevantes` Geldhaus weitere 100 Millionen Lats (=140 Millionen Euro) vom Staat brauche. Er plant, die Schulden und wertlosen Papiere in eine
Bad Bank auszulagern. Aus Imagegründen erwägt der
Parex-Vorstandsvorsitzende, den Namen seiner Pleitefirma zu ändern. Derweil kritisiert der jetzige Premier Valdis Dombrovskis . wie die staatliche Übernahme in der Zeit der Vorgängerregierung vonstatten ging: Unter anderem seien mit dem
Parex-Personal überhöhte Gehälter und Abfindungen vereinbart worden.