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Münster, 22.9.2017
Lettlands „Talka“ auch in Deutschland PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 20. April 2017 um 08:14 Uhr

Haus Berzaine bei Freiburg wird gesäubert

SubbotnikAm 22.4.2017 werden wieder Tausende Lettinnen und Letten in die Wälder und Parks ihres Landes ausströmen, um ehrenamtlich den verstreuten Unrat einzusammeln (talkas.lv). Ganze Schulklassen machen mit. Mitgebrachter Proviant und die bekannte lettische Sangeskunst machen das Einsammeln zum Gemeinschaftserlebnis. Im letzten Jahr nahmen 175.000 Menschen teil, die 1620 Orte vom Müll befreiten (lv.wikipedia.org). Diese Aktion, die die Letten „Talka“ nennen, war in der Sowjetunion als „Subbotnik“ bekannt. Am ersten freiwilligen Arbeitssamstag legte sich 1920 Lenin höchstpersönlich ins Zeug. Danach gab es in jedem Frühjahr einen Subbotnik. Die Schriftstellerin Anna Žīgure erinnerte sich 2008 an diese Tradition, anlässlich des 90. Jahrestages der lettischen Republik. Der damalige Staatspräsident Valdis Zatlers übernahm die Schirmherrschaft. Nun findet der freiwillige Arbeitssamstag wieder alljährlich statt. In diesem Jahr fordert der Verband der Letten Europas (Eiropas Latviešu apvienības, ELA) die migrierten Mitbürger auf, sich am Talka in ihrer Region zu beteiligen (latviesi.com). In Deutschland findet am Samstag ein solcher im süddeutschen Freiburg statt.

Der Subbotnik in sowjetischer Zeit, Foto: BEKET23 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

 

Einsammeln in idyllischer Umgebung

Es wäre vielleicht ein zweifelhaftes Zeichen, wenn Lettinnen und Letten sich anschickten, den deutschen Tann vom Unrat zu säubern. Die Botschaft wäre: Sehr her, ihr Deutschen, ihr seid so schlampig, dass wir aufräumen müssen. Im Ausland beschränken sich die Letten auf die eigenen Stätten. Am Samstag ist das lettische Haus Berzaine das Ziel der ehrenamtlichen Müllentsorger. Die idyllische Villa an den Abhängen des Schwarzwaldes ist das Heim des lettischen Fürsorgevereins Daugavas Vanagi. Die hauseigene Webseite verspricht einen wunderbaren Blick auf die Stadt Freiburg (lettischeshaus.de). Seit mehr als 60 Jahren ist das Gebäude unterhalb der Burgruine Zähringen im lettischen Besitz. Ursprünglich war es als Heim für lettische Kriegsinvalide gedacht. Heutzutage ist es ein Gästehaus mit Übernachtungsmöglichkeit und einem fünf Hektar großen Areal für lettische Volksfeste. ELA ruft alle Lettinnen und Letten im Ausland auf, bei den Talkas in ihrer Region mitzumachen. Damit soll „eine grüne Botschaft“ vermittelt werden: Alle gemeinsam sollen Europa so gestalten, dass man mit Stolz in der Völkergemeinschaft leben kann.

 

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