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Die Roten Schützen schauen reichlich skeptisch auf den Touristenbus. Ob sie angemessen erwähnt werden? Jetzt ist nicht die Zeit für finstere Gesichter. Die Sonne erleuchtet das Geäst, bald werden sich auch in Lettland die Knospen regen. Noch zeigt sich die Landschaft kahl und wenig glanzvoll. Der Lette nutzt die Zeit, um braunes Laub und morsches Gehölz in den Gärten zu verfeuern. Zwischen der laubgesägten Biene Maja und dem lustigen Windrad steigen Rauchschwaden empor. Die Landschaft wird geputzt, bald wird in ihr neues Grün leuchten.
Denkmal der Roten Schützen vor dem Okkupationsmuseum, Foto: LP
Eher heiter als bewölkt
Die Passanten wirken zahlreicher und lebendiger im Sonnenschein. Ob sie tatsächlich vom Aufschwung profitieren, den die Regierung verkündet? Oder ist es eher ein `dennoch`, das die Sorgen wie die letzten Schneereste dahinschmelzen lässt? Selbst trübe Fabrikruinen präsentieren sich unter weißblauem Himmel wie ein Kunstwerk. Und auch das bräunliche Gebüsch an den Ufern versucht, einen guten Eindruck zu machen. Der Fernsehturm steht da wie eine Sojus-Rakete – doch erst nach der dritten Flasche Wodka wird sie abheben.

Am Ufer der Daugava in Riga, Foto: LP
Herumzimmern am Tempel
Noch zeigen knorrige Bäume ihre anmutigen Gerippe und die Kirche von Agenskalns wird noch nicht durch frisches Grün verdeckt. Die Eisenbahntrasse gewährt einen fernen Blick auf den neuen Büchertempel. Die Arbeiter werkeln noch an seinem wellenförmigen Umriss. Auf der anderen Seite, am Ufer der Daugava, macht die zukünftige Bibliothek bereits einen putzigen Eindruck. Der Park wirkt noch blattlos kahl, aber das Federvieh sorgt schon für Belebung. Auf der Steinbrücke, die die Altstadt mit dem Stadtteil Pardaugava verbindet, gewahrt man so manches: Dom, Markthallen, den spitzen Glaspalast einer Bank und den Trubel am Okkupationsmuseum, das wie ein Busbahnhof erscheint.

Die neue Nationalbibliothek, sie soll eröffnet werden, wenn Riga Kulturhauptstadt wird, Foto: LP
Bunte Geschäfte
Zuweilen ist der Mensch der Natur voraus. Seine Kreationen frohlocken bereits recht farbenfroh: Bunte Buden laden zu vorösterlichen Geschäften unter der Turmuhr des Doms. Unweit der großen Gilde genehmigen sich Touristen schon das Bierchen im Freien. Unweit davon wiederum bieten Fahrrad-Rikscha-Fahrer ihre Dienste an. Was man gestern noch für Knechtdienst hungriger Inder hielt, erweist sich heutzutage als moderne ökologische Dienstleistung.

Vorösterliche Geschäfte in Riga, Foto: LP
Strenge Mienen heitern auf
Die Roten Schützen mag der Frühjahrstrubel nicht recht überzeugen. Doch andere strenge Denkmäler gewähren lustige Perspektiven: Vom lettischen Nationaldenkmal lächeln die mythologischen Gestalten herab. Und zwischen den steinernen Helden des sowjetischen Siegesdenkmals, die so martialisch finster blicken, tummeln sich kleine Menschen und machen das Pathos wieder humaner.
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