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Münster, 24.7.2019

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Event-Kalender

Veranstaltung 

Titel:
Riga: Purvisa balvas 2019
Wann:
23.03.2019 - 29.06.2019 
Kategorie:
Ausstellungen

Beschreibung

Riga: Purvisa balvas 2019 – Purvitis-Preis 2019, Ausstellung der Nominierten

Lettlands Nationales Kunstmuseum, Hauptgebäude, Großer Saal, Jana Rozentala laukums 1, Riga, 23.3. bis 29.6.2019

Zum sechsten Mal verleiht eine Expertenjury den Preis “Purvisa balvas” an lettische Nachwuchskünstler. Am 12. April wird im Kunstzentrum “Zuzeum” eine oder einer der acht Nominierten 10.000 Euro Preisgeld feierlich in Empfang nehmen. Die Werke aller Kandidaten sind davor und danach im Museum zu betrachten. In die Vorauswahl der Jury kamen Arbeiten, die in den letzten beiden Jahren bereits auf Ausstellungen zu sehen waren. Diesmal können sich Eriks Apalais, Ieva Epnere, Kristaps Epners, Gints Gabrans, Romans Korovins, Paulis Liepa, Rasa un Raitis Smiti, Textgruppe “Orbita” Hoffnungen auf den Gewinn des renommierten Preises machen. Sie wurden wegen der folgenden Arbeiten ausgewählt:

 

Eriks Apalais`Bilderreihe “Tagebücher der Erde”

Kunstkritiker Vilnis Vejs: “Aus heutiger Sicht, aus der an ein neues Ziel nicht zu denken ist und sogar die Idee des Fortschritts und die Möglichkeit einer besseren Zukunft bezweifelt wird, erscheinen Apalais` Arbeiten wie ein rituelles Ertasten eines neuen Mythos`”.

 

Ieva Epneres Ausstellung “Das Meer der Erinnerungen lebt”

Inese Baranovska, Leiterin des Rigaer Museums für dekorative Kunst und Design, ist von Epneres Talent fasziniert, sich ohne Moralisierung, aber mit Feingefühl in die kollektive Vergangenheit zu vertiefen. “Sie versteht es, die reale Erinnerung der Menschen und gesammelte Empfindungen, mit denen sie viele Künstler des ehemaligen Ostblocks auseinandersetzten, auf `ein höheres Niveau` zu heben, ohne den Atem des Zeitalters, die herbe Realität und auch nicht die persönliche Beteiligung aus den Augen zu verlieren.” Doch am meisten hat Baranovska das im Mittelpunkt stehende Video “Potom” (russisch: “später”) beeindruckt, weil es über die Brüchigkeit über das scheinbar friedliche und komfortable leben unserer Zeit nachdenken lässt.

 

Kristaps Epners` “Forget me not”-Videos

Epners erzählt in zwei Videos die Geschichte des Dichters Miervaldis Kalnins, der sich freiwillig in eine Region begab, die für Letten mit großem Schrecken verbunden ist: Sibirien. Epners zeigt ein anderes Bild: Kalnins erlebt gefällige Einsamkeit am Rande der Zivilisation. Die fremde Landschaft wird Raum vieler ungewöhnlicher Erlebnisse, die Stoff für Schriftwechsel mit Freunden und für literarische Texte bieten. Kunstwissenschaftlerin Sniedze Kale überzeugt, dass Epners mit Stereotypen über Sibirien bricht: “Hier gibt es keine traumatisierten Erzählungen über ruinierte Lebensläufe und grauenhafte Lebensbedingungen.”

 

Gints Gabrans` SAN-Projekt

Kunsthistorikerin Inese Rinke schätzt Gabrans` Interesse an den Wechselbeziehungen zwischen Kunst, Wissenschaft und Technik: “Die reizvolle Stärke der Projekte: Perfekte Visualisierungen mit fantastischen 3-D-Objekten, Skulpturen und schwebenden architektonischen Strukturen. Der Künstler vergisst auch nicht, ironisch auf die zugänglichen Finanzmittel der realen Welt hinzuweisen, die die Träume begrenzen.”

 

Romans Korovins` Personalausstellung “Meister Vus und Meister Lis Erleuchtung”

Baranovska fasziniert Korovins` Art, ironisch leicht und spielerisch den Weg der Meister zur Erleuchtung zu erzählen, in dem sich tiefe Wahrheiten verbergen: “Über das Zusammentreffen und Auseinandergehen zwischen westlicher und östlicher Kultur, über den uralten Drang des Menschen, der prosaisch-alltäglichen Routine zum Trotz Transzendenz und Spiritualität anzustreben, über die Möglichkeit und Unmöglichkeit der Meditation usw.”

 

Paulis Liepas Ausstellung “Das Kabinett der schönen Künste”

Vejs gefällt es, wie Liepa mit Mitteln der Grafik aktuelle Themen angeht. Der Kunstkritiker beobachtet beim Künstler eine Entfremdung, eine registrierende Manier, die ihm einerseits ermöglicht, mit einem eigens erworbenen Arsenal visueller Zeichen zu agieren, andererseits die tagtägliche Hilflosigkeit gegenüber den Naturkatastrophen auszudrücken, die durch die Medien vermittelt näher als jemals zuvor erscheinen, wogegen sich die Möglichkeiten, Entscheidungsträger zu beeinflussen, in die Ferne rücken.”

 

Rasa Smites und Raitis Smits` Ausstellung “Schwankungen in Mikrowelten”

Auch an diesem Paar lobt Rinke die künstlerischen Mittel, die Wissenschaft und Technik einbeziehen. Die Smits erforschten die Tirelsümpfe als Energiespeicher. Die akustische und visuelle Darstellung deren verborgener Energien gestalte eine bewegende Erzählung über das Unbekannte.

 

Textgruppe “Orbit”, Ausstellung: “Woraus entsteht Poesie?”

Vejs findet alles geschmack- und stilvoll in dieser Ausstellung, so wie man es traditionell von Künstlern erwartet, doch das sachkundige Spiel und die Verwendung vergangener Motive erzeugt eine gewisse Lüsternheit und Befriedigung, meint Vejs, zumindest innerhalb der Generation, der der Kunstkritiker angehört: “Der größte Verdient kommt ohne Zweifel der Färbung zu: dem wohl bekannten Trübsinn, der sich mit männlicher Verträumtheit mischt.” Zu Gruppe “Orbit” zählen Arturs Punte, Vladimirs Svetlovs, Sergejs Timofejevs un Aleksandrs Zapols.


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