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Das Lettische Gymnasium in Münster hat überlebt |
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06.01.2010 |
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In Münster bestand bis 1998 eine weltweit einzigartige Institution: Die Stadt der Wiedertäufer beherbergte seit 1957 ein staatlich anerkanntes Privatgymnasium, an dem Lettisch die Unterrichtssprache war. So hatten Kinder jener, die vor den Verhaftungen und Deportationen Stalins in den Westen geflohen waren, die Möglichkeit, in der Muttersprache ihrer Eltern Abitur zu machen. Dort lernten sie aber auch so intensiv Deutsch, dass sie sich recht erfolgreich integrieren konnten. Nun hat Alberts Spoģis, ehemaliger Lehrer dieser Schule, ein Buch in lettischer Sprache veröffentlicht, das das gymnasiale Leben seit 1946 dokumentiert. Damals war das "LGM" noch ein "LGD" - denn das Lettische Gymnasium wurde in Detmold gegründet.
Bei der Vorstellung des Buchs in Riga im letzten Oktober war u.a. LCM-Geschäftsführerin Zuze Krēsliņa-Sila zugegen, die diese Publikation koordiniert hatte. Foto: LCM
Der Titel Minsteres Latviešu ģimnazija izdzīvoja/ Das Münsteraner Lettische Gymnasium hat überlebt überrascht etwas bei einer Institution, die vor mehr als zehn Jahren geschlossen wurde. Doch der Geist der Schule besteht tatsächlich fort. Ein ferner Traum, den am Anfang der 80er Jahre noch niemand für möglich hielt, wurde 1991 Wirklichkeit: Die bilingualen Absolventen haben seit der wieder erlangten Unabhängigkeit Lettlands die Chance, ihre Heimat zu besuchen oder sogar in das Land ihrer Vorfahren zurückzukehren. Aus dem Gymnasium wurde nach und nach das Lettische Centrum Münster (LCM), das nun als Kultur- und Sprachvermittler eine wichtige Brücke zwischen beiden Ländern darstellt. Insgesamt machten 417 Schüler an dieser Schule Abitur. Alberts Spoģis hat Dokumente und Fotos aus vier Jahrzehnten gesammelt. Es dokumentiert die Widerstände, die die Gründer und Schulleiter überwinden mussten. Die deutsche Bürokratie sah schließlich keine lettische Schule auf deutschem Boden vor. Die Finanzierung musste gesichert werden. Die lettischen Schulbücher wurden mangels Alternative vom sowjetischen Klassenfeind bezogen. Doch das 527 Seiten umfassende Buch bietet auch eine bebilderte Chronik schöner Erinnerungen: Abschlussfeiern, besondere Ereignisse im Schulleben, kulturelle und sportliche Höhepunkte. Wer Lettisch lesen kann, erhält so Gelegenheit, die Geschichte einer wichtigen deutsch-lettischen Einrichtung kennenzulernen.
Heute beherbergt das ehemalige Gymnasium das Lettische Centrum, lernen kann man hier immer noch: Z.B. die lettische Sprache. Foto: Stahlkocher auf Wikimedia Commons
Möglichkeiten dieses Buch zu beziehen: Dieses Buch kann man über das Lettische Centrum Münster (20 Euro plus Versandkosten) beziehen. UB Linkhinweis: |