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Am 19.12.2011 lud der `Schlossherr` Imants Lancmanis in den Weißen Saal seines barocken Anwesens. Dieser Raum ist mit seinen zahlreichen Stuckmotiven und feudalen Kronleuchtern so etwas wie die gute Stube Lettlands. Hier feiern auch die Staatspräsidenten des Landes und gut Betuchte können sich im feudalen Gemäuer das Ja-Wort geben. Diesmal öffnete Lancmanis das Löwentor des Schlosses für eine besondere Gästeschar. Etwa 200 Besucher kamen zur bereits dunklen Stunde des späten Nachmittags, um vorweihnachtlich den Abschluss der Wohltätigkeitswoche Dāvā no sirds! (Schenke vom Herzen!) zu feiern. Die Einwohner des Bezirks Rundale (deutschbaltisch: Ruhental) spendeten Kleider, Nützliches für den Haushalt und Spielzeug. Geld wurde für eine kleine, tapfere Dame gesammelt. Schließlich schaute sich auch der Nikolaus mit einem außergewöhnlich freundlichen Begleiter das muntere Treiben an.
Unter dem Weihnachtsbaum im Weißen Saal versammelten sich die Rundaler zur vorweihnachtlichen Abschlussfeier, Foto: LP
Hoffnung durch Kulturarbeit
Etwas mehr als 4000 Einwohner zählt der Bezirk Rundale, 15 Kilometer von der Bierstadt Bauska und von der litauischen Grenze entfernt. Sie leben in mehrstöckigen und gleichförmigen Wohnsiedlungen aus der Sowjetzeit, einer sonderbar städtischen Architektur inmitten von Feldern und Wäldern. Kulturelles und touristisches Zentrum bildet die Schlossanlage aus dem 18. Jahrhundert, die sich wiederum einige hundert Meter von den Siedlungen entfernt befindet. Die Rundaler kämpfen mit sämtlichen Problemen einer lettischen Landgemeinde. Arbeit ist nur selten in Bauska, eher im 80 Kilometer entfernten Riga zu finden. Die Jugendlichen denken über ein Leben im Ausland nach. Aber Rundale hat wackere Sozialarbeiterinnen und Kulturschaffende, die nicht zulassen, dass ihr Ort als aussterbende Schlafburg endet. Kristīne Brūvele, Leiterin des örtlichen Sozialdienstes, organisierte im dritten Jahr Dāvā no sirds! und berichtet von steigender Teilnahme und zunehmender Spendenbereitschaft. Ihre Kollegin Lilita Lauskiniece kümmert sich um die Kulturarbeit im Bezirk. Sie betreut Theater- und Ballettgruppen, plant Veranstaltungen, in denen die Rundaler selbst auf der Bühne stehen, spielen, tanzen und singen. Viele Jugendliche wagten auf Rundales kleinen Bühnen erstmals, ihre Talente der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Senioren entdecken in eigenen Theatergruppen den Spaß am Schauspiel.

Auch die ganz Kleinen unterhielten das Publikum, Foto: LP
Solidarität in unwirtlicher Zeit
Die Rundaler zeigen sich als eine große solidarische Runde, in der Jung und Alt, Kranke, Behinderte und Gesunde gemeinsam feiern und sich in schwieriger Zeit helfen. Imants Lancmanis beeindruckte die Hilfsbereitschaft seiner Mitbürger und hielt eine kleine Ansprache: „Diese Zeit ist sehr hart für die Gesellschaft, denn jeder Tag erfordert ein Ringen, um über die Runden zu kommen. Du kannst ein riesiges Haus haben, deine schönsten Dinge vergraben, Völlerei betreiben und dennoch unglücklich sein. Der äußere Wohlstand ist nicht das Wichtigste. Deshalb bin ich tief bewegt über diese Veranstaltung und der Ansicht, dass ins Schloss heute Abend sehr auserkorene Menschen gekommen sind. Zunächst jene, die besonders hilfsbedürftig, zugleich aber stark und schön sind, und jene, welche imstande sind, unausgesprochene Bitten zu vernehmen und diesen zu entsprechen.“ Lauskiniece führte durch das Programm. Die Zuschauer sahen am Baltais vakars (der weiße Abend) die Aufführungen von Kindern und Jugendlichen. Blinde und Sehende sangen gemeinsam, Behinderte und Nichtbehinderte tanzten gemeinsam. Der tapfersten Dame des Abends, der sechsjährigen Justīne, konnte eine Spende von 392 Lats für ihre medizinische Versorgung überreicht werden. Justīne leidet an der Glasknochenkrankheit. Sie braucht das Geld für Medikamente und Betreuung im Rehabilitationszentrum.

Der Nikolaus grüßte auch den Gastgeber, Imants Lancmanis. Der rosarate Glücksdrache lacht dazu. Lancmanis ist sozusagen der gute Geist des Hauses, der in jahrzehntelanger Arbeit die Ruine Rundale restaurierte. Heute ist das Schloss kultureller Mittelpunkt und eine Sehenswürdigkeit auch für viele ausländische Besucher, Foto: LP
Nikolaus ohne Rute und Sündenregister
Schließlich fand sich der Nikolaus ein. Diesmal ließ er seinen garstigen Gesellen Ruprecht draußen auf dem Schlitten, der im Tauwetter steckengeblieben war. Statt seiner begrüßte ein freundlich lächelnder Glücksdrache die Kinder. Gemeinsam mit diesen beiden himmlischen Boten möchte die Lettische Presseschau sich bei den Lesern für das Interesse bedanken und Ihnen ein frohes Fest wünschen.
Externe Linkhinweise:
bauskasdzive.lv: Labdarībā iesaistās arvien vairāk rundāliešu
rundale.net
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