logo
Münster, 08.9.2010 Home arrow Begegnungen arrow Nach Liepaja fliegen Ausgabe 134
Home
Politik
Wirtschaft
Kultur
Sport
Recht & Ordnung
Pinnwand
Projekte
Event-Kalender
Suchen
Begegnungen
Boulevard
Login
Sitemap
Nach Liepaja fliegen PDF Drucken E-Mail
16.05.2007
Air-Baltic FokkerPünktlich zur Feriensaison eröffnet die lettische Fluggesellschaft airBaltic von Hamburg aus eine Direktverbindung nach Liepaja, dem Ort, wo "der Wind geboren wird", so der Lyriker Maris Caklais. Mit ihrem Ostsee-Hafen liegt die drittgrößte Stadt Lettlands im westlichen Landesteil Kurzeme nahe der litauischen Grenze. Der populäre Badeort Palanga in Litauen ist beispielsweise nur 60 Kilometer entfernt und besonders die Kurische Nehrung läßt sich schnell erreichen. Ansonsten zeichnet sich die Liepaja durch eine schnuckelige Straßenbahn aus, und wer meeresumrauschte Ruhe sucht, dem sei der herrliche Strand vor den Toren der Stadt ans Herz gelegt. So proppenvoll Jurmala im Hochsommer ist, so menschenleer ist es hier.
 
 Straßenbahn in Liepaja
Die schnuckelige Straßenbahn in Liepaja. Photo: The Railfaneurope.
net Picture Gallery
 
Spektakulär das Kultur- und Informationszentrum Karosta auf dem Gelände des ehemaligen Marine-Stützpunkts (http://www.karosta.lv), hier auch das ehemalige Militärgefängnis, das inzwischen Eingang in nahezu jeden Baltikum-Reiseführer gefunden hat. Unter anderem wegen einer ziemlich lebensechten Knast-Inszenierung, zu der es in einer Ankündigung heißt: "Eine gruselige historische Realitätsshow mit Beteiligung der Zuschauer, nach realen Geschichten aus dem Leben des Marinehafens gestaltet. Das Wesen und Ziel der Aufführung ist es, jeden Teilnehmer sich in die Rolle eines Häftlings einfühlen und die interessantesten und schockierendsten Tatsachen aus der Geschichte des Gefängnisses kennen lernen zu lassen. Zur Teilnahme an der Realitätsshow sind alle Mutigen eingeladen, die älter als 12 Jahre sind. An der Aufführung Hinter Gittern können nur diejenigen teilnehmen, die die Bedingungen dieser Show mit ihren Unterschriften bestätigt haben".

Für Hartgesottene gibt's auch eine zappendustere Variante: "Liebhabern besonders extremer Erlebnisse bieten wir eine Nachtaufführung an – das Einfühlen in die Rolle eines Häftlings bei stockdunkler Nacht. Ankunft ins Militärgefängnis um 21 Uhr, Dauer der Aufführung für Gruppen (15 Personen) von 21 bis 9 Uhr" (http://www.karostascietums.lv/new/de/kassagaida-de.htm/).
 
Bahnhof Liepaja
 Nein, das ist nicht das ehemalige Militärgefängnis Liepaja, sondern
der Bahnhof... Photo: The Railfaneurope.net Picture Gallery
 
Über weitere touristische Angebote in Liepaja kann man sich unter http://www.liepaja.lv/page.php?id=821 informieren.

Geflogen wird täglich vom 9. Juni bis zum 30. September - ab Hamburg 14:45 Uhr, an Liepaja 17:50 Uhr; ab Liepaja 13:10 Uhr, an Hamburg 14:15. Das One-Way-Ticket ist bereits ab 21 Euro inkl. Steuern erhältlich. airBaltic, Torstrasse 177, 10115 Berlin, Tel. 01805-247225. S. auch http://www.airbaltic.com/public/30154.html             
-OJR-
         
 
 
 
 
Den Gauja Nationalpark erleben
22.05.2007
Blick auf TuraidaWer das hastige Treiben und den chaotischen Verkehr Rigas in Richtung Nordosten auf der A2 hinter sich gelassen hat, den belohnt Lettland nach nur 50 km mit der wohlmöglich schönsten Region des Baltikums, dem Gauja Nationalpark. Hier bestimmt der Fluss Gauja (einst Livländische Aa) die Geografie der Region und öffnet dem Besucher ein Tor zu einer anderen Epoche: Eine Zeit, in der Ritter wie Wolter von Plettenberg das damalige Livland noch nachhaltig beeinflussten, während anderenorts die deutschen Ordensritter längst abgedankt hatten.

