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Münster, 25.6.2018
Rigas Vansu-Brücke im maroden Zustand PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 10. März 2018 um 00:00 Uhr

Gesperrter Aufstieg zur Vansu-BrückeBetonteile fielen vom Treppen-Aufgang

Eine der drei vielbefahrenen und -begangenen Straßenbrücken Rigas, die Vansu-Brücke, ist derart marode, dass ihre Fußgängertreppen auf der Promenade des östlichen Daugava-Ufers seit dem 5. März 2018 gesperrt sind. An diesem Tag fielen Stahlbetonteile vom Geländer herab, zum Glück befanden sich keine Passanten in der Nähe. Das 612 Meter lange Bauwerk wurde im Juli 1981 als „Gorki-Brücke“ eingeweiht. Damals galt sie als Errungenschaft moderner Ingenieurskunst: Sie blieb bis heute die weltweit längste Schrägseilbrücke, die mit einem einzigen markanten Pfeiler von 109 Metern Höhe auskommt. Ihre Architektur verleiht Rigas Silhouette den Reiz einer modernen Metropole.

Der gesperrte Fußgänger-Aufstieg zur Vansu-Brücke, Foto: LP

 

Verschobene Grundsanierung

Leider hat die Brücke, aus der Nähe betrachtet, viel von ihrem Reiz verloren. Zum Beispiel sind die Schrägseile auf der Fahrbahnmitte mit Stacheldraht gesichert: Suizidwillige erklommen die Drahtseile in ihrem kühnen Todesmut, um auf die Spitze des Pfeilers zu gelangen. Fußgänger, die das Gemisch aus bröckligem Beton und rostigem Stahl betreten, fragen sich vielleicht manchmal, ob sie das andere Ufer sicher erreichen werden. Doch städtische Vertreter beruhigen, insgesamt sei der Stahlbetonbau stabil, doch sie verlautbaren auch, dass sie den Betonsturz nicht vorhersehen konnten. Seit ihrer Eröffnung ist die ehemalige Gorki-Brücke, die nun einfach Vansu-Brücke, also Seilbrücke heißt, nie grundsaniert worden. Eine solche war für 2017 geplant, wurde aber wegen der Kosten verschoben. Über die genaueren Umstände des Aufschubs sprach Diena-Redakteur Atis Rozentals in der Ausgabe vom 9. März 2018 mit Una Ahuna-Ozola, der Vertreterin des Rigaer Verkehrsdezernats.

Vansu-Brücke

Die Vansu-Brücke als Blickfang des städtischen Panoramas, Foto: LP

Auch von der Salu-Brücke fiel ein Betonteil herab

Ein Grund für die Verzögerung war der Zustand der parallelen, ebenfalls viel genutzten Salu-Brücke, von der bereits 2012 ein Betonteil herabgefallen war. Sie wurde vorgezogen und in der Zeit von 2014 bis 2015 erneuert. Zu Beginn des folgenden Jahres schrieb das Baudezernat dann die Sanierung der Vansu-Brücke aus, doch die Stadt brach das Verfahren ab, weil sie die Kosten nicht zu finanzieren wusste. Deshalb sei es notwendig gewesen, den Arbeitsauftrag zu „korrigieren“, also zu verringern und die Auffahrten von den Renovierungsarbeiten auszuschließen.

Vansu-Brücke und Citadele-Bank

Öffentliche Armut und privater Reichtum: Ausblick von der Vansu-Brücke auf die lettische Swedbank-Zentrale, Foto: LP

Kein EU-Geld

In einem LTV-Interview hat Bürgermeister Nils Usakovs die Kosten für die Sanierung der Vansu-Brücke auf 10 Millionen Euro beziffert, für die es, im Gegensatz zur Salu-Brücke, kein EU-Geld gebe. Das ist ein stattlicher Betrag für die verschuldete Stadt. Doch Rozentals fand im Archiv Usakovs` Aussage vor drei Jahren: Damals schätzte er die Sanierungskosten auf 14 Millionen Euro, davon sollten 12 Millionen aus dem EU-Strukturfonds kommen. Derzeit überprüfen Experten den baulichen Zustand. Usakovs prognostiziert den Beginn der Sanierungsarbeiten für den Herbst. Fußgänger dürfen bis dahin die trägen Aufzüge benutzen, die eigentlich für Gehbehinderte gedacht sind und in denen man kein Fahrrad mitnehmen darf. Während Ahuna-Ozola auf die Temperaturschwankungen der letzten Tage hinwies, die den Treppen zugesetzt hätten, hält Kaspars Zandbergs, Leiter des Vereins „Eine Stadt für Menschen“ solche Erklärungen für „vollkommen absurd“. „Der Grund ist meiner Ansicht nach offensichtlich der, dass sie die Brücke nicht warten. Die Brückeninstandhaltung, mit denen sie täglich beschäftigt sind, ist Salzstreuen auf Gehsteige und Fahrbahnen, was gewiss seinen Teil zum Zerstörungsprozess beiträgt.“ (lsm.lv).

 

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