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Münster, 24.6.2018
Mit 810 noch eine fesche Braut: Riga feiert Geburtstag PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 06. August 2011 um 00:00 Uhr

Rigas WappenDas, was man beim Menschen am Gesicht misst, macht bei Städten die Altstadt aus. Und Städte haben ihren Erbauern dabei so manches voraus: Sie werden nicht nur wesentlich älter, sondern, von architektonischen Kosmetikern betreut, im hohen Alter noch immer schöner und attraktiver. Die Metropole Riga, die der lettische Schriftsteller Andris Kolbergs in seiner Stadtgeschichte als “alte Dame” beschreibt, wird mit 810 Jahren in ihrem Gesicht, also in ihrem historischen Zentrum, eine zunehmend feschere Hanse-Braut, die das Urteil ihrer touristischen Verehrer nicht scheuen muss. (Die hässliche Orangenhaut um die Hüften und die Krampfadern, diese Problemzonen, die bei Städten Plattenbauviertel und Ausfallstraßen heißen, ignoriert der Riga-Liebhaber). Und die größte Metropole der baltischen Länder reizt nicht nur mit frisch restaurierter Altstadt, sondern ebenso mit einem üppigen Dekolleté, also einer recht prächtigen Neustadt, die aus Jugendstilzeiten stammt. Dazwischen mag der Verehrer an der Halskette, also in den Parks am Stadtkanal schmachten, wo eine Barkasse ihre Bootsgäste durch die Brücken gondelt. Die Riga-Biographen berichten, dass sie vor 810 Jahren das Licht der Welt erblickte und der Bremer Domherr Albert von Buxthoeven ihr Vater ist. Er und seine Pilger konnten schreiben und daher der Nachwelt vieles verkünden. Aber 1201, als Albert hier seinen Bischofssitz errichtete, siedelten längst baltische Stämme an diesem Naturhafen der Daugava. Doch es ziemt sich nicht, eine Dame älter zu machen und daher feiern die Letten ihre Hauptstadt gemäß des deutschbaltisch verzeichneten Geburtsdatums. Vom 19. bis 21. August 2011 können auch Gäste aus dem Ausland mitfeiern und lettische Lebensart auf den Straßen und in den Parks, in Konzertsälen und Museen kennen lernen.

Rigas Stadtwappen - die Stadtväter vermissen die Schlüssel, Graphik: Wikimedia Commons

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 07. August 2011 um 12:33 Uhr
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Haus Annaberg in Bonn: Vom Lustschloss zur baltischen Begegnungsstätte PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Sonntag, den 23. Januar 2011 um 16:16 Uhr

Von der S-Bahnstation pilgere ich durch Friesdorf die Annaberger Straße entlang, gen Westen, dann immer gerade aus. Friesdorf ist ein stiller Bonner Vorort, genauer Zwischenort, zwischen dem Bonner Zentrum und Bad Godesberg, am Fuße des Kottenforsts, dem bewaldeten Naturschutzgebiet, das Adenauers ehemaligen Regierungssitz zur Eifel abgrenzt. Ich schaue auf die Hausnummern und ahne, dass es bis zur Nummer 400 noch ein Weilchen hin ist. Zuletzt steigt die Straße an, schlängelt sich an einem Bach vorbei. Schon beschaue ich die kleinen Wohnhäuser des Viertels von oben. Ob hier im Wald noch eine Hausnummer kommt? Schließlich schimmern Wände und Fenster durch das Geäst – noch zwei Kurven und ich befinde mich auf einer Lichtung. Das Gemäuer darauf könnte auch in Davos stehen: Es ist ein Schlösschen im historistischen Stil, das an den Zauberberg erinnert. Hans Castorp, die Figur aus diesem Thomas-Mann-Roman, konnte bekanntlich gar nicht mehr von dieser Stätte lassen. Der Annaberg ist eine ähnlich abgeschiedene multikulturelle Welt, macht aber – im Unterschied zur Romanvorlage – nicht lungenkrank. Andrejs Urdze empfängt mich. Er verwaltet die Institution Annaberg, die Tagungshaus, Herberge und Studentenwohnheim nicht nur für Balten ist. Urdze lädt mich in sein Wohnzimmer im unauffälligen Privathaus hinter dem historistischen Gemäuer. Über die wechselvolle Geschichte dieser bönnsch-baltischen Anhöhe weiß er so manches zu erzählen.

Auch im Winter lockt das Haus Annaberg mit feudalem Zauber, Foto: www.annaberg.de

 

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Vater und Hamburger Ärzte retteten lettisches Mädchen PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Begegnungen - Begegnungen
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Universitätsklinik in Hamburg-EppendorfAls am 11. September die fünfjährige Airita auf den Operationstisch kam, kämpften die Ärzte der Hamburger Universitätsklinik um ihr Leben: Ihre Leber war zerstört, ihr musste das Stück einer fremden implantiert werden. Die lettischen Kollegen hatten sich schon seit mehreren Tagen um sie bemüht. Zunächst brachten sie Rettungssanitäter aus der nordlettischen Gemeinde Smiltene ins nächste Krankenhaus nach Valmiera. Die Ärzte erkannten ihren bedrohlichen Zustand und beschlossen, sie zu den Spezialisten der Rigaer Kinderklinik zu überführen. Diese stellten wiederum fest, dass der Kleinen nur noch mit einer baldigen Transplantation zu helfen ist. Die Eltern erklärten sich sofort bereit, einen Teil der eigenen Leber zu spenden. Das Organ des Vaters erwies sich als geeigneter. Doch in Lettland ist keine Klinik darauf spezialisiert, an Kindern eine solche Operation durchzuführen. Deshalb wurden die drei nach Hamburg-Eppendorf gebracht. Unverzüglich erfolgten die beiden Operationen. Nach Tagen und Wochen des Bangens stabilisierte sich der Zustand Airitas zusehends. Am 22. November konnte sie nach Riga zurückkehren. Die Ärzte machen ihr Hoffnung, bald wieder nach Hause zu kommen. Natürlich müsse das Kind unter strenger ärztlicher Aufsicht bleiben. Klinik-Direktor Andis Lacis bedankte sich bei allen beteiligten Kollegen für die hervorragende Zusammenarbeit. Die bedrohliche Leberschädigung war die Folge eines verhängnisvollen Versehens gewesen.
Die Hamburger Ärzte konnten Airitas Leben retten, Foto: "Ctsu" auf Wikimedia Commons
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