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Kuldiga (deutschbaltisch: Goldingen) frohlockt in der Ostersonne. Diese malerische historische Kleinstadt im Zentrum Kurzemes (Kurland) ist ein passender Ort, um die höchsten christlichen Feiertage in angemessenem Rahmen zu begehen: Ruhig, idyllisch und friedlich, dennoch nicht verschlafen und langweilig. Zahlreiche Cafés, Restaurants und Hotels locken den Reisenden. Dieser kann durch die historische Altstadt mit ihren gut erhaltenen Holzhäusern schlendern. Regisseur Werner Herzog, der typische Fassaden einer Stadt vor dem Weltkrieg benötigte, nutzte Kuldiga als Kulisse für seinen Film Invincible. Der historisch Interessierte wird in Kuldiga auf den Spuren des Herzogs Jakob Kettler wandeln.
Osterdekoration auf der Hauptstraße in Kuldiga, Foto: LP
Protestanten, Katholiken, Orthodoxe und Juden
Jakob war einer der ersten protestantischen Herrscher des Herzogtums Kurland. Er wurde 1610 in Kuldiga geboren, 1642 Herzog. Als Protestant unterstand er dem katholischen polnischen König. Das sicherte diesem westlettischen Gebiet eine gewisse religiöse Vielfalt: Die kleine Stadt bietet Protestanten, Katholiken und Orthodoxen gleichermaßen würdige Gotteshäuser. Bevor die Nazis Lettland besetzten und ihre Mordaktionen initiierten, war Kuldiga von jüdischem Leben geprägt. Die Synagoge kündet noch davon. Sie wird gerade in Absprache mit der Rigaer Jüdischen Gemeinde als Bibliothek renoviert. Im August soll die Einweihung stattfinden.

Holzskulptur mit dem Antlitz des Herzogs, dahinter sein Stiefel, Foto: LP
Die Jakobsstadt
Die Goldinger (das schreibt sich im Deutschen besser als `Kuldigaer`) verehren ihren alten Herzog und feierten im letzten Jahr seinen 400. Geburtstag. Holzschnitzer zeigen ihn als Skulptur mit typischen Relikten, besonders seinen Stiefeln. Die Letten mochten den Herzog deutscher Herkunft, der ihre Sprache verstand und sich um das Gemeinwesen kümmerte. Er gründete das erste Hospital und eine Bleibe für die `Irren`. Er ließ niederländische Fachkräfte ins Land, die bei der Errichtung einer Schiffswerft halfen. Die Kurländer konnten bald Gläser, Tücher und Seifen produzieren und mit eigener Handelsflotte über die neuen Häfen in Liepaja und Ventspils exportieren. Unter Jakobs Herrschaft entwickelte sich Kurland für kurze Zeit sogar zu einem Mini-Imperium: Siedler eroberten die südamerikanische Insel Tobago und gründeten dort Neukurland. Auch auf einer Insel im afrikanischen Fluss Gambia bauten Kurländer ein Fort. Doch Schweden, Holländer und Briten duldeten die kurländische Konkurrenz nur wenige Jahre. Auch Jakobs Vorhaben, Kuldigas berühmtes Naturphänomen, der nicht gerade höchste, aber doch breiteste Wasserfall Europas, die Ventas Rumba, mit einem Kanal zu umschiffen, scheiterte: Flussauf- und -abwärts mussten Boote in Kuldiga weiterhin umgeladen werden. Die Versuche, einen Kanal anzulegen, sind noch sichtbar.

Die Ventas Rumba in Kuldiga, Foto: LP
...als hätt der Himmel die Erde still geküsst
Dieses Eichendorff-Zeile ist manchem Romantik-Feind zu schwülstig. Doch anders ist die Abendstimmung an der Venta, die Kuldiga in weitem Bogen umfließt, nicht zu beschreiben. Wer Glück hat, erlebt, wie sich das Abendrot in ihren Wellen spiegelt. Der Wald auf dem jenseitigen Ufer zeigt dann nur noch dunkle Umrisse, doch diesseits erhellen die ersten Lichter die Kleinstadt. Da lässt sich trefflich durch die Gassen wandeln - zu Ostern und zu jeder anderen Jahreszeit.
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