Der Nationalpark erstreckt sich im Süden vom Städtchen Sigulda, über das mittelalterliche Cesis bis nach Valmiera im Norden. Mit 920km² ist dieser Nationalpark der Größte seiner Art in Lettland. Wegen der hügligen Landschaft bezeichneten die Deutschbalten diese Region auch als Livländische Schweiz. Der Fluss Gauja hat sich hier über Tausenden von Jahren tief in die Felsenformation hineingefressen. Die steilen Abhänge sind für dieses Flusstal genauso charakteristisch wie die dichten Mischwälder, die im Sommer diese einzigartige Landschaft mit einem grünen Kleid bedecken. Ja, man kommt ins Schwärmen, wenn man diesen Nationalpark besucht. Gerade für Mittelalter Enthusiasten gilt die Gauja Region als eine Art Geschichts-Eldorado.

KArte
             Karte des Gauja Nationalparks; Quelle: Tourismuszentrum Gauja Nationalpark
 
Segewold
Die kleine „Parkstadt“ Sigulda, (http://tourism.sigulda.lv/public/ger/ ) feiert dieses Jahr ihr 800 jähriges Bestehen. Eigentlich ist dies nicht ganz korrekt, denn nicht die Stadt selbst, sondern die alte Ordensburg von Sigulda (einst Segewold) – nunmehr eine Ruine- ist tatsächlich 800 Jahre alt. Um zur Ordensburg zu gelangen,  passiert der Besucher erst das Denkmal von Krisjanis Barons, einem bekannten lettischen Volkskundler und lässt das Neue Schloss, ein etwas kitschiges Gebäude aus dem 19. Jahrhundert und einstiger Wohnsitz der Gutsbesitzerfamilie Kropotkin hinter sich. Erst dann eröffnet sich dem Betrachter von den Gemäuern der alten Burg ein famoser Blick auf das gegenüberliegende Landgut Krimulda http://www.krimuldaspils.lv und auf die sagenumwobene Burg Turaida (einst Treyden). Zudem kann der Besucher ganz in der Nähe über eine Seilbahn an das gegenüberliegende Ufer der Gauja gelangen.
 
Ausblick vom Turm der Turaida Burg
Foto: Ausblick vom Turm der Burg Turaida, 1214 erbaut, 1950 restauriert; JvR
 
Die Rose von Turaida
Die rote Burg Turaida ist eines der Anziehungspunkte in der Gauja Region und entsprechend touristisch erschlossen. Im Jahre 1214 ließ Erz Bischof Albert diese eindrucksvolle Burg erbauen. Im Jahre 1620 soll sich hier ein Liebesdrama ereignet haben, welche als Sage von der „Rose von Turaida“  in die Geschichtsbücher einging. Nachdem man die erste Anhöhe, den Kirchberg (Baznicka Kalns) erklommen hat, steht man vor dem Grab der schönen Maija, die Hauptprotagonistin der Sage. Maija Greif,  Ziehtochter des Burgschreibers Greif, liebte den Gärtner Viktor. Doch viele buhlten um die nordische Schönheit, so auch ein polnischen Adliger, der das Mädchen unter Vorspieglung falscher Tatsachen zur Gutmannhöhle (Gutmana ala) gelockt haben soll, um sie zur Heirat zu zwingen. Diese Höhle liegt tatsächlich am Fuß der Burg. Aus ihr entspringt Quellwasser, welches angeblich unverwundbar macht. Hier kann der Besucher Graffiti Eintragungen aus mehreren Jahrhunderten bestaunen. Maija hinterließ aber keinen Eintrag. Sie ließ sich dort- so die Sage- von ihrem Nebenbuhler erschlagen, um so ihre Ehre und ihre Treue zu Viktor zu retten. Maija erhielt ihren Namen, weil Burgschreiber Greif das Mädchen im Monat Mai nach einer Schlacht aus den Armen ihrer toten Mutter gerettet haben soll. Wegen ihrer Schönheit bezeichnete er seine Adoptivtochter als Rose. Somit war die Sage um die Rose von Turaida geboren. Seitdem ist es in Lettland gute Sitte, dass frisch Vermählte am Grab der Maija eine Rose niederlegen, um ihrem eigenen Versprechen den nötigen Nachdruck zu verleihen.
 
