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Münster, 23.7.2014
Dokumentarfilm zum Rigaer Getto: Neue Crowdfunding-Kampagne gestartet (PR-Text) PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Administrator   
Samstag, den 19. Juli 2014 um 00:00 Uhr

Schwarz-Weiß-Bild von einem abgesperrten Teil des Rigaer GhettosJürgen Hobrecht, Autor und Regisseur des Dokumentarfilms „Wir haben es doch erlebt“ über das Getto von Riga und die Massaker der SS in der lettischen Hauptstadt, startete am 15. Juli 2014 eine Crowdfunding-Kampagne auf www.startnext.de./wir-haben-es-doch-erlebt. Mit Hilfe interessierter Bürgerinnen und Bürger möchte der Autor eine englischsprachige Fassung des 2013 erschienenen Films erstellen und dem historischen Film einen aktuellen Bezug verleihen, in dem Bilder eines Aufmarsches von 1.500 SS-Veteranen am 16.3.2014 an den Anfang des Films gestellt werden. Riga ist in diesem Jahr die Kulturhauptstadt Europas.

Das abgesperrte jüdische Getto in Riga unter deutscher Besatzung, Foto: Phoenix Medienakademie e.V.

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Weltkrieg als robuste Entwicklungshilfe: Siegfried von Vegesacks „Als Dolmetscher im Osten“ PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 17. Juli 2014 um 00:00 Uhr

Am 17.7.1944, also kurz vor dem Hitler-Attentat, überreichte Siegfried von Vegesack seinem militärischen Vorgesetzten, dem Chef des Wirtsschaftsstabes Ost, General Otto Stapf, eine Denkschrift. Dieser hatte ihm befohlen: „Sie sollen nichts beschönigen, unbekümmert Kritik üben. Ich wünsche keine Propaganda, - nur auf die Wahrheit kommt es mir an!“ Der Schriftsteller deutschbaltisch-lettischer Herkunft, der schon seit Jahrzehnten in Bayern lebte, war eigentlich kriegsuntauglich. Er hatte sich in seiner Studentenzeit bei einer Burschen-Mensur in Dorpat das Auge schwer verletzt. Dennoch meldete er sich bei der Wehrmacht nach ihrem Einmarsch in die Sowjetunion als Kriegsfreiwilliger. Er half den Deutschen, die nun besetztes Territorium bewirtschafteten, als Übersetzer. Als Rigaer Gymnasiast musste er einst die russische Sprache erlernen. Wenn Vegesacks autobiographische Angaben stimmen, hat er durchaus Mut bewiesen: Demnach planten die Attentäter des 20.7.44, seine Schrift „Behandlung der Bevölkerung in den besetzten Ostgebieten“ nach erfolgreicher Machtübernahme zu veröffentlichen. Als das Attentat scheiterte, hätten die Nazis den Autor wahrscheinlich ebenfalls hingerichtet - wenn sie denn von seinem Text und seinen Kontakten zum Widerstand gewusst hätten. Der Publizist und Literat, der im Dritten Reich mit seinem dreiteiligen Roman „Die Baltische Tragödie“ bekannt wurde, übt in der letzten Kriegsphase heftige Kritik an den Nazi-„Goldfasanen“ und ihrer kolonialistischen Ostpolitik. Aber ein Bekenntnis demokratischer Gesinnung sind diese Texte keineswegs, weder diese Denkschrift noch seine literarisch ambitionierten Berichte über das Leben in den besetzten Gebieten. Diese hatte er zuvor ebenfalls auf militärischem Befehl geschrieben. Die ersten Texte seien „nach langen Widerständen und endlosen Kämpfen mit der Zensur unter dem Titel `Soldaten hinterm Pflug` für unsere Dienststellen gedruckt worden.“1 Im Jahr 1965, als solche Literatur noch manches uneinsichtige Landserherz zu erfreuen wusste, veröffentlichte Vegesack diese Texte erneut, nun unzensiert. Das Buch hat den Titel „Als Dolmetscher im Osten, Ein Erlebnisbericht aus den Jahren 1942-43“ (der aber auch die Denkschrift von 1944 enthält). Es ist ein aufschlussreiches Buch, das demonstriert, wieso ein nationalkonservativ Gesinnter sich so eng mit den Nazis verbünden konnte. Wer den Erlebnisbericht liest, wird viele Parallelen zur nationalsozialistischen Weltanschauung entdecken. Erst spät ahnt der Abkömmling aus adeligem Hause halbwegs, dass die Nazis die Slawen anders als ein deutschbaltischer Baron betrachteten: Die Ostvölker waren weniger zu führende Diener und Knechte als lebensunwerte Untermenschen, die bei Bedarf auszurotten waren. Lesenswert ist das Buch auch aus einem anderen Grund: Manche Vegesack-Kommentare zu Deutschen, Russen und Ukrainern haben verblüffende Bezüge zur heutigen, mit einer gewissen Arroganz betriebenen Berichterstattung über Osteuropa. So stellt sich die Frage, in wie weit noch heute stereotype Abwertungen des Ostens in der deutschen öffentlichen Meinung nachwirken.

