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Lettland: Floraler Vorschein – Jugendstil in Riga PDF Drucken E-Mail
30.07.2010
Haus des lettischen Vereins von 1909Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, als die Handwerker an den Fassaden der Neubauten begannen, zierliche Linien, Pflanzenornamente und symbolistische Figuren anzubringen, wetterte der österreichische Architekt Adolf Loos gegen die Verzierung der Architektur, nannte die Vermischung von Gebrauchs-Gegenständen mit Kunst “barbarisch”. Damit nahm er das funktionalistische Bauen vorweg. Ein Haus ist demnach nur schön, wenn seine Form vollständig seiner Funktion entspricht und keinen überflüssigen Schmuck aufweist. Doch der Philosoph Ernst Bloch hielt in seinem Werk Geist der Utopie von 1918 dagegen: “Eine Geburtszange muss glatt sein, eine Zuckerzange mitnichten.” Dabei dachte er wahrscheinlich an die vielen Blumenornamente, die die Zuckerzangen jener Zeit auf unebene Weise zierten. Stilisierte Pflanzen waren beliebte Motive der Künstler und Handwerker, die sich im Jugendstil übten, einem neuen Dekor, das teilweise aus dem überladenen Historismus hervorging, ihn teilweise überwand oder gar zu völlig neuen Formen gelang. Die Jugendstil-Architektur verbreitete sich schnell im noch-zaristischen Riga, das sich damals zu einer der wichtigsten Industriestädte des Imperiums entwickelte. Die Bevölkerungszahl der baltischen Metropole hatte sich innerhalb von 50 Jahren nahezu verfünffacht. Vor dem Weltkrieg zählte die Stadt fast eine halbe Million Einwohner. Die Früchte dieser Blütezeit sind noch an vielen Stellen der Innenstadt sichtbar. Riga, dessen Altstadt und Neustadt zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, lockt als eine der größten Jugendstil-Zentren Europas. Der deutschbaltisch-lettische Kulturverein Domus Rigensis widmete sich vom 2. bis 4. Juli 2010 diesem Thema.
 
Fassadendetail des Gebäudes des Lettischen Vereins, das von Eižens Laube und Eižens Pole in einer Art neoklassizistischen Variante des Jugendstils errichtet wurde. Foto: UB
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Lettland: Das Baltic Youth Philharmonic lud zur Ohrenreise von Klassik bis Rock PDF Drucken E-Mail
09.07.2010

Die neugotische Große Gilde in RigaDie Besucher des Konzertsaals der Großen Gilde in Riga gingen am 6. Juli 2010 mit ihren Ohren auf große Fahrt. Die 100 Nachwuchsmusiker boten ihnen mit Baltic Voyage ein professionelles und abwechslungsreiches Programm, das nicht nur Liebhaber klassischer Philharmonie begeistert. Dirigent Kristjan Järvi versteht es, Grenzen zwischen sogenannter E- und U-Musik einzureißen, Klassisches und Romantisches mit Rock- und Popklängen zu einer neuen musikalischen Einheit zu formen. Die ausgewählten Musiker aus allen Ostseeanrainerstaaten (inklusive Norwegen) haben keine Schwierigkeiten, von zarten Geigenklängen zu harten Rockrhythmen zu wechseln. Sie beherrschen Brahms` Akademische Festouvertüre oder Tschaikowskys Violinkonzert ebenso wie die Estonian Dance Suite von Eduard Tubin oder die Rock Symphony des Letten Imants Kalniņš. Das Baltic Youth Orchestra ist eine Initiative des Usedomer Musikfestivals. Die Musiker im Alter von 19 bis 30 Jahren präsentieren die Werke ihrer Länder. Ihr besonderes Anliegen ist es, zeitgenössische Komponisten vorzustellen.

Baltic-Youth-Philharmonic-Konzert in der Großen Gilde in Riga, die einst Treffpunkt deutschbaltischer Kaufleute und heute Konzerthalle ist. Foto: UB  

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Lettland: Die schmerzliche Erinnerung an den 14. Juni 1941 PDF Drucken E-Mail
15.06.2010

Am 14.6. ist Trauerbeflaggung gesetzliche Pflicht.Am 14.6.2010 legte der lettische Staatspräsident Valdis Zatlers am Rigaer Freiheitsdenkmal einen Kranz nieder und sprach dann vor den Versammelten: “Am 14. Juni klopfte es unerwartet an der Haustür vieler Bürger. Sie waren ehrenhafte Bürger, welche nach einem wohl verrichteten Arbeitstag schliefen. Als sie die Tür öffneten, ertönte der Befehl einer fremden Zunge, ein paar Sachen zu packen und mitzukommen. Wohin? Das wusste niemand. Angeklopft wurde nicht nur in Riga, sondern in jeder Stadt und jeder Gemeinde Lettlands. Hier war nicht die Rede von der speziellen Elite oder den Spitzenpolitikern Lettlands, sondern angeklopft wurde an den Türen aller, die das Rückgrat des Landes bildeten. Weder alte Menschen, noch Kinder, noch Schwangere blieben verschont. Erzählen wir die Erlebnisse der Vorväter den Kindern, damit wir unsere Geschichte in Erinnerung behalten und uns unserer Wurzeln bewusst bleiben. Denn uns eint unsere Liebe zu unserem Land, zu Lettland.”

Fahne mit Trauerflor, Gedenken an den Tag der Deportation, Foto: UB

 

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