Grab der schönen Maija
Bleibt wo es es. Das Grab der schönen Maija
 
Die ganze Umgebung von Sigulda ist gespickt mit Burgruinen, Höhlen, Schluchten und Anhöhen. Der schönste Ausblick auf das Gauja Tal garantiert aber der Turm der Burg Turaida. Ein überwältigender Ausblick. Spätestens dort oben bleibt die Zeit beim Blick auf die Gauja für einige Sekunden stehen. Nicht weit entfernt liegt der Volksliederberg (Dainu kalns) und der Liedergarten (Dziesmu dārzs). Dort kann der Besucher einen Skulpturenpark mit 26 Bildwerken des Bildhauers Indulis Ranka bestaunen.
 
Gutmans Ala
            Foto: Die Gutmann Höhle. Ihr Wasser soll heilen können. Foto: JvR
 
Cesis: Wo sich Vergangenheit und Zukunft treffen
Was Sigulda im August noch zelebriert, hat die Stadt Cesis (einst Wenden) bereits im vorangegangenen Jahr mit viel Brimborium hinter sich gebracht. Die Stadt Cesis ist nun 801 Jahre alt und liegt im Zentrum der Gauja Region, etwa 20km von Sigulda entfernt. Hier haben Ordensritter im Jahre 1209 ihre mächtigste Ordensburg errichtet, um den lukrativen  Handel zwischen Nord und Süd kontrollieren zu können. Leider wurde die Burg, wie die meisten Zeugnisse aus dem 13. Jahrhundert im Nordischen Krieg (17. Jahrhundert) zerstört. Dennoch gewährt ein Rundgang durch die Gemäuer – die nötigen Accessoires Helm und Lampe erhält man von freundlichen Studenten- einen guten Einblick, wie etwa ein Wolter von Plettenberg bis in die Anfänge des 16. Jahrhundert die Fäden der Macht in Wenden zusammenhielt. Plettenberg, ein Ritter aus Westfalen ist deswegen eine besondere Erscheinung, weil er nicht nur seine Stadt aus dem aufkeimenden Glaubenskrieg heraushielt, sondern auch als Meister des militärischen Präventivschlages galt. Während der 40 Jahre seiner Regentschaft wehrte der Landmeister von Livland  weit vor den Stadtmauern etwaige Angriffe der moskovitischen Großfürsten ab. Nun liegen seine Gebeine in der Johanniskirche zu Cesis. Noch mehr Informationen zur Geschichte dieser schönen Stadt erhält der Besucher im Burgmuseum, wo aufregende Ausstellungsstücke aus allen Zeiten des Mittelalters vorzufinden sind.

In Cesis erlebte das lettische Staatssymbol schlechthin, die Nationalfahne, ihre Geburtsstunde. Einer Legende zufolge soll ein lettischer König verwundet auf die weiße Flagge der Kapitulation gelegt haben. Dabei  färbte sein Blut die Fahne auf beiden Seiten in tiefem Rot. Wo der Körper des Königs gelegen hatte, blieb das Tuch weiß.

Fazit
Die Gauja Region ist ein Muss für Lettlandtouristen, die neben einer beeindruckenden Natur auch mehr über die Geschichte des Baltikums erfahren wollen.

-JvR-

Tourismusinformation zum Gauja Nationalpark:
http://www.gnp.lv/eng/index.htm

Tourismusinformation zu Sigulda:
http://tourism.sigulda.lv/public/ger/
 
Tourismusinformation zu Cesis:
http://tourism.cesis.lv/ger


                                                                   
 
 
< Zurück   Weiter >
August 2010 September 2010 Oktober 2010
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Week 35 1 2 3 4 5
Week 36 6 7 8 9 10 11 12
Week 37 13 14 15 16 17 18 19
Week 38 20 21 22 23 24 25 26
Week 39 27 28 29 30

+++ nächste Ausgabe Nr. 135 am 15.9.10 +++
(C)2006 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt || Alte Version inkl. alter Archive