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Event-Kalender

Veranstaltung 

Titel:
Riga: Lidija Auza – Gleznieciba (Malerei)
Wann:
05.04.2019 - 19.05.2019 
Kategorie:
Ausstellungen

Beschreibung

Riga: Lidija Auza – Gleznieciba (Malerei)

Ausstellungshalle Arsenals, Großer Saal, Torna iela 1, Riga, bis 19.5.2019

Dies ist mit über 100 Bildern die erste umfassende Retrospektive der Malerin, die 1989 starb. Sie wurde 1914 im weißrussischen Witebsk geboren, 1919 zog sie mit ihren Eltern nach Lettland. Die junge Lidija wurde Schülerin des Französischen Gymnasiums in Riga, arbeitete bis 1943 als Lehrerin an einer Gewerbeschule. Gleichzeitig studierte sie mit Unterbrechungen an der Lettischen Kunstakademie, die sie bis 1949 absolvierte. Zunächst bildeten Ballettszenen die Motive ihrer Gemälde, die intimen Momente hinter der Bühne vor den Auftritten, die impressionistische Leichtigkeit des Puder- und Staubschimmers innerhalb des Operngebäudes. Die Vermischung von Impressionistischem mit sozialistischem Realismus vermochte die Aufnahmekommission der Lettischen Künstlervereinigung lange nicht zu überzeugen und Auza war selbst mit ihrem Stil unzufrieden.

Die künstlerische Wende erfolgte, als sie 1961 überraschend ihre Schwester Olga in London besuchen durfte. Die Malerin sah sich die Meisterwerke in den Museen und Galerien der britischen Hauptstadt an. Fortan verlor sie die Furcht vor der sowjetischen Zensur und entwickelte sich zur radikalen Expressionistin, die die vorhersehbare Kritik an ihren Arbeiten zu ertragen lernte. In sowjetischer Zeit blieb solcher Kunst der Weg in die Museen und Ausstellungshallen meistens verwehrt. Abstrakter Expressionismus galt als Protest gegen die ideologischen Beschränkungen. Die Bilder blieben in den Ateliers, manchmal wurden sie aber in öffentlichen Räumen gezeigt. So waren im Rathaus und in der Kunstschule von Talsi Auzas Zyklen monumentaler Bilder in Ausstellungen zu sehen, die bis heute als hervorragende Synthese aus Malerei und Architektur betrachtet werden.

Kuratorin Ilze Putnina erläutert, das Auza der rationalen Architektur durch ihren emotionalen Ausdruck zusätzlichen Wert verliehen habe. Sie sei davon überzeugt gewesen, dass man sich mit abstrahierten und dekorativen Formen über die wichtigsten Dinge verständigen könne. Auza ließ sich von Landschaften in eigentümlicher Weise inspirieren. Sie übertrug deren Formen auf andere Inhalte, um in tiefere Schichten des Bewusstseins zu gelangen, was ihren eigenen Unfrieden mit der oberflächlichen Sichtweise der sozialistisch korrekten Kunst offenbarte. Putnina: “Die Künstlerin arbeitet mit einem kraftvollen Zeichensystem, gegen die monotone sowjetische Gleichgültigkeit stellt sie ein mythologisches, in der Volkskultur verwurzeltes geistiges Obdach, die in der Natur betrachtete Landschaft transformiert sich in archetypische Bilder. Die Gestaltung von Freude, Überlegung oder Leiden in den Arbeiten Lidija Auzas erlangt eine universale Dimension. Der impulsiv expressive Stil dieser Malerei, das Können, mit prächtigen und aktiven Farben zu arbeiten, ohne das Raffinement des Kolorierens zu verlieren, der konzentrierte und lakonische Ausdruck des Gedanken ist eine Art, das sich rasch verändernde Empfinden der Welt festzuhalten.” Auzas künstlerische Freiheit erweist sich auch in der speziellen Plastizität ihrer reliefartigen Bilder. Sie mischte die Farben mit Überresten aus Plastik und Metall, Fischernetzen oder Spiegelscherben. So entstanden Arbeiten, die nach Auffassung Putninas dem Betrachter eine unbezähmbare und unvorhersehbare Dichtheit darbieten, welche ihn auf das symbolische Feld der Volksarchetypen führt, Geschichte, Erinnerung und menschliche Werte thematisierend, “welche sich gewöhnlich dramatisch im Widerspruch befinden”.