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Mit Domus-Rigensis in die Kurländische Schweiz PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 12. Juli 2014 um 00:00 Uhr

Reisebusse beim Halt in PedvaleDer deutsch-lettische Verein Domus-Rigensis veranstaltete vom 4. bis 6. Juli 2014 seine 23. Kulturtage. Seit fast drei Jahrzehnten kümmern sich die Mitglieder um den kulturellen Austausch. Sie erinnern mit zahlreichen Veranstaltungen an das deutschbaltische Erbe, das ein Teil der lettischen Geschichte ist. Diesmal standen die Tage unter dem Motto: „Riga – Kulturhauptstadt Europas 2014“. Am Freitagabend sprach Frank von Auer im Haberlandsaal des Stadt- und Schifffahrtsmuseums im Namen der Deutsch-Baltischen Gesellschaft ein Grußwort. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit Domus-Rigensis und ließ gleichwohl seine Enttäuschung erkennen, dass im offiziellen Kulturprogramm Rigas die deutschbaltische Historie keine Rolle spielt. Deutschbalten haben den Aufstieg Rigas zur wichtigsten Metropole dieser Region mitgeprägt. Osteuropaexperte Erwin Oberländer schilderte in seinem Vortrag detailliert, wie sich bis 1914 innerhalb von fünf Jahrzehnten Riga zur Industriemetropole entwickelt hatte. Die deutschbaltische Oberschicht besaß daran maßgeblichen Anteil. Doch sie sah bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht ein, dass sie der wachsenden lettischen Mehrheit die politische Teilhabe nicht verwehren konnte. Oberländer bewundert die Entwicklung Rigas als multiethnische Gemeinschaftsleistung. Aber es blieb eine Leistung von Parallelgesellschaften, die ihre eigenen Kirchen und Vereinsräume behielten. Mikus Čeže erläuterte den historischen Wandel an einer bekannten kulturellen Institution. Er zeigte Fotos aus einem Bildband, den er zur Nationaloper erstellt hatte. Einst war es das deutsche Theater. Bilder der Frontfassade aus verschiedenen Epochen verdeutlichen, dass jedes Regime die Säulen mit eigenen Sprüchen und Farben verzierte. Eigentlich wollten die Deutschbalten ein Haus in ihrem typisch neugotischen Stil, doch der Gouverneur verpflichtete sie zu einem weniger schwülstigen, neoklassischen Gebäude, das Ludwig Bohnstedt geplant hatte. Auch am Samstag konnten die Teilnehmer so manches erleben und genießen, vom Konzert mit der Sopranistin Martina Doehring und dem Pianisten Aivars Kalejs bis zur lauschigen Fahrt auf dem Schiff „Vēcrīga“, was „Altriga“ bedeutet. So endete dieser Tag in der goldenen Abendsonne auf der Daugava, die einst Düna hieß. Als Teil für das Ganze wird unter „weiterlesen“ der sonntägliche Ausflug nach Goldingen ausführlicher berichtet.

Die Domus-Rigensis-Gemeinde auf Sonntagsfahrt, Foto: LP

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