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Das Quecksilber hat sich ins Thermometer-Kügelchen verkrochen. Wer jetzt seine Ohren nicht schützt, hat bald keine mehr. Der lettische Winter bleibt abwechslungsreich. Glich er zum Jahreswechsel noch einem verregneten und stürmischen Herbst, verwandelt er nun das zarte Ostseeklima in sibirische Kälte, deren Ende noch nicht absehbar ist. Diese gibt sich sonnig schön, macht aber bei Temperaturen bis minus 20 Grad und mehr, wie sie im ostlettischen Lettgallen mancherorts zu messen sind, den Spaziergang ohne Mütze, Schal, zweiten dicken Pullover unter dem Mantel, Handschuhe, lange Unterhose und gleichsam dicke Socken in festen Schuhen zum riskanten Unterfangen. Bereits diese Anziehprozedur verleidet den Gang ins Freie. Zehn Minuten reichen, um sich ungeschützt Gliedmaßen abzufrieren. Die Medien geben Tipps, wie man sich vor Erfrierungen schützt. Besonders Obdachlose sind betroffen.
Schnee bedeckt nun allenthalben Lettland, Foto: LP
Hochdruckgebiet Cooper kommt aus Sibirien
Lettland trifft die Kälte nicht ganz so hart wie Finnland, wo stellenweise schon minus 35 Grad gemessen werden. Cooper, so nennen die Metereologen den Antizyklon, der aus der Kälte kam und nun Europa im Griff hält. Nicht nur Lettlands Osten klirrt vor Kälte. Auch in der lettischen Hauptstadt bereitet das Shoppen und Flanieren selbst den eifrigsten Konsumenten bei Temperaturen von etwa minus 15 Grad keine Freude mehr. Glücklicherweise fällt gerade kein Schnee, so dass die Hauswärterinnen und städtischen Bediensteten Straßen und Wege nicht freiräumen müssen. In der Eiseskälte steigt kurioserweise die Brandgefahr, weil dann manche Bewohner mit elektrisch unsicheren Heizgeräten ihre Gebäude abfackeln. Brisant ist die Lage für die Obdachlosen.

Morgenrot über Riga im Winter ist schön, aber auch schön kalt, Foto: LP
Rigas Sozialdienste kümmern sich um Obdachlose
Die lettischen Medien berichten, dass die Eiseskälte bereits 40 Menschenleben in Osteuropa forderte. Drei starben im Nachbarland Litauen. Lettische Sozialarbeiter sorgen sich um die Obdachlosen: Nra.lv meldet, dass die sieben Obdachlosenasyle Rigas Tag und Nacht geöffnet seien. Man habe die Zahl der Schlafplätze auf 897 erhöht, 838 davon seien am Wochenende genutzt worden. Rigas städtischer Leiter des Sozialausschusses, Leonīds Kurdjumovs, betonte gegenüber der Zeitung, dass die Kommune allen einen Schlafplatz bietet, die ihn benötigen. Noch gebe es freie Plätze in den Obdachlosenheimen. Zweimal am Tag erhielten die Bedürftigen dort eine kostenlose Mahlzeit, dort könnten sie warm duschen und Kleidung wechseln. Und er appellierte: „Seien wir nicht gleichgültig, gehen wir nicht an jene vorüber, die diese Hilfe benötigen.“ Nra.lv fordert ihre Leser auf, in solchen Fällen die Rufnummer der städtischen Polizei (02) oder in besonderen Notfällen die Nummer 112 zu wählen. Trotz aller Probleme dürfte Cooper manches Schülerherz erwärmen: Fällt das Thermometer unter 20 Grad, haben Kinder, die nicht älter als zwölf Jahre sind, schulfrei. Ältere Schulbesucher werden auf minus 25 Grad spekulieren: Denn dann dürfen auch sie zuhause bleiben. Sie dürfen hoffen, denn es soll noch kälter werden.
Zusatz:
Am 1.2.12 informierte das Institut für Rechtsmedizin darüber, dass im Januar in der Region Riga zehn Menschen erfroren sind. Für ganz Lettland lag noch keine Zahl vor.
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Riga im Schnee
Externe Linkhinweise:
tvnet.lv: Daudzviet valsts austrumu un centrālajā daļā ir aukstāks par -20 grādiem
delfi.lv: Salā Austrumeiropā dzīvību zaudējuši 40 cilvēki
nra.lv: Rīgas naktspatversmēs palielina vietu skaitu; tajās uzturās teju 1000 cilvēku
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