logo
Münster, 18.12.2017

Druckbutton anzeigen?

Event-Kalender

Veranstaltung 

Titel:
Riga: 1234 Nachrichten - Kunstausstellung
Wann:
09.12.2017 - 04.02.2018 
Kategorie:
Ausstellungen

Beschreibung

«Tev ir pienakusas 1234 zinas» Dzive pirms interneta. Pedeja paaudze - «Du hast 1234 Nachrichten» Das Leben vor dem Internet. Die letzte Generation.

Hauptgebäude des Lettischen Nationalen Kunstmuseums, Großer Ausstellungssaal, Jana Rozentala laukums 1, Riga, vom 9.12. bis 4.2.2018, Eröffnung: 8.12.17, 12 bis 20 Uhr

Es gab eine Zeit, als Übersetzer sich noch mit Worten wie “öffentlicher Münzfernsprecher” abmühen mussten. Damals hatte sich der Mensch noch zu Fuß zur fernmündlichen Kommunikation hinzubequemen. Er war noch nicht rund um die Uhr überall erreichbar und verfügbar. Besuche und Termine wurden frühzeitig und Aug in Auge abgesprochen. Auf sogenannten Telefonzellen – das Gefängnisartige dieses Begriffs war kaum zufällig – stand der frauenfeindliche Imperativ: “Fasse Dich kurz” (Das war der LP-Beitrag zur Meeto-Debatte). Statt Selfies hin- und herzuwischen, gab es unendlich lange Dia-Abende mit Projektionen mallorcinischer Palmen und Tiroler Gletschern im Hintergrund, vor denen sich bestrumpfte Sandalentouristen in Hawaiihemd und Badehose bzw. krachlederne Wanderer mit stocknägelübersäten Gehhilfen inszenierten. Das lettische Nationalmuseum und das Lettische Zentrum für Zeitgenössische Kunst (LCCA) widmen dieser analogen Zeit eine internationale Ausstellung. Neben Kaspars Vanags und Zane Zajanckauska gehört die Niederländerin Diana Franssen zum Kuratorium. Sie ließen etwa ein Dutzend Künstler bzw. Künstlergruppen die analogen Hinterlassenschaften jener Zeit, die kaum ein Vierteljahrhundert zurückliegt, durchforsten und zur künstlerischen Inspiration nutzen. So lassen sich Polaroidfotos, Tonbandcassetten, Schallplatten, Antennenkonstruktionen für den analogen TV-Empfang, einst hoch geschätzte, dann wieder verworfene Techniken, in digitaler Zeit neu entdecken. Die Kuratoren schätzen den künstlerischen Reiz des analogen Zeitalters wie folgt ein: “Die letzten Jahrzehnte vor der digitalen Revolution haben eine nach Vielfalt und Umfang bis dahin unerreichtes kulturelles Erbe hinterlassen. Es kündet von Stereotypen und Geschmackklischees, von selbstbestimmten Sehnsüchten und Abweichungen vom Noramtiven. Neben bewusst entwickelten Sonderbarkeiten und Einzelgängern finden sich hier horizontal ausbreitende Sozialisationsformen und autonome Gruppenexperimente mit alltäglicher Ordnung. Gerade die Wechselwirkung zwischen Öffentlichem und Privatem erweist die Aktualität der Zeugnisse der Vergangenheit im Zeitalter digitaler Realität.” Folgende Künstler beteilgen sich: Artpool, Irma Blank, On Kawara, William Kentridge, Ruth Wolf-Rehfeldt, Martha Rosler, Jirí Valoch, Franz Erhard Walther, Andrejs Strokins, Viktorija Eksta und Ingrida Picukane.


(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||